7.5 Gefäßeigene Pathophysiologie und Pathomorphologie7.5.1
Gegenseitige Kompensation der A.vertebralisDie
beiden Vertebralarterien können ohne Verzögerung die Funktion des kontraleteralen
Gefäßes mitübernehmen. Selbst beim subdavian- steal- Syndrome
(Contorini 1960, Toole 1961, Fischer 1962) sind keine wesentlichen Durchblutungsstörungen
im vertebrobasilären Versorgungsgebiet zu befürchten (schoop), wenn
dem auch einige Autoren widersprechen (Weickmann, Dorndorf & Gänshirt).
Da die menschliche Gefäßanatomie der A.vertebralis deutliche Unterschiede
zu der bei Tieren aufweist, ist der Wert tierexperimenteller Untersuchungen zweifelhaft;
bei Unterbindung der A.subclavia von Hunden sank die Hirndurchblutung um 40%,
bei Affen nur um 6% (Reiwich et al 1961, Handa et al. 1966; zit.n. Dorndorf &
Gänshirt). Beim Menschen kann ein unvollständiger Verschluß der
A.vertebralis genügen, um flüchtige Symptome einer Vertebralis-Basilaris-Insuffizienz
(VBI) hervorzurufen (Dorndorf & Gänshirt, Bernsmeier & Gottstein). Liegt
ein Durchblutungshindernis im Vorfeld der A.vertebralis, wird ihre gesamte Kapazität
zur Versorgung der oberen Extremität zweckentfremdet. Die hämodynamischen
Konsequenzen eines Verschlusses der A.vertebralis selbst dürften demgegenüber
deutlich geringer sein und die Hirndurchblutung kaum beeinträchtigen. Dies
wird durch die Tatsache belegt, daß trotz der großen Häufigkeit
von Kaliberschwankungen (41% n. Kunert) im Normalfall keine Symptome einer Minderdurchblutung
auftreten. Die Kompensation wird aber immer dann gefährdet sein, wenn bereits
unter Normalbedingungen eines der beiden Gefäße -aus den unterschiedlichsten
Gründen - hochgradig insuffizient ist (vgl. auch Tab. 7.7). Alle Autoren
weisen auf die Schwierigkeiten bei der Verwertung angiographischer Befunde für
die Kaliberbeurteilung hin, da Spasmen des Gefäßes sogar Apiasien vortäuschen
können (jung & kehr); das völlige Fehlen einer Arterie ist gar nicht
so selten: Jung & Kehr konnten innerhalb von 7 Jahren 11 Fälle beobachten,
bei denen eine A.vertebralis völlig fehlte oder so hypoplastisch war, daß
ihr keinerlei funktionelle Bedeutung zukam. Aufgrund ihrer klinischen Erfahungen
betonen die Autoren, daß bei solchen Patienten das Risiko von Symptomen
nach Schädel- HWS- Trauma deutlich höher und breiter gefächert
ist.
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Abb. 7.17: Kollateralen des
Vertebralis- Stromgebietes (n. Weickmann, 1969) a) normale Verhältnisse
bei regelrechter Ausbildung aller beteiligten Gefäße b) Situation
bei Obliteration einer A. vertebralis
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