7.5.2 Kollateralen über den Circulus art. |
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Abb. 7.18: Hauptquellen des Kollateralkreislaufes bei Verschluß des proximalen Segmentes der A. vertebralis (n. Domdorf & Gänshirt, 1972). 1 = Vertebro- vertebral, 2 = Anastomosen der A. occipitalis aus dem Externakreislauf mit Muskelästen der A. vertebralis, 3 = Verbindungen der Vertebralarterien durch hypertrophierte radikuläre Arterien, 4a u. b = Verbindungen zwischen Externaästen mit umgekehrt durchbluteten Ästen des Truncus thyreo- bzw. costocervicalis, 5 = Querverbindungen der Schilddrüsenarterien und 6 = Anastomosen der A. thoracica interna beider Seiten (nach North u. Mitarb. [877]). |
Die Variationen des Circulus arteriosus Wilisii (CAW) gehören zu den häufigsten aller Gefäßvarianten (Schmidt 1969); eine regelrechte Aufteilung war nur in 40-50% der untersuchten Fälle feststellbar (Lindenberg 1955, Dorndorf & Gänshirt 1972). Die anatomischen Varianten sind gerade im dorsalen, für die Kommunikation mit der A.vertebralis relevanten Anteil besonders häufig (Weickmann, 1969; Krayenbühl & Yasargil, 1957,1965).
Die
Wertigkeit des CAW unter Normalbedingungen ist umstritten; während ihm
Weickmann eine "nunterbrochene Ausgleichsfunktion" einräumt, widerspricht
Tiwisina diesen arteriographisch gewonnenen Erkenntnissen. Zülch und Moniz
fordern, die arteriellen Versorgungsgebiete des Gehirns funktionell weitgehend
als Endarterien aufzufassen, weil die Funktion der Anastomosen im entscheidenden
Moment nicht verläßlich ist (zit. n. Quandt & Sommer, Decher). In der
Regel fließt das Blut einer Vertebralarterie ohnedies undurchmischt mit
der Gegenseite in das gleichseitige Versorgungsgebiet (McDonald & Potter 1949,
zit. n. Schmidt). Der Ausfall einer A. vertebralis wird nur schlecht über
den CAW kompensiert (Sandy; Tatlow & Bammer, Hutchinson & Yates), zumindest bei
denjenigen, deren Gefäßanatomie in diesem Bereich Normveränderungen
aufweist. Vor allem bei plötzlichen und flüchtigen Durchblutungsminderungen
der Vertebralarterien öffnet sich das Kollateralsystem nicht schnell genug.
Ist die A. vertebralis z.B. rechtsseitig insuffizient und zudem links aus
funktionellen Gründen kurzfristig eingeengt, wird das gesamte Versorgungsgebiet
der Vertebralarterien mehr oder weniger "austrocknen", bevor die Kollateralen
des CAW einspringen. Auch die schweren Zwischenfälle nach HWS- Manipulationen
sprechen für diese Annahme. Andererseits belegen klinische Beobachtungen,
daß langsam zunehmende Strömungsbehinderungen (Sklerose, Thrombose,
raumfordernde Prozesse) in den meisten Fällen über den CAW kompensiert
werden können (in 80% der Fälle, nach Dorndorf & Gänshirt). Dieselben
Autoren berichten von zwei Fällen, bei denen die gesamte Hirndurchblutung
wegen Verschluß beider Carotiden und einer Vertebralarterie «über
eine sehr weite A.vertebralis» erfolgte; ein eindrucksvolles Beispiel für
die unglaubliche Kompensationsfähigkeit des Hirnkreislaufes bei langsamer
Entwicklung der Störung.
Weitere Anastomosen zwischen Vertebralis- und
Carotis-Stromgebiet sind in Abb. 7.18 dargestellt.
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