7.6 Pathophysiologie des GefäßspasmusVsisokonstriktion
ist ein physiologischer Vorgang, der im Wesentlichen durch das Blutdruckgefälle
und die Konzentrationsgradienten von 02 und CO2 gesteuert
wird, und nerval abläuft. Autoregulative Vorgänge halten dabei das Gefäßlumen
innerhalb eines physiologischen Rahmens (Lechtape- Grüter & Zülch 1971). 7.6.1 Die mechanische Komponente der SpasmogeneseDie A.vertebralis ist wie kein anderes Gefäß in die komplizierte Biomechanik der HWS einbezogen. Die Kollateralfunktion der A. carotis ist zweifelhaft, durch häufige Minusvarianten des Circ. arteriosus Wilisii beeinträchtigt und bei flüchtigen Durchblutungsstörungen sicher zu träge. Die <extreme Sensibilität) der A.vertebralis (jung, 1973) ist bekannt und Spasmen als Ausdruck dieser mitunter pathologisch gesteigerten Reizbarkeit sind vielfach beschrieben ( Förster & Penfield 1930, Röttgen 1937, 1956, 1959, Riechert 1949,1953, Radner 1951, Decker 1958, Tarnow 1958, Gutmann & Tiwisina 1958, Krayenbühl & Yasargil 1957, 1965, Morris 1959, Kunert 1961, Kresse 1963, Herrmann & Pia 1963, Rothenburg & Corday 1961, Corday und Mitarb. 1963, Tiwisina 1964, Giese 1965, Jung & Kehr 1968, 1972, 1973, Weickmann 1969, Lechtape- Grüter & Zülch 1971, Dvorak et. al. 1982). Die Dauer dieser Spasmen betrug 3-10, maximal 40 Minuten; andere Autoren sprechen von Tage- ja monatelanger Dauer dieser Spasmen (Herrmann & Pia 1961, die auch Ecker & Riemenschneider 1951, 1953 zitieren)). Diese Spasmen wurden bei Tierversuchen, Operationen, bei Punktionen für eine Angiographie, besonders beim Auftreten von Extravasaten beobachtet (Förster & Penfield 1930, Rothenburg 1961, Kunert 1961, Echlin 1965); sie pflanzen sich im Gefäßstamm als wandernde Schnürringe fort und können so lange anhalten, daß Morris (1959) davor warnte, beide Vertebralarterien in derselben Sitzung zu punktieren, um den möglicherweise katastrophalen Folgen eines beiderseitigen Spasmus auszuweichen (vgl. Abb. 7.22). Dies wird von anderen Autoren bestätigt (Landau & Ransohoff 1968, Simeone, Ryan & Götter 1968, Brawley, Strandness & Kelly 1968, echlin 1968, Wilkins & Odom 1970). Die Dauer kann demnach bis zu mehreren Tagen betragen, wenn alle Wandschichten traumatisiert sind. Tiwisina beschrieb einen mehrmals beobachteten segmentären Gefäßspasmus an der Vereinigungsstelle beider Vertebralarterien, den er auf den Druckanstieg bei schneller Injektion des Kontrastmittels zurückführt; er interpretiert diesen Spasmus als Schutzmechanismus der feinwandigen Gehirngefäße bei zu starkem intravasalen Druckanstieg. Tarnow (1958) teilt ähnliche Beobachtungen mit. Gutmann & Tiwisina beschrieben erstmals 1959 Spasmen der A. vertebralis bei direkter Punktion des Gefäßes, die durch morphologische Veränderungen oder intersegmentale Bewegungsstörungen provoziert wurden. Es handelte sich dabei nicht um die physiologische Drosselung des Gefäßes, sondern um echte Spasmen der intercanaliculären Gefäßstrecke, was Untersuchungen von Jung und Kehr bestätigten. Diese Beobachtungen machen es sehr wahrscheinlich, daß auch stumpfe, rekurrierende Irritation der gespannten Gefäßwand den flüchtigen arteriellen Spasmus auszulösen vermag. Diese Beobachtungen unterstreichen die Feststellungen von Gefäßphysiologen, wonach mit zunehmender Dehnung die Irritierbarkeit der Gefäßwand steigt (Schneider, 1962; vgl. Kap. 4.2). Die Untersuchungen werden nicht zuletzt dadurch erschwert, daß diese Gefäßspasmen in ihrem Auftreten unberechenbar sind, sich extreme Provokationsversuche aber wegen der manchmal fatalen Folgen verbieten, und der Tierversuch nur mit großen Vorbehalten auf den Menschen übertragbar ist, um so mehr, als diese Tiere gesund, und durch keinerlei Noxe pathogen konditioniert sind. Diese streng
lokalisierten, rein intramural ausgelösten und als Schnürringe entlang
der Strombahn wandernden Spasmen konnten für den extracraniellen Bereich
eindeutig nachgewiesen werden (Schneider 1961, 1962, Weickmann 1969). Mit größter
Wahrscheinlichkeit stellt dieser Spasmus eine unmittelbare periphere autonome
Reaktion auf einen mechanischen und/oder chemischen Reiz dar. Hensel (1974) spricht
in diesem Zusammenhang von dokal- mechanogenen Reaktionen), wie sie erstmals von
Bayliss (1902) als myogene Reaktion einer Arterie auf einen Dehnungsreiz beschrieben
wurden. |
| < Seite 96 | Seite 97 | Seite 98 > |