7.6.2 Die chemische Komponente der SpasmogeneseDie
Frage, wie es zu den lokalen Spasmen der großen Hirngefäße kommt,
ist schwierig zu beantworten. krayenbühl & yasargil (1965) betonen entgegen
ihren früheren Arbeiten, daß ein solcher Spasmus nur in der Umgebung
von Blutungen, Aneurysmen, lokal entzündlichen Prozessen oder bei direkter
Traumatisation auftreten könne. Hierzu trägt die nur gering ausgebildete
Wandmuskulatur und die Anordnung ihrer Faserzüge bei (Schneider 1953, Goerttler
1934,1953, gänshirt 1951, 1953). In den Hirnarterien ist sie in langen Schraubenzügen
angeordnet, deren Kontraktion zu Gefäßerweiterung führt, während
die engen Windungen der großen Hirnarterien bei Kontraktion das Gefäß
verengen. Diese von Goerttler betonte Besonderheit wird jedoch von anderen Autoren
bestritten (v. Lang 1982). Als
humoraler Hauptfaktor stellte sich das Serotonin heraus, das beim Zerfall
von Thrombocyten frei wird. Aber auch andere Plasmaproteine können einen
Gefäßspasmus unterhalten, wenn sie in die Media gelangen, sei es durch
Trauma oder erhöhten Perfusionsdruck während hypertoner Krisen (Giese
1965). "Wenn diese letzten Ergebnisse sich bewahrheiten, dürften sie darauf hinweisen, daß es ein lokaler, vorwiegend von außen her auf die Gefäßwand einwirkender, aus der Blutung stammender, dem Katecholamin ähnlicher Faktor ist, der den Spasmus erzeugt. Er setzt an den "alpha"- adrenergischen Rezeptoren an und kann durch deren Blockade in seiner Wirksamkeit gehemmt werden. ... Nach dieser Darstellung kann man heute wohl sagen, daß durch örtliche Reizung des Gefäßwand mit Freisetzung von Faktoren, die die "alpha"- Rezeptoren am neuromuskulären Übergang stimulieren, eine akut auftretende arterielle Konstriktion stattfindet, deren zeitliche Dauer abhängig ist von der Persistenz der stimulierenden Faktoren in der Gefäßwand" (Lechtape-Grüter & Zülch). Wir hatten die Folgen eines tragischen Behandlungszwischenfalles zu begutachten, dessen wahrscheinlicher Pathomechanismus sich zwanglos aus dem eben Ausgerührten ergibt: Eine junge und gesunde, hypermobile Frau wird innerhalb von acht Tagen zweimal mit einer brüsken Rotationsmanipulation behandelt. Beim zweiten Mal kommt es zu erheblichem Krachen und durchdringendem Schmerz, die Patientin wird be-wusstlos, durch sofortige Behandlung auf einer Intersivstation überlebt sie. Es verbleibt eine spastische Tetraparese. Neurologischerseits wird eine Thrombose der A. vertebralis angenommen. Wir meinen, daß hier ein Dauerspasmus mit ischämischem Parenchymschaden vorgelegen hat, ausgelöst durch die abrupte Traumatisierung des Gefäßes; nach unseren Erfahrungen ist eine 2. Behandlung nach so kurzer Zeit besonders gefährlich. Das neuere Schrifttum bestätigt unsere Ansicht immer wieder. Die
Ergebnisse von Lechtape- Grüter und Zülch lassen sich komprimiert zusammenfassen:
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