Arteria 
vertebralis, Halswirbelsäule und plötzlicher Kindstod  
K. - S. Saternus, Göttingen Mitte der 60iger Jahre wurde die Bauchlage als 
Regelschlafposition für Säuglinge in  Deutschland etabliert. Schrittmacher 
waren zunächst Orthopäden, wobei auch sehr  schnell Pädiater 
die Vorteile der Bauchlage, insbesondere bei Frühgeborenen,  hervorhoben.  
Einzelne Autoren 15,128 nahmen allerdings gegen die Bauchlage, weil  ihrer 
Meinung nach eine Lagerung auf dem vollen Magen einen Zwerchfellhochstand  
und dadurch letztlich eine chronische Ateminsuffizienz zur Folge haben könne. 
Mit der Einführung der Bauchlage wurden in Deutschland einzelne Kasuistiken 
von  Plötzlichem Kindstod, verbunden mit der Warnung vor dieser Schlafposition, 
mitgeteilt. Früh untersuchten Rechtsmediziner, so Althoff2, diese Frage, 
ohne einen Einfluß  der Schlafposition auf die Häufigkeit des 
Plötzlichen Kindstods finden zu können. So war es nicht verwunderlich, 
daß die erste größere Untersuchung durch uns 224- 226 (Vergleichskollektiv 
von n = 306), bei der der Einfluß der Bauchlage als  Belastungsfaktor 
im Hinblick auf SID nachgewiesen und die A.-vertebralis-Theorie  formuliert 
worden ist, zu einer lebhaften wissenschaftlichen Kontroverse geführt hat.  
Von den Kritikern seien Bentele 17, Wilske280, Althoff3,4 sowie Kahn et al.129 
erwähnt.  Recht schnell legten de Jonge et al. 123,124 sowie Kleemann 
et al.139 die ersten  bestätigenden Untersuchungen vor, denen bis heute 
zahlreiche weitere gefolgt sind. Dennoch bedurfte es eines neuen Anstoßes 
durch Jorch et al. (1991)126, um in   Deutschland die Diskussion über 
die Bauchlage als Belastungsfaktor in Bezug auf den  Plötzlichen Kindstod 
wieder in Bewegung zu setzen. Inzwischen hat auch die Deutsche  Gesellschaft 
für Kinderheilkunde auf das Problem der Bauchlage bei SID hingewiesen. Auch 
wenn die Bauchlage jetzt als Belastungsfaktor im Hinblick auf den Plötzlichen  
Kindstod weniger kontrovers diskutiert wird, so gilt das nicht für das zugrundeliegende  
Wirkprinzip.  Deshalb erscheint es gerechtfertigt, noch einmal den eigenen 
Ansatz (A.  vertebralis-Theorie) zu erläutern.  Zusammenfassung: 
In einem Übersichtsbeitrag wird der Einfluß der Bauchlage auf die Inzidenz 
des  Plötzlichen Kindstods (SID) mechanisch mit dem Effekt der Kopf-Hals-Rotation  
begründet. Nachdem der eigene Ansatz, in der Bauchlage als Regelschlafpostion 
des  Säuglings einen Risikofaktor für SID zu sehen, durch eine 
Vielzahl an  Nachuntersuchungen eine deutliche Stützung erfahren hat, 
bleibt aber der  zugrundeliegende Mechanismus auch heute noch im Schrifttum 
kontrovers. Die eigene Vorstellung besteht darin, daß sich beim Säugling 
alle Faktoren, die die  Kompensationsbreite bei primär cerebraler Regulationsstörung 
bis zur funktionellen  Reorganisation mindern, als Belastungsfaktoren einzeln 
und insbesondere in der  Summation erweisen. Ein verifizierbarer Faktor ist 
die flow-Änderung in der A. vertebralis bei Rotation und  Reklination. 
Dargestellt werden anatomische Grundlagen (Varianten,  Kaliberdifferenzen), 
postmortale und reale dopplersonographische Flußmessungen, die  die 
A. vertebralis-Theorie erhärten. Zusätzlich wird der Sagittaldurchmesser 
des  Spinalkanals bei der Dorsalflexion betrachtet.

 
zum Inhaltsverzeichnis             go top