Vertebragene 
Störungen bei Kindern:  Akutsymptomatik und Langzeitwirkungen 
H. Biedermann, Antwerpen Reicht schon bei Erwachsenen der Einfluß vertebragener 
Funktionsstörungen weit über das  Achsenorgan hinaus, ist dies 
bei Kindern noch viel ausgeprägter der Fall. Kaum ein Kind klagt über 
„Verspannungen im Nacken“, wie wir das von unseren erwachsenen Patienten gewohnt 
sind. Nicht  zuletzt deshalb ist es oft auf den ersten Blick wenig einleuchtend, 
an eine funktionell vertebragene  Ursache bei manchen pädiatrischen 
Beschwerdebildern zu denken. Auch bei Erwachsenen fallen  Problemzone und 
Schmerzbereich nicht notwendigerweise zusammen; eine Fehlstatik kann  Kopfschmerzen 
unterhalten, eine Verspannung der Nackenmuskeln eine Epicondylitis vortäuschen.  
Je jünger ein Patient ist, desto mehr aber gilt dies.  Schon 1964 schrieben 
Lewit & Janda: „Es ist beachtenswert, daß bei Kindern, bei denen ja 
direkte Beschwerden von Seiten der Wirbelsäule viel seltener sind als 
bei Erwachsenen, die Erfolge der Vertebraltherapie besser sind als bei Erwachsenen. 
Es mag dies so zu erklären sein, daß bei Kindern die große 
Kompensationsfähigkeit der Wirbelsäule zwar Schmerzen im Bereich der  
Wirbelsäule vorbeugt, die vegetative Labilität der Kinder jedoch indirekt 
vertebragen mitbedingte vegetativ- vasomotorische Erscheinungen hervorruft.“[Lewit, 
1964 #211]  Sie hoben damals vor allem auf Kopfschmerzen und damit verbundene 
Beschwerden ab. Man sollte glauben, es sei heute allgemein bekannt, wie gut 
gerade der kindliche Kopfschmerz bzw. die  kindliche Migräne auf manuelle 
Therapie ansprechen. Es stimmt dann immer wieder traurig, wenn  auch im neueren 
Schrifttum oft davon keine Kenntnis genommen wird (vgl., als Beispiel für 
viele  [Michaelis, 1995 #1640]). Hinzu kommt, daß erst die Interaktion 
zwischen genetischer Grundausstattung und Umweltreizen  die individuelle 
Entwicklung bedingt. Eine Kopfschiefhaltung im ersten Lebensmonat – aus  
welchen Gründen auch immer – kann zu einer Schädelasymmetrie führen; 
schon beim Schulkind kommt es schon aus entwicklungsphysiologischen Gründen 
kaum zu einer solch dramatischen  Reaktion. Die frühkindlichen Asymmetrien 
Die Frage, ob eine fixierte Schiefhaltung beim Säugling therapiert werden 
soll, wurde und wird  kontrovers diskutiert. Die Zahl derer, die dies als 
„physiologische Skoliose''  bezeichnen und für  nicht therapiewürdig 
halten wird geringer[Gladel, 1977 #627]. Buchmann hat darauf hingewiesen:  
„Der Tatbestand einer Seitknickasymmetrie in der Kopfgelenkregion eines Kindes 
... sagt eigentlich  nicht viel“', aber er fügt dem hinzu „Erst das 
Vorhandensein weiterer Zeichen ... kann eine  unmittelbare Behandlung ... 
notwendig erscheinen lassen''[Buchmann, 1992 #54].   Wie sehr die Symmetrie 
als Qualität an sich für unseren Lebenserfolg wichtig ist, zeigt nicht 
zuletzt  ein Blick in die neuere Literatur. Dabei wird sowohl auf die Außenwirkung 
als auch auf die  Ökonomie der neuralen Organisation abgehoben[Enquist, 
1994 #381; Kirkpatrick, 1994 #411].  Møller & Swaddle[Møller, 
1997 #1230] weisen in ihrer Monographie an einer Vielzahl von  Tierversuchen 
nach, daß eine enge Korrelation zwischen evolutionärem Erfolg und Symmetrie 
zu  finden ist. Es dürfte also nicht verfehlt sein, die Symmetrisierung 
einer kleinkindlichen Haltung und  Bewegung schon dann therapeutisches Ziel 
anzuerkennen, wenn die sonstigen klinischen  Auffälligkeiten noch gar 
nicht mit in die Untersuchung einbezogen sind.  Wie schon der häufig 
benutzte Ausdruck muskulärer Schiefhals suggeriert[Binder, 1987 #371;  
Bruckner, 1990 #50; Tse, 1987 #319; Wirth, 1992 #343] sehen viele Autoren in der 
Muskulatur  den Hauptschuldigen; auch Vojta postuliert für den Schiefhals 
des Neugeborenen primär myogene  Gründe[Vojta, 1983 #325] (vgl. 
auch [Slate, 1993 #449; Suzuki, 1984 #452; Hagena, 1986 #166;  Koulalis, 
1968 #199]). Wilhelm stand mit seinem Hinweis auf intrauterine Schädigung 
der  Wirbelkörperwachstumszonen unserem pathogenetischen Modell schon 
recht nahe[Wilhelm, 1955  #342] (vgl.[Tom, 1987 #310]). Bobath wies auf die 
cerebralen Schäden als Ursache von  abnormen Haltungsreflexen und damit 
asymmetrischer Entwicklung hin[Bobath, 1967 #37]. Mau  vermutete Bindegewebsschwäche 
und Muskelstoffwechselstörungen, wies aber darauf hin, daß  „die 
Ätiologie der Säuglingsskoliose vorerst unverändert im Dunkel gehüllt' 
bleibt“[Mau, 1962  #227; Mau, 1979 #229; Davids, 1993 #377]. Gerade in den 
letzten Jahren wird aber auch die  vertebragene Komponente mehr und mehr 
betont (z.B. [Dubousset, 1986 #378]).  Das KISS-Syndrom  Über die 
KopfgelenkInduzierten SymmetrieStörungen (KISS-Syndrom) wurde schon an anderer  
Stelle berichtet (z.B. [Biedermann, 1991 #25]). Das KISS-Syndrom stellt eine der 
wichtigsten  Indikationen gezielter ärztlicher Manualtherapie bei Kleinkindern 
dar. Der frappante Erfolg dieser  Therapie beim frühkindlichen Schiefhals 
hat meines Erachtens den Terminus „muskulärer  Schiefhals'' ebenso obsolet 
gemacht wie Redressionsverbände für Kleinkinder mit C- Skoliosen  
oder die Helmbehandlung von Schädelasymmetrien[Draaisma, 1997 #1229; Clarren, 
1981  #1231]. Es ist eben nicht der verkürzte oder durch ein Hämatom 
geschwollene  M.sternocleidomastoideus ist, der die Symptomatik unterhält, 
sondern die parallel dazu  eingetretene Traumatisierung der Kopfgelenke. 
Der Muskel ist nur ein von außen gut sichtbares  Co-Symptom der traumatisierten 
Nackenregion. Begünstigt wird diese Sichtweise zudem dadurch,  daß 
in manchen Fällen eine Fibrose des M.sternocleidomastoideus eintritt und 
diese unzulässigerweise als lineare Verlängerung eines initialen 
Haematoms interpretiert wird. Es ist zu hoffen, daß die operative Vorgehensweise 
in der Zukunft den wenigen Fällen vorbehalten  bleibt, wo eine konservative 
Therapie nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Aus unserer Praxis  
mußten nur sieben Kinder operiert werden (± 0,1 %) und diese waren 
erst spät, d.h. lange nach  der Vertikalisierung mit entsprechender 
Fixierung der Situation in Behandlung gekommen. Diese  Gruppe stellt eine 
verschwindend kleine Minderheit dar, die zwar nicht negiert werden sollte, aber  
auch kein Behandlungskonzept für die überwältigende Mehrzahl der 
Fälle abgeben kann. Es sollte  auch nicht vergessen werden, daß 
die Myotomie nichts an der immer in diesen Fällen  nachweisbaren massiven 
Symmetriestörung im eigentlichen Kopfgelenkbereich ändert.  Beim 
Forschen nach den Ursachen der Asymmetrien stößt man auf drei Komplexe: 
–  Die `Schieflagekinder' kann man in der Regel recht gut abgrenzen, nicht 
zuletzt durch die  praenatale Sonographie. Die Mütter berichten auch 
meist, daß die Kinder in den letzten  Wochen vor der Geburt kaum mehr 
gestrampelt hätten. Diese Kinder kommen dann z.B. mit  der Gesichtsasymmetrie 
auf die Welt. Hier wird die Asymmetrie meist sofort nach der  Entbindung 
diagnostiziert. –  Mit dieser Gruppe überschneidet sich diejenige der 
Kinder mit Geburtstrauma: natürlich wird ein  intrauterin schiefes Kind 
leichter ein zusätzliches Trauma erleiden, wenn es gegen seine verkürzte 
Seite entwickelt wird. Insofern ist die Differenzierung problematisch. Meines Erachtens 
sind gerade die Säuglinge mit Sternocleido- Hämatom doppelt getroffen: 
der Muskel war schon intrauterin verkürzt und wird dann beim Entbinden 
zusätzlich traumatisiert, genau wie die – ebenso schiefen – Kopfgelenke.  
–   Doch oft ist das Geburtstrauma auch alleine verantwortlich, z.B. 
traumatisiert durch eine lange  Austreibungsphase oder die Verwendung von 
Extraktionshilfen. Bei diesen Kindern entwickelt  sich die Symptomatik in 
den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt. Sie fallen meist bei  der 
U3 auf, werden dann einer Physiotherapeutin vorgestellt und kommen später 
in  manualtherapeutische Behandlung. –   Schließlich gibt 
es noch die Gruppe der Kinder mit Trauma nach der Geburt. Hier gibt es eine  
große Dunkelziffer. Man kann sich vorstellen, daß es für Vater 
oder Mutter nicht sehr  angenehm ist, zuzugeben, daß einem z.B. das 
Kind vom Tisch gefallen ist. Ich habe schon  mehrmals erlebt, daß mir 
nach der Konsultation von einem Elternteil das dann telefonisch  gebeichtet 
wurde. Dazu kommt, daß natürlich die Kinder, die motorisch schon gehandicapt  
sind, auch eher stürzen. Eine ‚echte‘ KISS-Symptomatik kann sich in diesen 
Fällen ab er nun  entwickeln, wenn das Trauma ganz früh, d.h. unserer 
Erfahrung nach vor dem 3-4. Monat  abgespielt hat.  Leitsymptome: Asymmetrie 
und opisthotone Haltung Wann sollte man bei Kleinkindern an eine vertebragene 
Störung denken? Ein wichtiger Hinweis  wird von der Asymmetrie in der 
Anamnese gegeben; bis zum dritten Monat ist dieses Symptom  allein aber nicht 
sehr präzise. Wir raten deshalb im ersten Trimenon zum Abwarten; Ausnahmen  
sind Babies, die schlecht schlafen, kaum im Bettchen zur Ruhe zu bringen sind. 
Hier ist es sinnvoll,  die HWS zu untersuchen und zu behandeln, um Kind und 
Eltern diese Belastung zu ersparen. Wenn die Kopfkontrolle der Kinder suffizient 
ist – und das ist meist um den dritten Monat der Fall  – wächst die 
diagnostische Bedeutung der asymmetrischen Kopfhaltung. Hinzu kommt das  
forcierte Rückbeugen des Kopfes in eine opisthotone Haltung und die Empfindlichkeit 
im Hals- Nackenbereich.  All diese Zeichen sind letztendlich Ausdruck eines 
Ausweichens vor einer schmerzhaften  Kopfposition; während dies bei 
ausgebildetem Skelett keine wesentlichen morphologischen  Konsequenzen hat, 
führt es beim Kleinkind ganz schnell zu teilweise eindrucksvollen  Schädelasymmetrien, 
die aber wieder zurückgehen, wenn rechtzeitig behandelt wurde. Ähnliches  
kann man bei Frühgeborenen beobachten, die mehrere Wochen beatmet werden 
mußten, und die  dabei nicht regelmäßig umgelagert wurden; 
auch diese Kinder haben meist deutliche  Haltungsasymmetrien, die nicht selten 
physiotherapeutischer Behandlung bedürfen. Die Symptome der Asymmetrie  
können nun verschiedene Ausprägung und Reichweite haben (vgl.  
katamnestische Auswertung Kap. xx): – Schiefhaltung des Kopfes bis zur Zwangshaltung 
– Kopfhalteschwäche – Opisthotonus- Äquivalente – Asymmetrie des Bewegungsmusters 
– einseitige und fixierte Haltung des Rumpfes – asymmetrische und fixierte Haltung 
der Extremitäten – Mindermotorik einer Seite oder einer Extremität – 
Schlafstörungen, Schreien im Schlaf – `Haare- Raufen', bzw. hohe Tastempfindlichkeit 
des Nackens – Gesichtsasymmetrie – Schädelasymmetrie, ungleichmäßiger 
Haarabrieb durch einseitige Lage (`KISS-Fleck') – einseitige Hüftreifungsstörungen, 
einseitige Abspreizhemmung der Hüften – Glutaealfaltenasymmetrie – Sichelfußstellung 
Gerade die Hüftreifungsstörungen brachten bei vielen der uns vorgestellten 
Kinder den Stein ins  Rollen. Über eine Glutaealfaltenasymmetrie kam 
das Kind dann zum Kinderorthopäden für die  sonographische Untersuchung 
der Hüften, und dann direkt oder via PhysiotherapeutIn zu uns. Extremfälle 
der Mindermotorik einer Extremität sind die Erb‘schen Lähmungen. Bei 
denen, wo  keine Kontinuitätsdurchtrennung der Nerven vorliegt, kann 
die dosierte Manualtherapie den  Behandlungserfolg beschleunigen bzw. ermöglichen[Harris, 
1991 #394]. Wir überblicken einige  Dutzend Kleinkinder mit Erb‘scher 
Parese, bei denen man durch die adjuvante Manualtherapie  zumindest eine 
Beschleunigung der Entwicklung zu beobachten glaubte. In Anbetracht der wenig  
aufwendigen Therapieform sollte man aber die gezielte manuelle Behandlung der 
Kopfgelenke bei  diesen Kindern nicht vergessen. Es ist für einen Kinderarzt 
ein Leichtes, sich durch vorsichtige Prüfung der Kopfbeweglichkeit und  
der Palpation der suboccipitalen Muskelansätze davon zu überzeugen, 
ob die obere HWS hier mit  eine Rolle spielt. Hat man hierbei eine Asymmetrie 
der Bewegungsumfänge (am empfindlichsten  ist die Neigung) festgestellt, 
lohnt es sich, die weitere Symptomatik unter dem Blickwinkel  cervicogener 
Kausalität zu betrachten. Man kann zwar durch Physiotherapie deutliche Besserungen 
erreichen; die Erfahrung hat aber  gezeigt, daß eine Neigungsasymmetrie 
meist nicht alleine dadurch zum Verschwinden zu bringen  ist, und diese Kinder 
später weit gehäuft Rezidive haben bzw. die unten geschilderten Symptome  
späterer Lebensabschnitte aufweisen. Ein dänisches Team wies auf die 
weitreichenden  Nachwirkungen schlechter motorischer Entwicklung im ersten 
Lebensjahr auf die spätere  Entwicklung hin[Jensen, 1988 #405]. Immer 
wieder berichten die behandelnden Physiotherapeuten, daß die Kinder nach  
Manualtherapie schnellere Fortschritte machen, und vorher unüberwindliche 
Klippen plötzlich  therapierbar werden. Beim `typischen' KISS-Baby muß 
man noch in knapp 60% der Fälle weiter  physiotherapieren, dann meist 
modifiziert und schneller zum Ziel kommend. Bei fast der Hälfte ist  
eine intensive Therapie nicht mehr vonnöten.  Vierdimensionale Manualmedizin 
Neben der topographisch- anatomischen – d.h. dreidimensionalen – Einordnung vertebragener  
Funktionsstörungen muß auch die Einbettung in die Ontogenese als vierte 
Dimension in die  Beurteilung eingehen. „Die Wirbelsäule des Erwachsenen 
wird von den Versäumnissen der  Jugendzeit geprägt“[Junghanns, 
1986 #737]. Wenn man sich der weit ins Erwachsenenalter  hineinreichenden 
Konsequenzen von WS- Funktionsstörungen im Kleinkindalter bewußt ist  
gewinnen diese eine ungleich größere Bedeutung als ihre primär 
oft wenig eindrucksvolle  Symptomatik vermuten ließe.  Natürlich 
ist nicht jedes Kind mit Adaptationsproblemen ein Fall für die WS- Manualtherapie; 
wenn  solch eine Entwicklung lange genug eingewirkt hat, verselbstständigt 
sie sich auch und kann  weiterbestehen lange nachdem der ursprünglich 
verursachende Faktor verschwunden ist. Viel von  dem oben Berichteten legt 
der Eine unter Minimal cerebral damage, der Andere unter zentraler  Entwicklungsverzögerung 
ab. Da die  manuelle Therapie nicht aufwendig ist (sieht man vom  obligaten 
Röntgenbild der HWS ab) sollte man im Zweifelsfall lieber den Versuch machen, 
wenn  die Symptomatik `paßt', als sich mutwillig dieses einfachen Behandlungsansatzes 
zu begeben. Wann paßt sie?  Über die frühkindliche Anamnese 
wurde schon gesprochen. Sie kann uns  Hinweise geben, die man anhand der 
Untersuchung verifizieren sollte. Ein wichtiger Punkt ist die  Haltung der 
Kinder. Meyer hat seinen Erfahrungen so zusammengefaßt: „In der Liegephase 
ist die Torsion unilateral. Schädel, Schultern, Becken und Füße  
torquieren in dieselbe Richtung. Nach der Beherrschung des Aufrichtens und des 
Laufens  ist die Torsion entgegengesetzt und bilateral. Dies zeigt sich ebenfalls 
in der  Körperhaltung. Bei gleichseitiger Torsion tritt Steilstand auf. 
Es gibt kaum eine  Skoliosierung, Lordosierung oder Kyphosierung. Dies hat 
eine Beckenkippung (Kippung  von rückwärts) zur Folge, wodurch 
die Belastung des Knorpels der Hüftgelenke, und  speziell der Hüftgelenksköpfe, 
nicht mehr physiologisch ist. Der Tonus der Mm. iliopsoas  ist hierbei von 
großer Bedeutung.“[Meyer, 1994 #424] Seine Beobachtungen können wir 
nur bestätigen; sie weisen auf die diagnostischen Kriterien.  Ähnliche 
Erfahrungen von anderen, nicht publizistisch tätigen Kollegen immer wieder 
berichtet,  (z.B. Dr. Neumann, Mailand; Dr. Sautier, München, Bartel, 
Halberstadt). Ein wichtiger Punkt, der uns erst in letzter Zeit klargeworden ist, 
ist die Weiterentwicklung der  opistotonen Haltung der Kleinkinder. Sie behindert 
durch die dabei induzierte Henkelstellung der  Arme die regelrechte Entwicklung 
der Auge- Hand- Koordination; von manchen Kindern wird sie  über die 
Vertikalisierung hinweg latent beibehalten. Früher mag das dann zu einer 
Haltung geführt  haben, wie sie von unserem Kollegen Heinrich Hoffmann 
vor 150 Jahren schon im Struwwelpeter  beim Hans Guck-in-die-Luft beschrieben 
wurde; heute wird zwar die Retroflexion im  Kopfglenkbereich beibehalten, 
aber in den caudal dazu liegenden Etagen überkompensiert. Der  dadurch 
provozierte Rundrücken mit thoracaler muskulärer Hypotonie dürfte 
eine der  Hauptursachen des `Scheuermann' sein, dem unverdienterweise so 
viel ursächliche Pathologie  angelastet wird. Während bei Kleinkindern 
eine Aufrichtung im Suboccipitalbereich mit Harmonisierung des  Grundtonus 
der WS- Haltemuskulatur nach korrekter Manualtherapie dokumentiert werden kann,  
ist dies bei Jugendlichen schwieriger. Hier muß man die weitgehend fixierte 
Gelenkmorphologie  und die Steuerungs- Automatismen schrittweise umbauen, 
und das braucht Zeit. Die Haltung, und  damit die Rückenform ändern 
sich aber schon während eines Monats nach der Manipulation, und  dann 
setzt die geduldige (physiotherapeutische) Kleinarbeit ein, die das Ergebnis sichern 
und  verbessern hilft. Fast genauso wichtig wie die morphologische Fixierung 
ist dabei die  sensomotorische Musterbildung, die Wahrnehmungs- und Bewegungsautomatismen 
festlegt.  Wenn hier rechtzeitig – d.h. vor dem letzten Wachstumsschub – 
der Hauptbremsklotz  Kopfgelenkblockierung beseitigt werden kann, ist eine 
anhaltende Änderung des individuellen  Haltungsstereotyps[Gutmann, 1984 
#158] möglich. Nach der Pubertät ist dies viel schwieriger; die  
vorhandenen morphologischen und kybernetischen Fixierungen sind fast nie mehr 
gänzlich zu  beseitigen. Man kann dann nur bestenfalls auf dem Hintergrund 
dieser Vorgaben therapieren. Daneben gelten die bei den Kleinkindern entwickelten 
Kriterien wie manuelle segmentale  Untersuchung des Nackens auf Funktionsstörungen, 
Einschränkung der Kopfbeweglichkeit etc.  Letztendlich ist eben der 
anhaltende Behandlungserfolg beweisend, und schon Lewit wies darauf  hin, 
daß dies auch manchesmal die einzige stringente Argumentationsbasis ist[Lewit, 
1992 #213]. Die Untersuchung Erwachsener – nicht zuletzt bei Unfallgutachten[Biedermann, 
1998 #1630] –  fördert nicht selten relationale Röntgenbefunde 
zutage, die nur als lange zurückliegende  Situationen interpretierbar 
sind. Wir konnten schon vor Jahren nachweisen, wie fixiert eine nach  Wachstumsabschluß 
vorliegende Relation gerade im Kopfgelenkbereich ist[Gutmann, 1984 #158].  
Asymmetrien zwischen Occiput und C1 – C2 von über 4–6 mm sind beim Erwachsenen 
nicht mehr  ohne weiteres zu erzwingen, es sei den auf der Basis ossärer 
Veränderungen durch massives  Trauma oder Raumforderung. In Kenntnis 
dieser Rahmenbedinungen kann man Röntgenbefunde  nach Abschluß 
des Wachstums vier- dimensional , d.h. unter Einbeziehung der zeitlichen  
Dimension, tiefgreifender und für Diagnostik, Behandlung und Prognose treffsicherer  
interpretieren.  Zentrale und cervicale Komponenten bei der CP Wir sind uns 
heute weitgehend einig, daß das (Geburts-) Trauma bei den Cerebralparesen 
eine  wichtige Rolle spielt. Es ist aber fast ausgeschlossen, daß der 
Schädelinhalt allein tangiert wird,  ohne daß auch im Bereich 
der Halswirbelsäule Verletzungen auftreten. Damit ist schon der Anstoß 
zu einer Wechselwirkung gegeben, die zwischen dem Cerebrum als  zentraler 
Datenverarbeitung und der oberen Halswirbelsäule als Input-Region, Leitungsbahn 
und  Durchblutungsmodulation hin- und hergeht. Jede Physiotherapie setzt 
letztendlich an diesem  Übergang zwischen peripherer Sensorik und deren 
spinaler und cerebraler Verarbeitung an in der  Hoffnung, durch Schulung 
und Bahnung das Entwicklungsdefizit aufzuholen. Seit den dreißiger Jahren 
wissen wir, daß die Hirnentwicklung des Menschen ihren Gipfel um den  
6. Monat nach der Geburt hat[Conel, 1939 #375], nicht wie bei fast allen anderen 
Säugetieren vor  der Geburt. Dadurch kommt der regelrechten Stimulation 
dieser Entwicklung im ersten Lebensjahr  eine zentrale Bedeutung zu. Gerade 
das Kleinhirn hinkt in der Entwicklung hinterher, um diese  dann in den ersten 
sechzehn Monaten aufzuholen[Touwen, 1971 #1197]. Da wesentliche Teile  der 
Synkinesen und der posturalen Steuerung hier – oder direkt spinal – lokalisiert 
sind, ist  verständlich, daß ungünstige Stimulation der entsprechenden 
Zentren zu einer morphologisch  fixierten Einseitigkeit führen. Man 
sollte nicht vergessen, daß sich ein zweijähriges Menschenkind  
in seiner geistigen Leistungsfähigkeit nicht wesentlich vom gleichalten Schimpansen 
unterscheidet;  erst danach zieht das Baby in der Entwicklung davon. Mehrere 
Arbeiten wiesen darauf hin, daß die Entwicklung im ersten Jahr, bzw. deren 
Defizite,  noch lange später meßbare Auswirkungen haben. Im Lichte 
dieser Erkenntnisse verwundert es  immer wieder, wenn in Übersichtsarbeiten 
zu finden ist „Es liegt der Gedanke nahe, daß zu viele  Kinder krankengymnastisch 
behandelt werden''[Staudt, 1990 #451]. Die phänomenale Kompensationsfähigkeit 
des ZNS bei cerebralen Störungen ist bekannt; sie  erstreckt sich bis 
in die Peripherie und ist der Grund dafür, daß die pathogenetische 
Potenz des  kraniozervikalen Überganges bei Neugeborenen so leicht bagatellisiert 
wird: viel wird scheinbar  von selbst besser[Bratt, 1992 #45]. Konsequenterweise 
geben nicht wenige Kinderärzte bei C- Skoliose oder fixierten Schieflagen 
der Babies den Eltern oft noch den Rat „das Kind auf die  andere Seite zu 
legen''. Das mag in leichteren Fällen genügen; daß dieser Tip 
bei massiveren  Störungen von den entnervten Eltern nach lautstarkem 
Protest der Nachkommen schnell wieder  ignoriert wird ist aber eher die Regel 
als die Ausnahme. Das scheinbare Verschwinden vieler Asymmetriesymptome nach der 
Vertikalisierung sollte nicht  darüber hinwegtäuschen, daß 
es gerade diese Gruppe von Kindern ist, die dann im Schulalter  gehäuft 
mit der ganzen Bandbreite funktionell-vertebragener Störungen auffällig 
werden. Dann ist  das Ganze aber ungleich mühsamer zu behandeln. Auf 
der anderen Seite werden Fälle geschildert, die unter AARF (`atlanto-axial 
rotary fixation')  subsummiert und meist neurochirurgischer Therapie zugeführt 
werden[Burkus, 1986 #56; Corner,  1907 #63; Goddard, 1990 #164] (vgl. auch 
[Bruckner, 1990 #50]). Beide Extreme werden der  Problematik nur in Ausnahmefällen 
gerecht. Bei den weitaus meisten Babies kann man auch sehr  eindrucksvolle 
Befunde (bei denen früher manch einer von `Subluxation' gesprochen  
hätte[Eichhorn, 1994 #379]) durch manuelle Therapie behandeln. Viele der 
Kinder, die angeblich spontan besser wurden, sind Jahre später Kandidaten 
für  Schulkopfschmerz, Koordinationsstörungen und andere, auf den 
ersten Blick durchaus nicht  vertebragene Beschwerden. Gerade durch dieses 
verwaschene Bild der cervicogenen Störung  kann man hier letztendlich 
nur ex juvantibus auf eine primär von der oberen HWS ausgelöste  
Problematik denken[Lewit, 1988 #795] Zur Therapieplanung Je weniger eine funktionell 
vertebragene Störung Zeit hatte, morphologische oder  entwicklungsneurologische 
`Denkmäler' zu hinterlassen, desto einfacher ist die Behandlung.  Manualtherapie 
– wenn man sie als minimalistisches Konzept versteht – kommt mit ganz wenig  
Impulsen aus. Wenn ein Kollege in einer Stellungnahme seine Therapie als „Knochenarbeit''  
bezeichnet, hat er zu wenig  Zutrauen in den Effekt seiner Behandlung. Das 
geduldige Einüben  von Haltungs- und Bewegungsmustern ist allerdings 
eine Riesenaufgabe (der  PhysiotherapeutInnen), aber auch sie fordert weniger 
Kraft als Geduld. Unsere kleinen Patienten brauchen Liebe, Zuwendung und Körperkontakt 
als wichtigste Hilfe für  ihre Entwicklung[Field, 1986 #383]. Aber das 
können wir ihnen nicht geben, das machen die  Eltern oder andere, die 
ihnen zu hause nahestehen.  Aus der Aufarbeitung der Effekte manueller Therapie 
wissen wir, daß es auf auch ein `zu viel' an  Behandlung gibt. Bei 
der Behandlung frischer Traumata zum Beispiel, vor allem in sensomotorisch  
zentralen Bereichen wie der Halswirbelsäule, muß man sich der Tatsache 
sehr bewußt sein, daß  jede Behandlung (in des Wortes eigentlicher 
Bedeutung) auch eine Krafteinwirkung auf den durch  das Trauma sensibilisierten 
Bereich ist. Wir haben also zum einen eine unspezifische Wirkung jedes körperlichen 
Kontaktes, zumal wenn  dieser mit Zuwendung verbunden ist. Zum anderen aber 
braucht auch und gerade ein Kind mit  Störungen in der neuromotorischen 
Entwicklung seine Zeit, um die Reize einer Therapie zu  verarbeiten und dadurch 
für sich nutzbar zu machen. In diesem Spannungsfeld arbeiten alle  gemeinsam 
und auf einander Rücksicht nehmend – im Idealfall. Nicht zuletzt als Reaktion 
auf die von etlichen Seiten angebotenen `Intersivtherapien' mit z.T.  wochenlanger 
stationärer Behandlung der Kinder ist viel Unruhe unter die Eltern gekommen. 
Man sollte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und gar sagen „die Remission 
verläuft  spontan und kann nicht durch ein Überangebot an Therapie 
beschleunigt werden.''[Piorrek, 1993  #432]. Die Warnung vor dem zu Viel 
ist aber vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Szene  wichtig. Wurde 
man vor fünfzehn Jahren noch in Bausch und Bogen verteufelt, wenn man die  
Manualtherapie als Partner bei der Behandlung von CP- Kindern ins Spiel bringen 
wollte , ist das  Pendel heute umgeschlagen und viele derer, die dies noch 
vor Kurzen wütend bekämpften,  `haben das selbstverständlich 
auch im Repertoire'. Dann wird aber oft zu häufig, zu stark und zu  
stationär behandelt. Unsere Behandlung von CP-Kindern hat gezeigt, daß 
eine ärztliche Manualtherapie in der Regel  nur alle 6–10 Wochen nötig 
ist. Nun muß man dabei sicher der Tatsache Rechnung tragen, daß  
andere therapeutische Methoden wie z.B. cranio-sacrale und manche `sanfte' osteopathische  
Techniken häufiger gegeben werden. Hier ist sicher ein Raum für Diskussionen. 
Wer aber Kinder  unter vier Jahren täglich oder mehrmals wöchentlich 
manuell behandelt, begeht meines Erachtens  einen Kunstfehler. Das muß 
man so hart ausdrücken, da es nicht eine Ermessensfrage ist. Wird  ein 
(Klein-)Kind mit einer an sich guten Technik zu häufig behandelt, schlägt 
deren Effekt ins  Gegenteil um. Aus der statistischen Auswertung unserer 
Fälle hat sich gezeigt, daß eine Besserung  nach manueller Behandlung 
durch uns oft erst nach einigen Tagen, z.T. sogar erst nach 2–3  Wochen manifest 
wurde (vgl. Kap.xx). Wenn in dieser Latenzphase weiter irritiert wird, führt 
dies  zu Verschlechterungen Dies ist auch der Grund, warum eine Physiotherapie 
direkt nach manualmedizinischer Behandlung  – von seltenen Ausnahmen abgesehen 
– kontraindiziert ist. Auch bei Vojta- Techniken wird die  Wirbelsäule 
intensiv mit ins Behandlungskonzept einbezogen, und eine ungestörte Verarbeitung  
des manuellen Impulses gestört. Wer meint, er tut seinem Patienten etwas 
Gutes, wenn er  Manuelle Therapie, Akupunktur, Physiotherapie aller Schattierungen, 
dann vielleicht noch ein  bißchen propriozeptives Training mit Bürstenmassage, 
Ergo- Logo- und Hippotherapie kombinieren  muß, um zum Ziel zu kommen, 
wird dieses im Dickicht der Behandlungstermine aus dem Auge  verlieren. Zusammenfassung 
Viele Formen frühkindlicher Asymmetrie, die früher bagatellisiert wurden, 
sind durch die  Erkenntnis ihrer Spätfolgen im Schulalter heute neu 
zu bewerten. Die breite Symptomenpalette  der Säuglings- Asymmetrien 
läßt sich heute – nicht zuletzt durch den prompten Erfolg der  
gezielten Behandlung der Kopfgelenke – als Folge der Irritation dieses sensiblen 
Bereiches der  Propriozeption interpretieren. Die myogene Genese des Schiefhalses 
tritt dadurch weit in den  Hintergrund. Rechtzeitig behandelt können 
praktisch alle frühkindlichen Asymmetrien – auch  schwere Fälle 
– mit funktioneller Therapie erfolgreich behandelt werden. Redressionsapparate  
oder gar operative Strategien sollten ganz seltenen Ausnahmefällen vorbehalten 
werden. Nicht jede Spastizität ist Folge einer Cerebralparese, nicht jede 
Schädel- und Gesichtsasymmetrie  fixiert. Wenn beide Symptome durch 
eine adäquate Manualtherapie zum Abklingen zu bringen  sind, kann man 
darüber diskutieren, ob die vertebragene Störung nur der lokale Verstärker 
einer zentralen Problematik war, oder aber eben die eigentliche Ursache. Ganz 
generell lohnt sich ein Versuch manueller Therapie immer, wenn Haltungsasymmetrien 
mit  das klinische Bild bestimmen. Gerade der relativ geringe Aufwand manueller 
Therapie läßt uns die  Indikation weit fassen:  zwei Behandlungtermine 
im Abstand von acht Wochen sind die Regel, und außer den  Röntgenaufnahmen 
der Wirbelsäule (meist genügt es zu Anfang, die HWS a.-p. zu röntgen) 
muß  kaum apparative Diagnostik getrieben werden. Wenn man dann bei 
der Kontrolle die Auswertung  der ersten Behandlung vornimmt und den klinischen 
Befund, die Berichte der Familie und der  Physiotherapeuten bzw. Kinderärzte 
zuzieht, kann man recht schnell beurteilen, bei welchen  Kindern sich die 
Fortsetzung der Behandlung lohnt. Die Kenntnis der sensomotorischen Prägungsphasen 
gibt die Entwicklungsperioden vor, in denen  eine Behandlung funktionell- 
vertebragener Störungen vordringlich ist. Die Einbeziehung der  Zeitachse 
in eine vierdimensionale Betrachtungsweise der Wirbelsäulenentwicklung hilft 
uns nicht  nur in der Prognose (früh-) kindlicher funktioneller Störungen, 
sondern ermöglicht auch eine  bessere Einordnung der Befunde bei Erwachsenen. 
Das dadurch geschärfte Bewußtsein für die lange Vorgeschichte 
vieler vertebragener  Beschwerdebilder ist das Hauptargument dafür, 
auch bei relativ ‚banalen‘ Primärsymptomen bei  Kleinkindern zumindest 
eine manualmedizinische Untersuchung zu fordern. Die dadurch mögliche  
Prävention steht in keinem Verhältnis zu dem geringen Aufwand, den eine 
derartige Untersuchung  und / oder Behandlung erfordert. Praktische Erfahrungen 
mit der Manualtherapie bei Kindern In den folgenden Beiträgen sind die Stellungnahmen 
verschiedener Akteure bei der Betreuung von  Kindern zusammengefaßt. 
Teils sind es Neuropädiater, teils niedergelassene KinderärztInnen oder  
Orthopäden und teils Physiotherapeuten aus der Frühförderung behinderter 
Kinder einerseits, zum  anderen werden die Effekte einer manualmedizinischen 
Therapie bei Kindern beschrieben, bei  denen die neurologische (zentrale) 
Problematik keine oder nur eine Nebenrolle spielt. Wir stehen  bei der Mitbehandlung 
von behinderten Kindern mit manueller Therapie sicher ganz am Anfang.  Auch 
das internationale Schrifttum ist hier über kasuistische Zusammenstellungen 
nicht weit  hinausgekommen. Gotlib[Gotlib, 1995 #388] hat hier eine umfassende 
Kompilation der  erreichbaren Literatur veröffentlicht. Eine wichtige 
Aufgabe der nächsten Jahre wird es sein, die  teils jahrelangen Erfahrungen 
anderer Länder (z.B. Rußland oder die zentraleuropäischen Staaten)  
hier vorzustellen und zu bewerten.  Ein wichtiges Anliegen dieses Bandes 
ist es, auf Basis unserer heutigen Erfahrungen und der hier  zusammengefaßten 
Stellungnahmen einen Rahmen für zukünftige Studien vorzuschlagen und 
hier  diejenigen Gebiete zu definieren, wo eine Vertiefung der Forschung 
erfolgversprechend scheint.  Auf dieser Grundlage kann dann auch die methodologische 
Diskussion geführt werden.  Gerade die zeitliche Verzögerung zwischen 
dem manuellen Eingriff und dem Effekt – sie kann je  nach Kontext bis zu 
sechs Wochen betragen – macht ein kritisches Abwägen nötig und gleichzeitig  
schwer. Kein Kind wird so lange im therapeutischen Niemandsland gelassen werden, 
und selbst  wenn man sich dazu durchringen könnte bleiben viele andere 
Einflüsse weiterbestehen, die  vielleicht auf den ersten Blick nicht 
behandlungsrelevant  scheinen, es aber sehr wohl sind.  Ein Kind, das 
die Schule oder den Wohnort wechselt, kann davon im Guten und Schlechten enorm  
beeinflußt werden. Die familiäre Situation, interkurrente Infektionen, 
der Wechsel von  Bezugspersonen im Kindergarten oder bei der Therapie haben 
einen viel massiveren Effekt bei  Kindern, zumal behinderten, als bei Erwachsenen. 
Wir wissen von internistischen  Krankheitsbildern[Leutenegger, 1987 #1614] 
und der Lebenserwartung insgesamt[Wilkinson,  1996 #1638], wie sehr diese 
vom sozialen Kontext abhängig sind. Natürlich gilt das auch dann,  
wenn ein Mensch sich durch eine Beeinträchtigung wichtiger Steuerungsebenen 
ohnehin nur  erschwert auf Außenreize einstellen kann. Dies kann bei 
der Beurteilung langsamer  Therapieeffekte nur selten ‚objektiv‘ evaluiert 
werden, da diejenigen, die darüber berichten  müßten, selber 
betroffen sind und die Relevanz vieler Details ihnen gar nicht bewußt ist.  
Nicht zuletzt deshalb kann eine Beurteilung derartiger Langzeiteffekte nur auf 
der Grundlage  größerer Patientengruppen auf ernstzunehmenden 
Niveau erfolgen.  Dann aber ist man im Dilemma der Gruppenbildung gefangen: 
wie kann man 20 oder 30 Kinder  mit CP vergleichen, bei denen jeder seine 
eigene Vorgeschichte, seine individuellen Co- Faktoren  der Pathologie hat? 
Wie kann man die Zuwendung, die das Einzelkind einer gutsituierten Familie  
erhält, mit der Konstellation in einem Vielkinder- Arbeiterhaushalt vergleichen?  
Viele neuropädiatrische Veröffentlichungen ignorieren diese Probleme 
einfach und gelangen so  sicher zu einleuchtenden Resultaten, aber es bleibt 
ein schaler Nachgeschmack zurück. Zudem  kann man sich derartige ‚Freiheiten‘ 
eher erlauben, wenn man entlang schon akzeptierter  Argumentationsketten 
forscht. Die manuelle Medizin bei Kindern ist zwar weitaus akzeptierter als  
noch vor zehn oder fünfzehn Jahren, aber noch weit davon entfernt, auf allgemeines 
Wohlwollen  rechnen zu können – und das ist gut so. Man wird in solch 
einer Situation nicht faul und muß  sorgfältiger argumentieren.  
Die hier vorgelegten Beiträge sind deshalb bewußt nicht standardisiert; 
sie spiegeln Haltung und  Erfahrungen der Autoren wider, die Manualtherapie 
mehr oder weniger lange ganz intensiv oder  mehr am Rande ihres Blickfeldes 
erlebt haben. Ganz bewußt sind auch einige Berichte betroffener  Mütter 
eingestreut. An den Einzelfällen, die hier immer wieder ins Rampenlicht gestellt 
werden,  kann man oft besser die Gestalt  der vertebragenen Problematik 
bei Kindern studieren als an noch  so gut gemeinten Scores und Zusammenfassungen, 
die aus den oben erwähnten Gründen  zwangsläufig sehr stark 
verkürzen und vereinfachen müssen.    Pers. Mitteilung   
Vojta, pers. Mitteilung

 
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