Das 
Schräglage- Syndrom: Normvariante oder Krankheitsbild ? G. Koch, 
Hagen Mit dem Thema möchte ich auf die diesbezüglichen kontroversen 
Hinweise eingehen und  aufzeigen, wie diese sich bis hinein in die tägliche 
praktische Arbeit des Kinderarztes auswirken.  Außerdem möchte 
ich klar machen, wie sehr hilfreich es wäre wenn für die Betreuung der  
Familien mit betroffenen Kindern, wenn ein einheitliches diagnostisches und therapeutisches  
Konzept erarbeitet werden könnte. Zum Haupttätigkeitsfeld eines Paediaters 
gehört die Praevention.  Dazu sieht er die Kinder im  1.Lebensjahr 
ca. 6x. Man erwartet von ihm sowohl eingehende Kenntnisse der Frühzeichen 
aller  Krankheitsbilder mit einem Bedrohungspotential für die kindliche 
Entwicklung sowie die  kindgerechte Anwendung des notwendigen diagnostischen 
und therapeutischen  Instrumentariums. Erklärtes Ziel ist die Einleitung 
einer effektiven Behandlung zu einem Zeitpunkt  zudem die Bedeutung der verschiedenen 
Symptome noch umstritten und eine zuverlässige  Prognose noch nicht 
möglich sind.  Einige therapeutische Schulen gehen davon aus, daß 
durch eine frühzeitige Intervention das  Eintreten einer bleibenden 
Schädigung vollständig vermieden werden kann. Dagegen gibt es auch  
warnende kritische Stimmen – wie etwa von Michaelis172 und Mitarbeitern, die diesen  
therapeutischen Optimismus nicht teilen. Die Äußerungen in der Abbildung 
1  beziehen sich zwar auf CP- Kinder, sind aber durchaus auch auf Kinder 
mit  Schieflage- Syndrom  übertragbar. Auch bei diesem Krankheitsbild 
besteht ein  hohes Maß an  Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlichen 
Auffassungen,  die in den Abbildungen 2-5 in  relativ willkürlicher 
und durchaus noch verbesserungsfähiger Version einmal versuchsweise den  
einzelnen Fachdisziplinen zugeordnet bzw. gegenüber gestellt worden sind. 
Man erkennt teilweise  der Historie angehörende Unterschiede und Ansichten 
über die Entstehung, aber auch vom  jeweiligen Arbeitsgebiet bestimmte 
verschiedene Zugangswege zum Problem des Schieflage-  Syndroms. Ich möchte 
dies ausdrücklich nicht gewertet wissen, sondern diese einfach neutral  
gegenüberstellen. Möglicherweise sind die Divergenzen auch durch ein 
unterschiedliches Patientengut bestimmt, so  daß jede Disziplin zwar 
Kinder mit demselben Syndrom aber völlig unterschiedlicher Genese und  
unterschiedlicher Prognose zugewiesen bekommt. In Wirklichkeit handelt es sich 
dann gar nicht  um so enorme Unterschiede in den jeweiligen Auffassungen, 
sondern um  völlige verschiedene  Erkrankungen, die lediglich im 
selben Symptom münden. Auch dies bedürfte dann der feinen  Herausarbeitung. 
Lediglich in der Prophylaxe sind sich alle Gebiete einig, indem  sie von 
einem präventiven Effekt  der Bauchlage ausgehen. Allerdings scheren 
die Paediater in diesem Punkt etwas aus, indem sie  neuerdings zur SIDS- 
Prophylaxe die Rückenlage als reguläre Schlaflage empfehlen. Auf den  
ersten Blick hat die Manualtherapie bei der Behandlung  des Schieflage- Syndroms 
bestechende  Vorzüge. Sie ist in der Hand des Geübten offensichtlich 
ein kurzdauernder, wenig belastender  Eingriff, der in bestimmten Abständen 
auch wiederholt werden kann. Beim Schieflage- Syndrom  genügt oft bereits 
eine einzige Behandlung und die Symptomatik samt der mitunter sehr lästigen  
Begleitbeschwerden (Nabelkoliken, nächtliche Schreiattacken etc.) sollen 
auf Dauer verschwinden.  Es handelt sich demnach um eine vielversprechende 
kindgerechte, familienfreundliche, effektive  und damit auch kostengünstige 
Methode, die wir Kinderärzte natürlich gern weiterempfehlen und  
unter Umständen auch selbst erlernen und anwenden möchten. Allerdings 
muß auch von dieser  Methode der Nachweis verlangt werden, daß 
sie tatsächlich auf lange Sicht den natürlichen  Verlauf des  
Schieflage- Syndroms günstig zu beeinflussen vermag. Darüber hinaus 
sollte ihre  Wirkungsweise bei kombinierter Anwendung mit anderen Methoden 
z.B.  physiotherapeutischen Verfahren erforscht werden. Bis dahin sollte 
sich jeder Kinderarzt ein eigenes therapeutisches  Konzept zurechtlegen, 
das etwa wie auf  Abbildung 7 aussehen könnte. Dabei handelt es sich  
nicht um ein starres  Stufenschema. Selbstverständlich kann bei einem 
Kind mit schwerer CP schon von Vorn herein eine  Physiotherapie einsetzen 
und umgekehrt bei einem  Kind mit idiopathischem und  monosymptomatischem 
Schiefhals unter Umständen nur die Manualtherapie bereits genügen. Hier  
bedarf es aber sicher noch weiterer Forschung. Zusammenfassung: Über Ursache, 
Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten des Schräglage-  Syndroms 
gibt es kontroverse Ansichten, sie wurden  zum Teil referiert. Bei der Manualtherapie  
handelt es sich möglicherweise  um eine vielversprechende Behandlungsmethode 
dieses  Krankheitsbildes. Kurze Behandlungsdauer und anhaltende Beeinflussung 
der Haupt-  und Nebensymptome lassen sie als sehr effektiv erscheinen.  
Bedauerlicherweise steht der  notwendige Wirksamkeitsnachweis allerdings 
noch aus. Bis dahin sollte sich der Kinderarzt ein  abgestuftes Therapiemodell 
zu diesem Problem erarbeiten wie es z.B. vorgeschlagen wurde.

 
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