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Erfahrungen
mit Manualmedizin in der neuropädiatrischen Landpraxis H. Kuehnen,
Kevelaer Die hier vorgestellten Kinder kommen aus einem ländlichen Gebiet;
die Fallzahl der Praxis ist im oberen Normbereich. Die Kinderarztpraxis,
und das scheint mir für die Untersuchung wichtig, besteht seit 20 Jahren.
Der Schwerpunkt der Praxis liegt bei Entwicklungsneurologie, Entwicklungsverzögerungen,
Verhaltensstörungen und Wahrnehmungsstörungen. Enge Zusammenarbeit besteht
mit der Erziehungsberatungsstelle und Frühförderstelle für den
örtlichen Bezirk. Die Patienten sind laufend in meiner kinderärztlichen
Betreuung, teils seit Geburt (während der belegärztlichen Tätigkeit
im wahrsten Sinne des Wortes – die belegärztliche Tätigkeit wurde
aber vor 10 Jahren aufgegeben). Die zweite Gruppe der Patienten sind Kinder, die
wegen Verhaltensauffälligkeiten, Schulproblemen, Verdacht auf Wahrnehmungsstörungen,
entweder von der Beratungsstelle, Lehrern oder Hausärzten überwiesen
werden. Einige Kinder kommen auch auf Empfehlung. Untersuchungsmethodik:
? Anamnese mit Eltern oder Bezugsperson ? Bei den Patienten aus der Praxis Rückblick:
Dokumentation der Kinesiologie nach Vojta, Münchener Funktionelle Entwicklungsdiagnostik,
Denver Diagnoseschema zur Erkennung ? Minimaler Cerebraler Bewegungsstörungen
des Kinderzentrums München. ? Neurologische Untersuchung unter Berücksichtigung
der vestibulären Funktionen, der Proprioception, der Sensibilität,
der Koordination und der auditiven Wahrnehmung. ? Einbezogen werden die Untersuchungsergebnisse
der Krankengymnastik, der Ergotherapie und anderer orthopädischer Untersuchungen.
Ergänzt wird der Untersuchungsgang durch den Bericht über die Manualtherapie,
anschließend nochmals neurologische Untersuchung und Beurteilung.
Die Untersuchung bezieht sich auf 104 Schulkinder , die in der Zeit von 1996 -1998
manualtherapeutisch behandelt wurden. ? Bei 51 Kindern ist eine Manualtherapie
durchgeführt worden, aber die abschließende Untersuchung und
das weitere Vorgehen und vor allem die Beurteilung des Behandlungserfolges
stehen noch aus. ? Bei 46 Kindern ist die Behandlung durchgeführt, kontrolliert
und abgeschlossen und war erfolgreich. ? Bei 7 Kindern brachte die Manualtherapie
keine durchgreifende Veränderung, bzw. der Untersuchungsbefund vor
der Manualtherapie war nur sehr diskret und der manualtherapeutische Ansatz
war nicht der richtige Zugang zu den Problemen dieser Kinder. Alle Kinder wurden
vom selben Manualmediziner untersucht und behandelt. In der Gruppe der 51 Kinder,
über die noch kein abschließendes Urteil gesagt werden kann, sind
eine Reihe von Kindern, die behandelt wurden, über die aber noch kein Bericht
vorliegt; oder aber von Kindern, die nach der Behandlung nicht mehr vorstellig
wurden, vielleicht weil sich die Schwierigkeiten tatsächlich gebessert
hatten. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist der Zeitbedarf für
Untersuchung und Diagnostik im Rahmen eines ganz normalen pädiatrischen Alltags
erheblich. Daraus ergeben sich erhebliche Wartezeiten auf Zeitpunkt und Durchführung
der Untersuchung, vor allem auch bei der Nachuntersuchung. Die Einbeziehung
der kopfgelenkinduzierten Symmetriestörung und ihre Folgen für die weitere
Entwicklung der Kinder ist für die Behandlung von Lern- und Verhaltensstörungen
eine große Bereicherung. Ist uns zur Zeit nur möglich im Rahmen
von Kasuistiken zu arbeiten, so sollte doch die Arbeit der nächsten
Jahre sein, diese Erfolge statistisch aufzuarbeiten. Aus der täglichen Arbeit
mit Kindern, die zusammengefaßt werden können unter dem Bild der
sensomotorischen Diskybernese, haben sich folgende Untersuchungspunkte ergeben,
die einer statistischen Überprüfung bedürfen. Schwangerschaft:
Beckenendlage vorübergehend oder bis zur Geburt. Zwillingsschwangerschaft
Geburt: Nach Einleitung auffallend kurz oder auffallend lang. Geburtsstillstand
mit nachfolgender Entbindung durch Sectio, Vakuumextraktion, Forceps. Neugeborenenphase
und Säuglingszeit : auffallend ruhiges, pflegeleichtes Kind, aber auch Schreibabys
("Trimenonkoliken"), Spucken und Erbrechen, Schlafstörungen. Vorübergehende
Krankengymnastik, weil das Baby sich nicht drehen konnte, nicht krabbeln wollte.
Neurologisch: Die motoskopische Untersuchung des Säuglings erfolgt durch
die Lagereaktionen nach Vojta. Folgende Punkte erscheinen überdurchschnittlich
häufig: ? Bei der U3 und U4 keine Kopfmitnahme oder verzögerte Kopfmitnahme
bei der Traktion. ? Unvollständige Aufrichtung der Wirbelsäule in der
Landau- Reaktion oder ? überschießende mit Lendenhyperlordose.
? Hemisymptomatik, besonders auffallend im Vojta, im Collis horizontalis und im
Peiper; Schräglagesymptomatik. Im weiteren Entwicklungsverlauf sind
zwei unterschiedliche Entwickungsverläufe zu beobachten: ? Kinder, die sich
verzögert entwickeln in Bezug auf Drehen, Robben, Krabbeln. Das sind die
Kinder, die sich ungern bewegen lassen, die auch bei den Untersuchungen im Rahmen
der Vorsorgen in der Überprüfung der Lagereaktionen sehr unleidlich
sind, und jede Lageänderung mit Weinen beantworten, keine Akzeptanz
der Bauchlage ? Kinder, die eine starke Vertikalisierungstendenz zeigen, sich
sehr früh drehen, oft in einem pathologischen Muster mit Opisthotonus
und Schulterretraktion, nur ganz kurz krabbeln und sehr früh laufen.
Das sind die Kinder, die selten krankengymnastisch behandelt werden und
die höchstens mit der Frage der Hyperaktivität und Schlafstörungen
in der Praxis vorgestellt werden. Bei den Untersuchungen im Rahmen der U8
und der U9 haben sich folgende Untersuchungspunkte häufig als pathologisch
herausgestellt: ? Langsitz: Rundrücken, bei Aufrichtung der Sitzkyphose Außen-
bzw. Innenrotation der Beine, Kniebeugung, Lordosierung im BWS- Bereich,
Tonuserhöhung im Schultergürtel. ? Strichgang : Eine Schulter in Vorlage,
Kopf nicht symmetrisch, optische Kontrolle notwendig, Innen- bzw. Außenrotation
der Füße, unsicherer Gang mit vielen Ausgleichsbewegungen sowohl
vorwärts als auch rückwärts. ? Einbeinstand: nicht symmetrisch,
mit Ausgleichsbewegungen, vor allem ohne optische Kontrolle. ? Hinkeln:
patschend, nicht symmetrsich, undosiert. ? Hampelmann: unkoordiniert. ? Menschzeichnung:
Kopfschieflage, Betonung von Hals und Körper, Betonung des Kopfes. ? Sprachentwicklung:
Schwierigkeiten mit S/SCH und K. Behandlung erfolgte oft durch Krankengymnastik,
bzw. Ergotherapie bzw. Psychomotorik. Verhalten im Kindergarten: Auffälligkeiten
im Stuhlkreis, Ablehnung von Basteln und Malen. Oft nicht beliebt, weil
sie den Boß spielen wollen; Kontaktstörungen. Schule: Schwierigkeiten
in der Feinmotorik, im Erwerb der Schriftsprache, des Lesens, Schwierigkeiten
in der Konzentration; Außenseiterposition, Tagträumen, Hyperaktivität.
Keine Freude an Sport und Spiel. Soziales Umfeld: Dyspraxie, Kontaktstörungen,
Einzelgänger oder Fixierung auf einen einzigen Freund bzw. Freundin.
Schlußbemerkung Im Schulalter ist die Bestätigung - so ist das nun
mal in unserer Leistungsgesellschaft - vor allem auch der Schulerfolg. Bei
allen Kindern ist die Schullaufbahn nach der Behandlung „gesichert". Bei
keinem Kind droht mehr die Abschiebung auf eine Sonderschule. Für mich
überzeugend ist, daß die Kinder nach der Manualtherapie, wenn
sie erfolgreich gewesen ist, nicht mehr auftauchen in meiner Praxis. Ich
denke, daß das auch zum Teil bei der Gruppe von 48 Kindern ist, die
noch nachuntersucht werden müssen. Bei manchen ist es sicherlich so,
daß die Behandlung erfolgreich gewesen ist. In dem Krankengut einer
Kinderarztpraxis wurden in einem Zeitraum von zwei Jahren 104 Kinder
manualtherapeutisch behandelt. ? Davon 46 Kinder eindeutig erfolgreich (keine
weitere Behandlung, erfolgreiche schulische Laufbahn, neurologische Nachuntersuchung).
? Bei 51 Kindern ist die Untersuchung noch nicht vollständig abgeschlossen,
Untersuchungsbefund, Nachuntersuchung bzw. Rückmeldungen stehen noch aus.
? Bei 7 Kindern war die Untersuchung nicht erfolgreich, hat wenig Veränderung
gebracht bzw. der vertebragene Faktor war deutlich weniger wichtig als ursprünglich
angenommen. Nun gilt es, Kriterien zu erarbeiten, die erlauben, den Erfolg
einer Manualtherapie bei Verhaltensauffälligkeiten und Schulproblemen
vorauszusagen. Neben anamnestischen Details, den Lageraktionen nach Vojta,
Untersuchungen im Rahmen der U8 und U9 (z.B. Diagnoseschema des Kinderzentrums),
werden wir auch andere Detailinformationen hier einzubeziehen haben. Es gibt
noch viel zu tun. zum
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