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Erfahrungen
mit Manualtherapie bei Kindern der neuropädiatrischen Klinik-
Sprechstunde H. Meyer-Dietrich, Gelsenkirchen In der neuropädiatrischen
Sprechstunde der Städtischen Kinderklinik sehen wir viele behinderte
oder von Behinderung bedrohte Kinder und natürlich auch sogenannte Risikokinder,
bei denen noch unklar ist, wie sie sich entwickeln werden. Wenn die Kinder
noch klein sind und schon Asymmetrien zeigen, so ist dann oft die
erste Konsequenz das Einleiten einer krankengymnastischen Behandlung auf
neurophysiologischer Grundlage nach den Methoden von Bobath oder Vojta,
ohne daß man schon den Verdacht einer zukünftigen cerebralen
Bewegungsstörung äußern muß. Denn wir wissen, daß
eine fixierte Einseitigkeit, auch wenn sie nicht durch eine CP bedingt ist,
die harmonische symmetrische Entwicklung von Fähigkeiten und Wahrnehmungsfunktionen
beeinträchtigen kann. Was ich Ihnen heute (Anfang 1997) berichten kann, ist
nun in der Tat nur ein Erfahrungsbericht. Es handelt sich nicht um eine
wissenschaftliche Studie, die im voraus geplant werden konnte; Subjektivität
und Erinnerung spielen eine erhebliche Rolle. Die Befragung der Eltern ist nicht
systematisch erfolgt. Es handelt sich nicht um eine sogenannte Doppelblindstudie,
bei der der Untersucher nicht weiß, ob manualtherapeutisch behandelt
worden ist oder nicht, und dann in seinem Urteil ganz alleine auf seine
objektiven Untersuchungsmethoden bauen müßte. Es gibt keine standardisierte
Kontrollgruppe von Kindern, die nicht oder nur nach anderen Methoden als
mit der Manualtherapie behandelt worden sind, (hier kann aber immerhin über
wenige Einzelfälle berichtet werden). Auch sind einige Kinder zusätzlich
zur Manualtherapie krankengymnastisch, heilpädagogisch, ergotherapeutisch
oder logopädisch behandelt worden, so daß die Frage „was hat
hier was bewirkt?" oder „welcher Prozentsatz ist durch die eine, welcher Prozentsatz
durch die andere Therapie bewirkt worden?“ nicht mit letzter Sicherheit
beantwortet werden kann. In vielen Fällen sind die Aufzeichnungen in
den ärztlichen Unterlagen auch nicht so genau, wie es wünschenswert
wäre (jeder verzweifelte Wissenschaftler kennt dieses Problem bei retrospektiven
Studien). Trotz dieser methodischen Einschränkungen gebe ich Ihnen meinen
Erfahrungsbericht ab, denn ich habe den Eindruck, daß es sich bei
der manualtherapeutischen Methode um eine bei entsprechender Indikation
sinnvolle und wirksame Methode handelt. Insgesamt haben wir in der Zeit
von Ende 1994 bis Oktober 1996 den Eltern von 40 Kindern empfohlen, diese
manualtherapeutisch behandeln zu lassen. Es handelt sich dabei um Kinder im Alter
von 2 Monaten bis 7 Jahren (ein weiteres Kind war 12 Jahre alt). 31 waren
männlich, 10 weiblich. In 14 Fällen wurde eine manuelle Therapie von
den Eltern abgelehnt, oder es ist zwar eine manualtherapeutische Untersuchung
und damit meist auch Behandlung geplant, aber noch nicht durchgeführt
worden. Gründe für die Ablehnung einer Therapie waren Mißtrauen
und Angst , ökonomische Gründe bzw. ausreichende Hilfe durch
andere Therapien Zusammenfassung Dies ist ein erster Erfahrungsbericht über
Manualtherapie aus der Sicht eines Neuropädiaters. Es handelte sich
hierbei um 3 verschiedene relativ gut voneinander abgrenzbare Gruppen: ? Bei Kindern
mit Hinweis auf ein KISS- Syndrom mit der typischen asymmetrischen Haltung und
mit einer entsprechenden Geburts- und Schwangerschaftsvorgeschichte erweist sich
die Manualtherapie als eine schnell wirksame Methode. Nebenwirkungen, die
mir bekannt geworden sind, sind akute schnell vorübergehende Schmerzen
und vegetative Reaktionen. Meist reicht eine einzige Behandlung aus. Bei
Unwirksamkeit oder gar Verschlechterung kann eine 2. Behandlung noch Erfolg
bringen. Es scheint so, daß Krankengymnastik in manchen Fällen
ebenbürtig sein kann. ? Bei Kindern mit Cerebralparesen habe ich selbst nur
ein paar Fälle. Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Hier wird es sich
oft um sekundäre "Blockaden" handeln, die auch einer Manualtherapie
der gesamten Wirbelsäule zumindest zeitweise zugänglich sind. Wie mit
den häufigen Rezidiven umzugehen ist, muß individuell entschieden
werden. ? Bei Kindern mit "Minor"-Auffälligkeiten ist in Fällen von
Asymmetrien in Verbindung mit entsprechenden Belastungen der Wirbelsäule
der Versuch einer Therapie der oberen Halswirbelsäule wahrscheinlich
sinnvoll. Für die verschiedenen geschilderten Auffälligkeiten sollten
kontrollierte Studien durchgeführt werden, um die Indikation und Wirksamkeit
der Manualtherapie wissenschaftlich haltbar zu überprüfen. Ich
denke, daß dabei auch die Fähigkeiten des jeweiligen Therapeuten mit
ins Kalkül zu ziehen sind.
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