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Manuelle
Therapie bei neurologisch auffälligen Kindern R. Fabisiak, Salzgitter
Die Untersuchung des Kindes beginnt mit der Betrachtung des Entwicklungsstandes.
Auf Beobachtungen der Eltern, der(s) Physiotherapeutin(en)
und des Kinderarztes lege ich großen Wert. Diese
Kinder brauchen viel Sorgfalt und damit Zeit. Mir sind beim Säugling
und Kleinkind die folgenden Untersuchungen besonders wichtig: Beurteilung
der Muskelspannung und Gelenkfunktionen in wechselnder Rumpfposition: Seitkippreaktion
und Beobachtung der Aufrichtung (modifizierter Vojta, > 4. Monat)
Feh- lende Aufrichtung des Kopfes gegen die Schwerkraft weist auf eine Funktionsstörung.
Rotation des Kopfes in Rückenlage zu beiden Seiten. Rotation „en bloc“ zeigt
eine Funktions- störung. „Freie Richtungen“ in Seitneigung und Rotation
der Halswirbelsäule sind aber nicht im Sinne der segmentalen Funktionsdiagnostik
zu interpretieren, so daß die Manipulationsrichtung mit diesen Tests
nicht genügend sicher gelingt. Halten des Säuglings am Rumpf in
Bauchlage („über den Kopf“) zur Beobachtung einer fi- xierten Fehlhaltung
der Wirbelsäule (C- Skoliose). Segmentale Untersuchung: Tendomyosen
der kurzen Halsmuskulatur tief nuchal hinter dem sich entwickelnden Masto-
id, ggf. über C2 der Gegenseite, thorakal (Serienblockaden weisen immer auf
Atlasdys- funktion) und lumbosacral/SIG. Orientierende Untersuchung der Gelenke.
Ziel der manuellen Therapie ist die harmonische Gelenkbewegung und damit ist sie
nahezu unabhängig von der neurologischen Diagnose, denn das ZNS profitiert
von reduzierter peri- pherer Nozizeption. Manuelle Diagnostik und Therapie
gehen in der Untersuchung fließend ineinander über. Deshalb sollten
Aufklärung der Eltern und Röntgendiagnostik (begründen!) nach orientie-
render Erstuntersuchung schon erfolgt sein. Funktionsstörungen der sacroiliacalen
Gelenke kommen einseitig oder doppelseitig vor. Manuelle Lösung führt
hier häufig wie an der Brustwirbelsäule auch schon beim Säugling
zum „Knackphänomen“, was im Kopfgelenkbe- reich nicht typisch ist. Die Innenrotation
des Beines mit adduziertem Vorfuß ist Teil des Säuglingsasymmetrie-
musters. Diese Kinder werden häufig als „Sichelfuß“ oder „Kletterfuß“
dem Orthopäden zur Beurteilung vorgestellt. Der echte Sichelfuß
(Rückfußvalgus, fixierte Vorfußadduktion, knöchernes Fehlwachstum)
ist sehr selten. Meistens handelt es sich um sogenannte Adduktionsfehlhaltungen,
die voll reversibel sind, die der Aufklärung der Eltern, aber keiner
speziellen Behandlung bedürfen. Ein durch zentrale Fehlsteuerung hervorgerufenes
Asymmetriemuster profitiert nicht durch korrigierende, im Verhältnis
schwere „Antivarus“-Stiefel. „Sanfte“ Hilfen nutzen die vorhandenen Konfektionsschuhe
(temporäre Fersenerhöhung beim spastischen Spitzfuß , Funktionseinlagen
und Schuhbodenversteifung beim „älteren“ Zehenspitzenläufer
z.B.) . In spastischer Streckung gehaltene Beine werden durch die manuelle Therapie
der Wirbel- säule sekundär nur gering beeinflußt und wesentlich
durch Krankengymnastik mit neurophy- siologischen Techniken behandelt. Eine hohe
Adduktorenspannung beidseits weist auf eine zentrale neurologische Ursache.
Die einseitige gilt ab dem dritten Lebensmonat als Zeichen der Hüftreifungsstörung.
Auch eine normale Hüftreifung im Ultraschallbild im dritten Monat kann
durch einen pathologische Muskeltonus (Spastik) zur Hüftdysplasie
führen, was bei regelrechter muskulärer Steuerung nicht beobachtet
wird. Röntgenkontrollen dieser Kinder beim Orthopäden sind also
notwen- dig. Gangstörungen und lumbaler Rückenschmerz sind
in den Phasen schnellen Wachstums mit muskulärer Dysbalance und asymetrischer
Spannung des M. iliopsoas durch manuelle Lö- sung der unteren lumbalen
Segmente und der sacroiliacalen Gelenke einfach zu behandeln. Die manuelle
Diagnostik sollte deshalb der technischen und häufig invasiven oder teuren
Diagnostik (Röntgen, MRT) vorausgehen. Technisch werden beim
Kind mit Asymmetriemuster a. die Sacroiliacalgelenke mobilisiert,
eine vorsichtig geführte rotierende Mobilisation der LWS mit Beugung der
Hüftgelenke vor- genommen, eine rotierend geführte gegenläufige
Rotation des Rumpfes mit Gegenhalt am Becken und Schultergürtel zu
beiden Seiten geführt, so daß mögliche Funktionsstörungen
des unteren BWS und oberen LWS- Bereiches gelöst
werden können. Die Brustwirbelsäule wird in Bauchlage mit
Gegenhalt des einen Armes am Schultergürtel, Fixierung des Kindes und
vorsichtigem Handballendruck etwa ab dem Kyphosescheitel in cranialer Richtung
gelöst. Diese Mobilisation der BWS ist von ähnlicher Bedeutung beim
Säugling, wie sie Basis zur Therapie der Erwachsenenwirbelsäule ist.
Die mobilisierende Behandlung reicht bis in den Übergangsbereich von
der Brust zur HWS. In Bauchlage mit
sanft rotiertem Kopf löst ein vorsichtig repetitiv mobilisierender
Schub des Daumens gegen den paravertebralen Weichteilwulst mit ausreichendem
Tiefenkontakt die Wirbelgelenke des cervicothorakalen Überganges. Die unteren
Segmente der HWS können auch mit dieser Technik mobilisiert werden.
Funktionsstörungen sind dort allerdings beim Säugling und Kleinkind
Raritäten. Aus dem typischen Funktionsdefizit der Bewegung mit Schiefhaltung
des Kopfes, Rotations- störung und sekundärer Skoliosierung des Rumpfes
ergibt sich die Indikation zur mobilisie- renden Therapie der Kopfgelenke.
Die Therapierichtung am Atlas wird nach Biedermann durch die Konvexität
der Röntgenabbildung in a.p. Sicht festgelegt. Das Ziel ist die Normalisierung
der Gelenkfunktion, wobei oft die strenge Systematik der Vielfalt der Natur
unterlegen ist. Rezidivierende Funktionsstörungen beim Säugling und
Kleinkind trotz exakter Technik wei- sen auf die Bedeutung des neurologischen
Grundmusters und sind Indikation zur Kranken- gymnastik und ggf. weiteren Diagnostik.
Wiederkehrende „Blockierungen“ sind die Regel bei älteren Kindern (sensomotorische
Inte- grationsstörung) mit lange bestehender Kopfgelenkdysfunktion, bei denen
die Steuerung durch Stimulation des Nackenrezeptorfeldes und der physiologische
Bewegungsraum manu- ell erarbeitet werden müssen. Oft sind diese Kinder schon
in logopädischer Therapie und/oder in Behandlung wegen grob-
und feinmotorischer Schwächen. zum
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