Manuelle 
Therapie behinderter Kinder in der Frühförderung D. 
Tietsch, Salzgitter Behinderte Kinder haben auf Grund ihrer Schädigung mit 
Einschränkungen ihrer Bewe- gungsmöglichkeiten und den damit verbundenen 
Frustrationen zu kämpfen. Die Schwierig- keiten zeigen sich bei jedem Kind  
auf eine andere Art und Weise; sie sind abhängig von der  Persönlichkeit 
des Betroffenen, seiner geistigen Entwicklung, der Schweregrad der Behinde- rung 
sowie eventuellen Mehrfacherkrankungen und dem sozialen Umfeld (Elternhaus, ist 
es  ein Einzelkind, ist es ein Wunschkind usw). In unserem Team  wird 
das betroffene Kind  vorgestellt und zur pädagogischen Frühförde- 
rung  als unterstützende Maßnahme vorgeschlagen. Hierbei ist es 
wichtig, dem behindertem  Kind Möglichkeiten zur spielerischen Entwicklung 
zu geben. Hauptaufgabe zu Beginn der  Frühförderung ist die Elternarbeit. 
Wichtig ist die Akzeptanz der Behinderung, den betroffe- nen Eltern Hilfestellung 
zu geben ihr Kind so zu akzeptieren wie es ist, Hilfen im Umgang mit  dem 
betroffenen Kind zu erarbeiten und die Eltern in allen Fragen zu beraten.  
Indikationsstellung für Manualtherapie bei behinderten Kindern.  Auf 
Grund ihrer Behinderung können betroffene Kinder keine normale Entwicklung 
durch- laufen, es kommt zu Entwicklungsverzögerungen. Zu Beginn fallen diese  
vor allem in der  Motorik auf. Hierbei gibt es Unterschiede bei den einzelnen 
Formen der Behinderung: Cerebrale Behinderungen  Bei einer cerebralen Behinderung 
liegt die Ursache  in einer zentralen Fehlsteuerung. Diese  kann je 
nach Erkrankung unterschiedlich  ausgeprägt sein. Bei allen zeigt sich 
jedoch das  Unvermögen der Kinder, physiologische Bewegungsabläufe 
zu entwickeln. Asymmetrie der  Auflagen ist deutlich sichtbar. Die Kinder 
haben eine sogenannte Zuckerseite. Die Blickrich- tung ist zu einer Seite dominant. 
Durch den cerebralen Schaden kommt es zur Tonuserhö- hung. Die Funktion der 
Streckermuskulatur ist dominant, so das die Betroffenen in ihrer  Bewegung 
gehemmt sind. Das Gewicht des Körpers liegt auf einer kleinen Auflagefläche  
auf  der Seite der Kopfdrehung, Gewichtsverlagerungen zur andern Seite schaffen 
diese Kinder  häufig nicht oder sie kippen durch eine Tonuserhöhung 
der Streckermuskulatur um, das  heißt der Nacken zeigt eine starke 
Retraktionshaltung bei Gewichtsverlagerung. Der Rumpf  ist asymmetrisch, 
die Extremitäten zeigen einen stark erhöhten Muskeltonus, verbunden 
mit  einer Faustung der Hände. Der Bereich der Beine zeigt Extensortonus 
verbunden mit Innen- rotation. Hier ist eine manuelle Behandlung angezeigt. Danach 
sehen wir in der Regel eine verbes- sertes Aufliegen der Kinder. Die Gewichtsverlagerung 
kann vom Kind in einer besseren Qua- lität durchgefürt werden. Sie werden 
vom Verhalten ruhiger, da sie eine eigene Aktivität  entwickeln können. 
Durch die bessere Auflage sinkt der Tonus in den Extremitäten, die  
Faustung der Hand kann unterbrochen werden, Versuche des Greifens werden möglich, 
die  Situation im Bereich der Beine wird gehemmt,  ein erstes aktives 
Strampeln kann erreicht  werden, bei Überkreuzungstendenz ist nach der 
Manualbehandlung eine enthemmtere Si- tuation zu sehen. Die Bewegungen sind noch 
immer pathologisch, durch die Tonussenkung zeigen die Kinder  aber mehr Eigenaktivität 
mit einer verbesserten Bewegungsqualität. Sie werden vom Ver- halten ruhiger. 
Die Frustration  der Betroffenen ist nicht mehr so hoch. Durch die Änderung  
des Gesammtverhaltens werden auch die Eltern ruhiger. Sie haben nicht mehr dieses 
stän- dig schreiende Kind.  Die Retraktionshaltung des Kopfes ist nach 
einer Manualbehandlung deutlich besser. In die- sem Zusammenhang kann eine Kopfkontrolle 
erarbeitet werden. Mit einer Verbesserung der  Kopfkontrolle kann eine günstigere 
Situation in der Nahrungsaufnahme entwickelt werden.  Mit Symmetrisierung  
des Kopfes wird das Schlucken erleichtert, die Aufnahme der Nahrung  ist 
für die Kinder nicht mehr so bedrohlich. Bei vielen Kindern ist nach einer 
Manualbehand- lung die Anbahnung des Kauens erst möglich. Bei stark hypertonen 
Kindern wird der Zun- genvorschub bedingt durch die Senkung des Tonus deutlich 
geringer; auch dadurch wird die  Nahrungsaufnahme erleichtert   
Im Schlafverhalten kommt es zur geänderten Situation. Da die betroffenen 
Kinder nach der  Behandlung bessere Auflagen zur Verfügung haben, schreien 
sie im Schlaf nicht mehr so  häufig auf; es kommt zu längeren Schlafphasen. 
Damit verringert sich auch die Belastung  der Eltern. Wenn Eltern dann schlafen 
können, sind sie ausgeruhter und können viele Dinge  besser ertragen. 
Die Mutter- Kindbeziehung wird harmonischer, die Beziehung der Ehepart- ner unterliegt 
nicht mehr solch einem massiven  Druck.  Schwierig bleibt die Situation 
der Umwelt. Die Eltern begleitet ständig die Frage, „Wann läuft  
das Kind?“ Mit Behinderungen kann die Umwelt bis heute nicht umgehen. Freunde, 
Ver- wandte und Bekannte schränken die Kontakte häufig ein, so das die 
Betroffenen allein sind  mit ihren Problemen. Dabei kann Manualtherapie nur 
bedingt eine Hilfe sein, indem das Kind  durch Verbesserung der Eigenaktivität 
sich an die Normalentwicklung annähern kann. Es  macht Entwicklungsfortschritte, 
die Eltern öffnen sich für Kontakte von außen. Beim Zusammentreffen 
von mehreren Behinderungen – z.B. motorische Behinderung +  Krampfanfälle 
+ geistige Behinderung + Sehbehinderung  – kann manuelle Therapie eine  
große Hilfe sein, wenn ein Bereich der Behinderungen Verbesserungen zeigt.  
Hypotone Kinder Die  hypotonen Kinder sind therapeutisch die schwierigste 
Gruppe. Man weiß vorher nie, was  sich aus  solch einer Hyotonie 
entwickelt, sie ist nicht selten ein Durchgangssyndrom. Bei  dieser Situation 
ist es wichtig, so früh wie möglich eine genaue Diagnostik anzubahnen.  
Wir Krankengymnasten testen die Funktion der Gelenke. Die Funktionstestung der 
Kopfge- lenke ist dabei eine Möglichkeit, die Patienten für manuelle 
Therapie herauszufinden. Hierbei  wird bei Mittelstellung des Kopfes die 
Rotation und die Beugung des Kopfes getestet. In der  Regel kann der Kopf 
nur zu einer Seite voll gedreht werden. Bei Drehung zur anderen Seite  geht 
das Kind en bloc mit.  Wird der Kopf gebeugt, ist diese Bewegung nur wenig 
oder gar  nicht möglich. In solchen Fällen ist manuelle Therapie 
oft sinnvoll.  Kinder mit einer schweren Hypotonie bewegen sich sehr wenig 
aktiv durch den stark herab- gesetzten Muskeltonus. Es ist für die Behandlung 
und Entwicklung des Kindes sehr wichtig,  so früh wie möglich eine 
möglichst genaue Diagnostik durchzuführen. Nach manueller Be- handlung 
dauert es bei diesen Patienten sehr lange, bis Änderungen zu sehen sind. 
Da hy- potone Patienten sehr kraftlos sind, ihre Schwierigkeiten in der Kraftdosierung, 
im  Krafteinsatz und in der Fähigkeit zu Bewegen liegen, alle Bewegungen 
im Bewegungsaus- maß sehr weit sind, muß der Krankengymnast sich in 
Geduld fassen. In der Regel muß man  über den Zeitraum von sechs 
Monaten genau nach Veränderungen suchen. Diese Patienten- gruppe sind daher 
im Hinblick auf die manuelle Therapie am schwierigsten beurteilbar.  Was 
sieht man zuerst bei diesen Kindern ?  Häufig zeigt sich eine Veränderung 
zuerst bei der  Ernährung: die Kinder trinken besser, was  eine 
wesentliche Erleichterung für die betroffe- nen Eltern und für die kleinen 
Patienten ist. Da diese Kinder in der Regel sehr schlank sind,  ist von den 
Eltern der Druck genommen. Essen ist eine große Kraftanstrengung, der Akt 
des  Schluckens gehört auch dazu. Nach manueller Therapie kann hier 
Erleichterung geschaffen  werden.  Auch eine bessere Kopfkontrolle ist 
oft erreichbar; damit verändern sich die Kinder im Ver- halten. Sie können 
ihre Umwelt besser erkunden, zeigen vermehrt eigene Aktivitäten, Bewe- gung 
findet häufiger statt. Das Handling wird für alle Beteiligten einfacher, 
da die kleinen  Patienten jetzt mithelfen. Hypotone Kinder haben in der Regel 
so wenig Halt, daß sie einen  in der Handhabung durch die Arme rutschen. 
Nach manueller Behandlung helfen sie nach  ihren Möglichkeiten mit. 
Die Aufmerksamkeitsspanne bei dieser Patientengruppe ist durch die schnelle Ermüdbarkeit  
zu Beginn der Behandlung sehr gering, im Laufe der Betreuung bessert sich diese 
Situation.  Durch die typbedingte Hypermobilität  sollten diese 
Kinder häufiger dem Orthopäden vorge- stellt werden. Die Stellung der 
Hüftgelenke muß in Kontrolle bleiben.  Da es nach Manualtherapie 
bis zu sechs Monaten um eine Situationsänderung genau zu be- werten kann 
es hilfreich sein, Videoaufnahmen der Kinder zu erstellen und zu vergleichen.  
In den Vergleichsaufnahmen kann man dann Qualitätsunterschiede in den Bewegungen 
er- kennen. Bewegung wird in Ausmaß, Kraftdosierung, Krafteinsatz, Quantität 
und Qualität  effektiver.  Die betroffenen Kinder sind in der Behandlungssituation 
sehr schwierig. Die Eltern der Kin- der haben Angst, was ist mit ihren Kindern, 
warum entwickeln sie sich nicht wie andere Kin- der. Hier ist wieder eine intensive 
Teamarbeit gefragt und sehr wichtig.  Ist bei dieser Patientengruppe eine 
manuelle Behandlung von Erfolg gewesen, muß man  auch hier in Teamarbeit 
entscheiden, ob eine weitere Behandlung angezeigt ist. Vor einer  erneuten 
Manualbehandlung muß man als Behandler das Risiko eines vorübergehenden  
Entwicklungsstillstandes mit den Eltern vorab besprechen. Auch nach einer zweiten 
Be- handlung dauert es seine Zeit, bis Veränderungen sichtbar werden. Alle 
Schwierigkeiten die  in der Behandlung dieser Kinder im Zusammenhang mit 
Manualbehandlung auftreten kön- nen, sind vorab mit den Eltern und dem betreuenden 
Kollegen der Frühförderung zu bespre- chen. Alle Eventualitäten 
müssen für die Eltern deutlich erarbeitet sein. Sie müssen wissen,  
welche Veränderungen an ihrem Kind auftreten können und wie man damit 
umgeht.  Zusammenfassung Die Manuelle Therapie gehört bei uns in der 
Frühförderung Salzgitter zu den angewandten  Behandlungsmöglichkeiten 
bei Kindern mit drohender Behinderung, Frühgeburten, Syndro- men, Geburtsschäden, 
Kiss- Syndrom und ähnlichen Erkrankungen. Wir sehen es als eine  Unterstützung 
bei der Arbeit mit den von uns betreuten Kindern. In der Regel stellen wir die  
Kinder beim Manualtherapeuten vor Ort in der orthopädischen Sprechstunde 
vor. Ich als  Krankengymnastin begleite die Eltern dort hin. Hier kann dann 
am Kind das dominante Pro- blem dargestellt werden. Die erste Behandlung findet 
in der Regel gleich in dieser Sprech- stunde statt, Kontrolltermine werden vereinbart. 
Kinder, die schwerere Befunde haben,  werden aus der Sprechstunde heraus 
zur Behandlung zum Spezialisten überwiesen. Für uns  hat sich in 
den letzten Jahren so eine intensive Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Manu- ellen 
Therapie entwickelt.  Manuelle Therapie ist für mich als Krankengymnastin 
immer noch nicht voll durchschaubar.  Immer wieder entdecke ich neue Phänomene, 
die Behandlungseffekte sind so vielfältig in  ihren Auswirkungen. Zusammenhänge 
werden immer klarer. In der Beobachtung meiner  kleinen Patienten kann man 
immer wieder staunen, welche Effekte erreicht werden können.  Wenn ich 
denke ich weiß schon alles, habe ich mich getäuscht; die Entwicklung 
geht immer  weiter. Die Gesamtfunktion unseres Körpers ist so komplex, 
daß immer neue Zusammen- hänge offenbar werden. Ich stehe in meiner 
Funktion als Krankengymnastin voll hinter der  manuellen Therapie und den 
daraus resultierenden Möglichkeiten. Diese Form der Behand- lung ist  
mit wenig Risiko für die Patienten  ein Schritt in die positive Entwicklung. 
Mit Manu- eller Therapie, Krankengymnastik, Frühförderung, Ausstattung 
mit effektiven Hilfsmitteln,  einer guten orthopädietechnischen Versorgung 
und neuropädiatrischer Hilfe ist die Behand- lung behinderter Kinder gut 
zu meistern.  An dieser Stelle noch eine wichtige Bemerkung. Als empfehlender 
Therapeut muß man ge- nau wissen, welchem Manualbehandler man sein Vertrauen 
schenkt. Manuelle Therapie gibt  es heute schon an jeder Ecke. Diese Behandlungsform 
birgt aber auch Risiken. Nur eine  radiologische Kontrolle kann meines Erachtens 
Komplikationen vermeiden und Formabwei- chungen der Wirbelsäule darstellen. 
Für die Behandlung von Kindern ist es wichtig, einen   Behandler 
mit Kindererfahrung aufsuchen zu können.   Das hier Gesagte basiert 
auf mehrjähriger Zusammenarbeit der Lebenshilfe Salzgitter mit einem  
Manualtherapeuten. In dieser Zeit wurden einige hundert Kinder gemeinsam behandelt 
und im  Frühförderzentrum weiterbetreut. Dadurch ist eine Beurteilung 
nicht nur des direkten Effekts der Therapie,  sondern auch der längerfristigen 
Konsequenzen möglich.

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