Zervikale 
Afferenzen zum Hirnstamm:  Ist  
SIDS eine Folge von  hochzervikaler Irritation und Hirnstammdysregulation 
?   
J. Jansen, Göttingen Kinder, die an einem SIDS verstorben 
sind, werden sehr häufig in Bauchlage auf-gefunden.  Bei extrem seitlicher 
Retroflektionshaltung des Kopfes ist denkbar, daß irritative Reize aus  
der Region des kranio-zervikalen Überganges Einfluß auf die Hirnstammregulation 
nehmen.  An Hand von tierexperimentellen Untersuchungen sind direkte Afferenzen 
aus der oberen  Zervikalregion zu verschiedenen Kerngebieten des Hirnstamms 
insbesondere zum Vagus-  und Solitariuskerngebiet bekannt. Der SIDS als Fehlregulation 
in Folge pathophysiologischer  Reize, die vom kraniozervikalen Übergang 
über direkte Afferenzen zum Hirnstamm geleitet  werden, wird diskutiert.   
Der Nachweis dieser zerviko-zephalen Verbindungen eröffnet hypothetische  
Denkmöglichkeiten, wenn es zulässig ist, die beim Tier erhobenen Befunde 
auf den  Menschen zu übertragen. Im Hinblick auf den SID scheinen die 
Afferenzen zum dorsalen  motorischen Vaguskern und zum Nucleus sowie Tractus 
solitarius von besonderen  Interesse zu sein.  Ruft man sich die oben 
geschilderten durch lokalisierte, intraoperative Irritation mit Reizung  
des Spinalganglions C2 ausgelösten Kreislaufregulationsstörungen ins 
Gedächtnis, muß man  annehmen, daß die bei der Katze gefundenen 
zervikalen Verbindungen zum Vaguskern und  zum Nucleus und Tractus solitarius 
auch beim Menschen bestehen. An dieser Stelle drängt  sich jetzt die 
Frage auf, ob nicht auch beim plötzlichen Kindstod, solche Störafferenzen  
beteiligt sein können, die in der oberen Zervikalregion entstehen, auf dem 
beschriebenen  Wege zum Hirnstamm geleitet werden und dort zu Fehlsteuerungen 
von Seiten des vagalen  Systems führen. Diese hypothetische Annahme 
erfährt eine gewisse Bestätigung durch die Aussage von am  russisch 
- usbekischischen Symposium beteiligten Kollegen, die berichteten, daß der 
SID bei  ihnen nicht vorkomme. Diese Aussage ist deshalb so interessant, 
weil die Kleinstkinder in  diesem Kulturkreis in der Regel so gewickelt werden, 
daß sie nicht die Möglichkeit haben,  sich in die oben erwähnte 
zu einer Irritation im kranio- zervikalen Übergangsbereich  führende 
Lage ( z.B.: Bauchlage mit rotiertem und retroflektiertem Kopf ) hineinzuwühlen.  
Die Konsequenzen, aus diesen Überlegungen wären, SID-gefährdete 
Kinder zu fixieren.    Daher sollte über den denkbaren Einfluß 
solcher Störafferenzen im Hinblick auf den SID  weiter intensiv nachgedacht 
werden – vor allem, da die oben beschriebenen  Bahnverbindungen auch beim 
Menschen, wenn auch wahrscheinlich in einer anderen  Gewichtung, anzunehmen 
sind.   Säugklichssterblichkeit – plötzlicher Kindstod (SID) Hrsg: 
Saternus  & Karimow  Schmidt-Römhild Verlag Lübeck 1998

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