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Vorwort
Die hier vorgelegte Zusammenstellung
soll – wie schon im Titel angedeutet – einen Querschnitt durch das Gebiet der
Manuellen Medizin bei Kleinkindern bieten. Das schließt von vorn herein
Vollständigkeit aus. Diese ist auch gar nicht zu erzielen, haben wir es doch
hier mit einem Gebiet zu tun, das sich in einer rasanten Entwicklung befindet.
So sollen die verschiedenen Beiträge auch und vor allem als Kristallisationspunkte
dienen und Anknüpfungspunkte für künftige Forschung bieten. Manch grundlegende
Diskussionen – z.B. die Tragweite und Differentialdiagnostik der Röntgenuntersuchung
– können in diesem Rahmen nur skizziert, nicht aber umfassend dargestellt
werden. Es ist faszinierend festzustellen, daß man in einem Bereich
wie der Manualmedizin, die zu den ältesten ärztlichen Künsten
zählt, so viel Neues finden kann. Wenngleich das Studium der älteren
Literatur zeigt, daß schon im 18. Jahrhundert ähnliche Überlegungen
beim Ausder-Taufe-Heben des Begriffs „Orthopädie“ Pate gestanden haben, so
ist die systematische Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Wirbelsäulen-Funktionsstörungen
und der sensomotorischen Entwicklung erst in letzter Zeit in Gang gekommen.
Funktionelle Überlegungen haben es schwer in einem immer noch pathomorphologisch
geprägten Denkmuster; in den Beiträgen zur Ursachenforschung des Plötzlichen
Kindstodes wird dies deutlich. Genauso schwer ist es, kognitive und motorische
Entwicklungsdefizite als extracranial getriggert zu begreifen. Hier wird mit Neurologen
noch mancher Strauß zu fechten sein, und die – hoffentlich fruchtbare –
Diskussion dieser Zusammenhänge soll hier mit angestoßen werden. Auch
die Darstellung des Geburtsvorganges und der Beckenentwicklung soll dem funktionellen
Denkansatz Hilfestellung leisten und von einer außerklinischen Perspektive
den Blick weiten. Die praxisbezogenen Beiträge sind in zwei Gruppen gegliedert:
die Erfahrungen von Neuro- pädiatern, die die Effekte manualmedizinischen
Herangehens beurteilen und die Berichte der aktiv beteiligten Orthopäden
und Physiotherapeuten, die quasi ‚von innen her‘ über das Gefundene aussagen.
Dem vorangestellt ist die durchaus pointierte Auseinandersetzung mit der Frage,
ob hier nicht einfach aus einem normalen Befund ein Problem gemacht wird. Schließlich
soll im letzten Abschnitt eine Zwischenbilanz gezogen werden, nicht zuletzt um
dem oben geäußerten Anspruch gerecht zu werden, Anknüpfungspunkte
für zukünftiges Forschen zu geben. Eine
Kompilation verschiedener Beiträge ist immer zu einem gewissen Ausmaß
willkürlich. Vieles hätte man gerne noch mit hineingenommen, manches
ausführlicher dargestellt. Ziel war aber ein lesbares Buch, und
dies bedeutet auch, sich beim Umfang Zügel anzulegen. Zu groß ist die
Zahl der Veröffentlichungen, die durch ihre vierstelligen Seitenzahlen ebenso
sehr beeindrucken wie vom effektiven Durchlesen abhalten. Trotzdem sollen
einige Beiträge, die manchem vielleicht als zu fern des Anliegens scheinen,
nicht beiseitegelegt werden. Die Manualmedizin ist eine fachübergreifende
Denk- und Arbeitsweise. Es ist zu hoffen, daß das vorgelegte Werk handhabbar
bleibt und der Anspruch, von vorn bis hinten durchgelesen werden zu wollen,
Sie als Leser nicht überfordert. Nicht zuletzt deshalb wurde auch an einigen
Punkten von der üblichen Präsentation einer viel- Autoren- Arbeit abgewichen:
die zitierten Quellen sind in einer einheitlichen Bibliographie am Ende zusammengefaßt,
ebenso wie das Stichwortverzeichnis. Bei allen Autoren möchte ich mich
bedanken, daß sie (kleinen) Adaptationen ihrer Texte zustimmten; manches
technische Detail, das in einer Fachzeitschrift essentiell ist, lenkt in diesem
Rahmen eher von den Kernaussagen ab. So
zeitraubend und schweißtreibend die Fertigstellung solch einer Veröffentlichung
ist („selbst ein schlechtes Buch macht viel Arbeit“), so gern schaut man am Schluß
auf den zurückgelegten Weg hinter sich. Am Wegesrand standen viele, die
uneigennützig mit Rat und Tat halfen: Die meisten tauchen im Autorenverzeichnis
auf, den anderen sei – bevor man etliche vergißt – hier namenlos gedankt.
Die Fragen der Zuhörer bei Kongressen und Vorträ- gen und die vielen
Diskussionen mit Kollegen, die beim Hospitieren immer wieder durch ihr Nachhaken
auf Unklarheiten aufmerksam machten sind fürs eigene Denken unabdingbar.
Last not least danke ich Frau Dr. Kuhlmann und Herrn Dr. Kraemer vom Enke
Verlag für die Bereitschaft, dieses Projekt schon zu Zeiten zu unterstützen,
als sein Erfolg noch nicht absehbar war. Man
versucht immer eine Veröffentlichung so gestalten, wie man sie gerne selbst
in der Buchhandlung finden würde. Gerade bei komplexeren Sachverhalten,
die – wie hier – von ganz verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden, wird
man nie fertig. Irgendwann kommt dann die schmerzhafte Entscheidung, mit dem Feilen
und Zusammentragen aufzuhören und das Manuskript abzunabeln. Ebenso
sicher, wie man beim ersten Aufschlagen des druckfrischen Buches unfehlbar auf
einen Druckfehler schaut, hat man am Tag nach der endgültigen Abgabe des
Manuskriptes die Textstelle, die Abbildung in Händen, die eigentlich nicht
fehlen dürfte. Sie fehlt.
Trotzdem – hoffentlich – viel Spaß beim Lesen! zum
Inhaltsverzeichnis
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