Einleitung

Motto: Schafft in der Medizin die Wandlung
    Von Therapeutik in Behandlung



Im Gegensatz zu der stark entwickelten Neigung der heutigen Behandlungsmethode von inneren Krankheiten, das Heil der Kranken zu suchen in umgewandelten chemischen Formeln, tierischen Säften und giftigen Produkten der niedrigsten Pilzformen, möchte ich in folgendem die Heilkunde hinleiten auf einfache, physiologisch wirkende Prozeduren, Handgriffe in des Wortes eigentlichem Sinne, durch welche Störungen in der Blutzirkulation und deren Produkte auf mechanische Weise gehoben und unschädlich gemacht werden können.

Bei vielen und verschiedenartigen Krankeitsformen handelt es sich im Anfange oft nur um Veränderungen im Blutgehalt der betroffenen Organe, um Krampf oder Lähmung der den Kreislauf regulierenden Nerven, manchmal bloß um veränderte Molekularzustände. Neuralgien, durch einmaligen Reiz erzeugt, bleiben sehr häufig noch lange Zeit bestehen, nachdem die Schädigung zu existieren aufgehört hat. Der Nerv befindet sich im Zustand der schwingenden Saite, das Gehirn hält die Erinnerung fest, weil es nicht Zeit und Ruhe findet zur Nachkontrolle. Sind wir aber imstande, die vibrierende Saite zum Stillstand zu bringen und bekommt das Zentralorgan Zeit sich von der Schmerzvorstellung frei zu machen, so fällt die Neuralgie dahin und ist bleibend geheilt, sofern die veranlassende Ursache nicht weiter fortbesteht.

Eine Reihe von unangenehmen, schmerzhaften und bedenklichen Erscheinungen resultiert aus Überfüllung oder Mangel von Blut im Gehirn. Auch hier überdauert oftmals der Folgezustand die Ursache um lange Zeit.


Naegeli, Heilung von Nervenleiden durch Handgriffe, 1



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