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Prinzipien
der neurologischen Untersuchung des Neugeborenen
Bis
in das letzte Jahrzehnt existierte in der Neurologie eine ungeschriebene (aber
auch geschriebene) Regel, daß eine topische Diagnostik bei den Neugeborenen unmöglich
ist, daß dieser Zeitraum von einem Desadaptationsphenomen des Neugeborenen charakterisiert
ist, und deswegen spiegelt die neurologische Symptomatik nur den Zeitraum der
Anpassung des kindlichen Organismus an die verändernden Verhältnisse der Umwelt
wider. Es existieren jetzt viele andere Theorien, die eine Möglichkeit ausschließen,
die Neugeborenen klassisch neurologisch zu untersuchen. Es gab keine Lehrbücher
von der Neurologie des Neugeborenen. Die kinderneurologischen Lehrbücher enthalten
keine Kenntnisse der topischen Diagnostik, und nur eine Monographie von L.O.Badalan
(1980) bewertet die neurologischen Hauptsyndrome bei den Neugeborenen.
Wir halten das für sehr wichtig, einen Arzt vom ganzen Anfang darauf zu orientieren,
daß die Neugeborenen wie Erwachsenen regulär neurologisch ab ihren ersten Lebenstag
untersucht werden können und sollen, daß eine topische Diagnose möglich und unerlässlich
ist, um zu entscheiden, welcher Teil des Nervensystems geschädigt ist, und welche
Maßnahmen dringend eingeleitet werden müssen. Es ist richtig, daß ein Kind keine
kleine Kopie von einem Erwachsenen ist, was seinerseits einen Arzt zu einer noch
fleißigeren neurologischen Untersuchung eines Neugeborenen zwingt.
Es gibt noch einige prinzipielle Thesen, die eine Bewertung und ein Verständnis
brauchen. So die Aussage, daß ein Teil der Neugeborenen sich an den ersten Lebenstagen
in einem Schockzustand befindet, ist nicht korrekt: Der größte Teil der Kinder
hat bei der Geburt keinen Schock, und dort, wo ein Schock existiert, muss man
die Ursache und die Lokalisation der Schädigung noch früher und noch präziser
bewerten.
Ein nicht seltener Argument gegen der frühzeitigen neurologischen Untersuchung
des Neugeborenen ist der, daß die Symptomatik der ersten Lebenstage in vielen
Fällen allmählich abnimmt, und das bedeutet, sie muss nicht ernst wahrgenommen
werden. Aber es handelt sich um eine Aufklärung der topischen Lokalisation der
neurologischen Symptome, um abklären zu können, ob das Hirn oder der Rückenmark
mitgezogen sind. Und die Geschwindigkeit der Symptomatikregression lässt uns nur
über die Ausprägung dieser Schädigungen sagen, aber nicht an ihrer Existenz zweifeln.
Man muss auch sagen, daß die Bewertung vom Zustand des Kindes nach dem Apgar Index
nicht immer exakt seinen Schweregrad widerspiegelt, nicht selten stellen wir bei
den „sehr guten“ nach dem Apgar Index Kindern schwere neurologische Symptome fest,
was diesen Kinder zu einer Gruppe des großen Risikos von vitalen Komplikationen
zuschreiben lässt.
Es gibt eine Symptomen- und Syndromenliste, die in den neurologischen Büchern
steht und vielleicht einem beginnenden Kinderarzt passt, aber den Zustand des
Nervensystems des Neugeborenen nicht bewerten lässt. Das sind z.B. „Hemmung der
psychomotorischen Entwicklung“, „Syndrom der Hypererregbarkeit“ usw. Wir können
nicht den Vorstellungen von den „infantilen Krämpfen“ nur aus dem Grund zustimmen,
daß sie bei den Infanten sind. Die Ursachen einer erhöhten Erregbarkeit bei den
Neugeborenen sind unterschiedlich, genau so wie eine diffuse Muskelhypotonie kann
wegen einer Schädigung des Kortex und der Stammganglien, des Kleinhirns und der
Formatio reticularis, der Vorderhörner und der Muskeln selbst. Beim Feststellen
der o.g. „Syndromen“ ohne Ursachepräzisierung geben wir einem Arzt eine Möglichkeit,
die Ersatzdiagnosen wie „Encephalopathie“, „Hirndurchblutungsstörungen“, „Desaptationssyndrom“
und andere festzustellen. Diese Diagnosen passen einem Arzt, nur wenn er keine
topische Diagnostik beherrscht und Schädigungscharakter und Schädigungslokalisation
nicht aufklären kann. Darunter leiden nur die kleinen Patienten.
Bei der Frühgeborenenuntersuchung erklärt man alle Symptome wie eine Unreife.
Man hat Recht, die Ursachen von der immer zunehmenden Frühgeburtenfrequenz bleiben
häufig ungeklärt, und die Zeichen der Unreife gibt es bei solchen Neugeborenen
ohne Zweifel, aber sehr viele neurologischen Symptome hängen von dem Gestationsgrad
nicht ab, und stehen mit dem Schweregrad der Nervensystemsschädigung bei der Geburt
in Verbindung. Der finnische Kinderarzt Ilppo noch 1919 zeigte ganz klar klinisch
und autoptisch, daß die unreifen Kinder bei der Geburt besonders leicht traumatisiert
werden, und die blinden Hinweise auf die Unreife selbst ertragen keine Kritik.
Keiner der Autoren der pediätrischen Bücher kann genau sagen, wann denn der Frühgeborene
den Kopf heben, sitzen oder laufen soll. Nicht selten ist die Hemmung der motorischen
Entwicklung bei den stark unreifen Frühgeborenen nicht so grob und umgekehrt.
Genau deswegen müssen wir die neurologischen Symptome bei den Neugeborenen ohne
einen Hinweis auf den Gestationsalter bewerten, und nur danach versuchen, die
Ursachen von den gefundenen neurologischen Störungen zu interpretieren. Genau
deswegen gibt es in diesem Buch ein eigenes Kapitel von der Neurologie des Frühgeborenen.
Das kann man auch von den Kindern mit einem großen Geburtsgewicht sagen. Diese
Kinder haben eigene Besonderheiten, und wir müssen in einem einzelnen Kapitel
besprechen, wo sie ihre „Schwachpunkte“ haben.
Wir können natürlich vermuten, daß bei einigen unseren Lesern alle unsere Prinzipien
das Fremdgefühl auslösen. Aber die Möglichkeit, „wie früher“ zu arbeiten, hat
jeder. Die alte Regel „audiatur et altera pars“ bleibt noch im Leben: Prüfen Sie
alles Gesagte durch Ihre eigene Erfahrung, vergleichen Sie es mit Ihren Vorstellungen
und dann, wahrscheinlich, nehmen Sie viel vom Gesagten in diesem Buch für sich
selbst.
Für die Bewertung vom neurologischen Status hat die allgemeine Untersuchung eine
große Bedeutung. Eine Geburt kann sehr schwierig sein, aber wenn sie glatt fürs
Kind endet, soll der Neugeborene keine Schockzeichen haben. Das Kind atmet rhythmisch,
bewegt automatisch und symmetrisch seine Extremitäten mit einer genügenden Amplitude.
Die kleinsten Bewegungseinschränkungen von Armen oder Beinen sollen ein Grund
für eine gezielte Untersuchung sein, ob es Extremitätenparese gibt. Für einen
Neurologen hat das Schreien (sein Laut, Abwesenheit von Stöhnen usw.) eine
große Bedeutung. Viel kann die Lage vom Neugeborenen sagen. In einigen Fällen
ist das Kind immer schwach und müde, wenig beweglich, manchmal sogar ausgestreckt.
In anderen Fällen ist der Extremitätentonus umgekehrt gleichmäßig erhöht, beim
Umziehen ist die Spastik auffallend. Es ist sehr wichtig, sogar die kleinsten
Krampfzuckungen nicht zu übersehen, wovon wir später ausführlich sagen.
Die Kopfuntersuchung gibt auch sehr viel. Die Geburtsgeschwulst ist für den größten
Teil der Kinder typisch. Je größer die Geschwulst ist, desto schwieriger lief
die Geburt, und solche Kinder müssen besonders aufmerksam untersucht werden. Bei
einigen Kindern fallen Hämatome am Gesicht, Hals, Körper als eine Konsequenz einer
schwierigen Geburt auf, in diesen Fällen findet man die neurologischen Symptome
häufiger. Für starke Schädeldeformitäten gibt es einen Ausdruck „Kopfkonfiguration“
bei Gynäkologen und Neonatologen, und das versteht man unwillkürlich, daß diese
Konfiguration eine normale Sache ist. Wir sind damit absolut nicht einverstanden.
Es handelt sich um die Kopfdeformation, und dieses Symptom weist auf ein Schädelgeburtstrauma
hin, und sie soll nur als dieses Symptom gesehen werden. Zwischen solchen Kindern
findet man viel häufiger eine Hirnsymptomatik, was ganz verständlich und leicht
erklärbar ist.
In der alltäglichen Praxis wird Cephalohämatom häufig unterschätzt, weil es „oft
gefunden wird“ und „außerhalb des Schädels liegt“. Es handelt sich wirklich um
ein Unterknochenhauthämatom, das manchmal riesig ist. Es wird eigentlich
häufig gefunden, aber es spricht nicht dagegen, daß hier ein Trauma war, und es
ist wichtig, nicht das Hämatom selbst sondern darunterliegende Schädigungen zu
diagnostizieren. In den darunterliegenden Hirnbereichen gibt es ohne Zweifel Mikrohämorrhagien,
die ohne eine Alterabhängigkeit auf eine Hirnkontusion hinweisen. Einige deutsche
Forschungen sprechen auch dafür: Mehr als eine Hälfte von diesen Patienten haben
bei einer Craniographie eine Knochenspalte des Schädels.
Bei dem Unterschätzen eines solchen Hämatoms wird das Kind am 5.-7. Tag aus dem
Entbindungsheim entlassen (dabei bleiben Erwachsene mit einer Schädelspalte stationär
beobachtet).
Die Cephalohämatom selbst kann für ein Kind auch gefährlich sein. Die Neurochirurgen
meinen, ein solches Hämatom soll abgesaugt und mit einem Druckverband umgewickelt
werden, sonst ist die Vereiterunggefahr zu hoch. Aber diese Forderungen sind noch
nicht überall obligatorisch.
Einer der wichtigsten Hinweise auf eine schwierige Geburt ist die Schädelknochendislokation.
Sie ist nicht groß und bringt normalerweise zu einer Hirnschädigung nicht aber
weist darauf, daß der Fruchtschädel den Geburtsweg mit einem großen Widerstand
durchgegangen ist, und in diesen Fällen findet man oft Hinweise auf die Nervensystemsschädigung.
Eine große Rolle spielt die Fontanellenuntersuchung bei der Bewertung vom Zustand
eines Kindes, weil es nicht gelingt, die typischen Meningealsymptome bei den Neugeborenen
sogar bei einer Hüllenentzündung zu finden. Und diese Gefahr gibt es bei den unter
einer schwierigen Geburt geschädigten Neugeborenen immer.
Die Kopfgröße vom Neugeborenen sagt einem Arzt viel: Die Hydrocephaliezeichen,
wenn sie von den ersten Lebenstagen existiert, sprechen normalerweise über eine
pränatale Pathologie, und die allmählige Entwicklung einer Hydrocephalie ist nicht
selten die Folge einer intranatalen Schädigung. Hier muss man sagen, daß in vielen
Kliniken die Diagnose „hypertensionshydrocephalisches Syndrom“ häufig ohne einen
Grund gestellt wird, nicht selten bei einer normalen Kopfgröße ohne eine
Fontanellenspannung, ohne eine Venenzeichenvermehrung. Ein Teil der Neugeborenen
hat eine kleinere Kopfgröße als die Norm, und dabei ist der Hirnschädel kleiner
als der Gesichtsschädel. Diese Pathologie (Mikrocephalie) ist immer die Folge
einer intrauterinen Schädigung und kann leider nicht behandelt werden.
Es gibt noch eine Besonderheit. In der letzten Zeit trifft man Kinder mit einem
sehr frühzeitigen Fontanellenverschluß. Die Ursachen davon sind bis jetzt noch
nicht abgeklärt. Wir vermuten, daß die Fontanelle sich als eine Folge einer
in der letzten Zeit weit verbreiteten Rachitisprophylaxe verschließt, aber wir
haben keine klaren Nachweise dafür. Aber das Kopfwachstum ist bei solchen Kindern
natürlich gehemmt.
Sogar eine normale Untersuchung kann den ganzen sog. „zervikalen“ Symptomkomplex
aufdecken. Es handelt sich um die Halssymptome. Fast alle diese Symptome wurden
von uns zum ersten Mal beschrieben, und sie sind bei der neurologischen Diagnostik
sehr nützlich.
Bei den Kindern mit einer perinatalen Hirnpathologie sahen wir die „cervikalen“
Symptome nie, aber bei einer spinalen cervikalen Pathologie fast immer.
Einer der ersten cervikalen Symptomen ist das Symptom „des kurzen Halses“:
Es ist normalerweise sehr demonstrativ und fällt auf. Der Kinderhals scheint sehr
kurz zu sein (obwohl es keinen anatomischen Defekt gibt), der Kopf scheint direkt
auf den Schultern zu sitzen. Zum Ende des ersten Jahres nimmt die Ausprägung dieses
Symptoms allmählig ab. Bei den Kindern fällt die Ausprägung der Halsfalten mit
einer starken Feuchtigkeit im Bereich dieser Falten auf. Man kann vermuten, daß
das Symptom des kurzen Halses als Folge einer zu starken Ausdehnung bei einer
schwierigen Geburt mit der danach folgenden reflektorischen Verkürzung nach „Harmonikaphänomen“
entsteht. Später entwickelt sich bei ebendiesen Kindern noch ein sehr wichtiges
Symptom: eine heftige abwehrende Spannung der Hals- und Nackenmuskeln. Dieses
Symptom beobachteten wir nie bei den Kindern mit einer vorzugsweise cerebralen
Schädigungslokalisation.
In dem vorigen Kapitel sprachen wir mehrmals vom Symptom „des Puppenarmes“ von
Novak (wahrscheinlich Erb-Duchene), das für Kinder mit der Parese nach
einem Geburtstrauma typisch ist. Analog mit diesem Symptom beschrieben wir das
Symptom „des Puppenkopfes“: Der Kopf der Kinder mit einer cervikalen Pathologie
scheint bei der Untersuchung von hinten zum Körper gesetzt zu werden, an der Grenze
zwischen dem Kopf und dem Körper liegt eine tiefe Falte.
Die allgemeine Neugeborenenuntersuchung lässt vom Form des Brustkorbs und dem
Zustand der Bauchwand sagen. Der Brustkorb kann als Folge einer kongenitalen Pathologie
deformiert sein. Gleichzeitig gibt es bei den Kinder mit einer cervikalen Schädigungslokalisation
Brustkorbdeformationen, die einer solchen bei der Rachitis ähnlich sind. Wir erwähnten
sie schon oben: in seinem unteren Bereich ist der Brustkorb weitgestellt (Glockenthorax).
Beim größten Teil von solchen Kindern findet ein erfahrener Röntgenologe die Zwerchfellspareseszeichen.
Die Bewertung vom Zustand der Bauchwand ist nicht so einfach. Niemand von Autoren
beschrieb das. Es ist bekannt, daß viele von Neugeborenen einen schlaffen und
abgeplatteten Bauch haben. In diesen Fällen ist es manchmal unmöglich, eine Bauchmuskelnparese
als Folge einer natalen Pathologie des Brustrückenmarkes auszuschließen. Diese
Symptomatik ist besonders demonstrativ bei einer vorzugsweise einseitigen Schädigungslokalisation:
Die paretische Bauchwandhälfte wölbt sich etwas, der Nabel wird beim Schreien
verschoben. Bei einer doppelseitigen Schädigung ist es viel schwieriger zu beurteilt.
Für die Diagnose kann das folgende Symptom nützlich sein: Wenn das Kind schwach
weint, wird seine Stimme beim Drücken mit der Hand beträchtlich lauter.
Bei besonders groben Geburtsschädigungen des Rückenmarkes kann ein solches Symptom
wie das Anusklaffen entwickeln. Dieses Symptom ist ein Zeichen des Schädigungsschweregrades
und einer ungünstiger Prognose. In der Literatur gibt es keine Berichte davon.
Genauso grob und prognostisch ungünstig ist der Priapismus--eine spontane Peniserektion.
Die Kinderärzte bestätigen, daß sie dieses Symptom nicht selten beobachteten aber
nicht wussten, wie es zu bewerten, und lagen kein Wert darauf, obwohl in der Erwachsenenneurologie
dieses Symptom gut bekannt ist und von einer bedeutenden spinalen Pathologie spricht.
Wir sprachen über die Möglichkeiten der allgemeinen Untersuchung eines Neugeborenen
für die Symptomensuche, die eine Pathologie vermuten lassen. Ein einzelnes Symptom
kann nicht als Nachweis gelten, aber einige zusammen haben eine große diagnostische
Bedeutung.
Weiter, wie in der allgemeinen Neurologie, soll man die Hirnnerven untersuchen.
Dabei gibt es natürlich Schwierigkeiten, die aber überwunden werden können. Dafür
soll der Neunatologe gute Kenntnisse und Erfahrung haben. Eine Schwierigkeit liegt
mehr darin, daß verschiedene Bücher unterschiedlich empfehlen, diese Symptome
zu bewerten. Und der praktizierende Arzt hat die Notwendigkeit, seine eigene Entscheidung
zu treffen.
Es ist jetzt die Frage, ob man bei einem Neugeborenen die Hirnnerven untersuchen
und bewerten kann. Die Antwort ist eindeutig-Ja. Aber es gibt natürlich eine Methodenreihe
besonders für das 1. Nervenpaar.
Die Untersuchung des N. optikus hat eine sehr große Bedeutung für die Bewertung
des neurologischen Status eines Neugeborenen. Leider gibt es sehr wenige Publikationen
davon, und niemand untersucht den Augenhintergrund bei Neugeborenen routinemäßig.
Wir sind der Meinung, daß die ophtalmologische Untersuchung bei diesen Patienten
absolut notwendig ist. Die bekommende dabei Information trifft von seiner Bedeutung
viele andere ergänzende Methode über. Einzelne solche Untersuchungen machte in
unserer Klinik O.V. Dubilei (1993). Zum Unterschied von anderen Autoren untersuchte
O. Dubilei den Neugeborenen ophtalmologisch mehrmals in den ersten Tagen ihres
Lebens und (was prinzipiell sehr wichtig ist) verglich die gefundene Veränderungen
mit den Ergebnissen des neurologischen Status. Das ließ uns unsere Ansicht auf
das Bild des Augenhintergrundes bei den Neugeborenen überprüfen. So bei 36,9%
aller untersuchten Neugeborenen wurden Hämorrhagien am Augenhintergrund gefunden,
dabei bei den 26,3% Untersuchten waren diese Veränderungen sehr grob, die Papillengrenzen
waren verwischt, also es lag ein Papillenödem ohne Zweifel. Was besonders wichtig
ist, diese Veränderungen am Augenhintergrund korrelieren mit den neurologischen
Veränderungen ganz deutlich: umso gröber die neurologische Zeichen des Hirn- und
Halsrückenmarksgeburtstraumas sind, desto ausgeprägter sind die Hämorrhagien
und das Ödem des Augenhintergrundes. Interessant sind die Urteile von Ophtalmologen
über die Farbe der Papille bei den Neugeborenen. Die Farbe bei Erwachsenen ist
immer rosa, bei Kindern auch. Bei den Neugeborenen ist es anders, die nicht zahlreiche
Forscher sind sicher, daß die Neugeborenen im Norm eine graue Papille haben. O.V.Dubilei
weist hin, daß 33,5% der untersuchten Neugeborenen wirklich eine graue, aber 14,6%
die gewöhnliche rosa Papille haben. Die Hauptsache ist, daß dort, wo die Papille
grau war, waren auch ausgeprägte Hämorrhagien am Augenhintergrund und beträchtliche
neurologische Zeichen eines Geburtstraumas. Die Besitzer einer rosanen Papille
hatten weder eines noch anderes. Wahrscheinlich wurden frühere Forscher von der
großer Pathologiefrequenz hypnotisiert und haben das wie eine Normvariante interpretiert.
Obwohl die groben neurologischen Störungen bei Neugeborenen sehr häufig sind,
darf man sie als eine Normvariante nicht sehen.
Also bei einer Augenhintergrunduntersuchung des Neugeborenen kann man in einem
großen Prozent der Fälle die ausgedehnten Hämorrhagien des unterschiedlichen Schweregrades,
das Papillenödem und die graue Papillenfarbe. Das alles bestätigt eine neurologische
Vermutung über ein Hirngeburtstrauma. Die von O.V.Dubilei bekommende Ergebnisse
sehen wir so überzeugend (wir überprüften sie mehrmals), daß wir sogar beim Fehlen
der neurologischen Symptomatik die oben genannte Augenhintergrundveränderungen
als zweifellose diagnostische Zeichen bewerten. Und die Frequenz dieser Befunde
bestätigt nur die Bedeutung dieses Problems.
Viel seltener kann man am Augenhintergrund kongenitale Veränderungen finden. Diese
Befunde bestätigen eine Vermutung, daß die Pathologie des Nervensystems angeboren
ist, wenn eine solche entsteht. Wir müssen immer weiter betonen, daß die Augenhintergrunduntersuchung
bei allen Neugeborenen ohne Ausnahme gemacht und bei einer Notwendigkeit an den
nächsten 2-3 Tagen wiederholt werden soll.
Die Funktionuntersuchung der 3.,4., und 6. Nervenpaaren ist viel einfacher. Viel
schwieriger ist, zu einem gemeinsamen Verständnis der gefundenen Veränderungen
zu kommen, obwohl zwei Meinungen aus der Position des gesunden Menschenverstand
dabei nicht sein können. Es gibt bestimmte Empfehlungen, mit dem Strabismus
bei den Neugeborenen nicht zu rechnen, weil er durch die „Unreife“, „Nichtdifferenzierung“
usw. bedingt wird. Diese Befunde sind eigentlich häufig und nicht selten reversibel,
aber sie sind zweifellos organische Symptome und weisen auf die Schädigungslokalisation
hin. Bei einer Abducenspathologie ist der Strabismus konzentrisch, bei Oculomotoriusschädigung
ist er beidseits nach lateral. Ptosis und Mydriasis findet man bei solchen Kindern
nicht häufig. Die schwimmenden Augenbewegungen weisen immer auf eine schwere Hirnstammpathologie
hin, und die Neugeborenenneurologie ist keine Ausnahme dabei. Nach unseren Beobachtungen
haben nur die Kinder diese Bewegungen, bei denen wir eine Schädigung der lebenswichtigen
Zentren vermuteten.
Die Nystagmusuntersuchung gibt keine direkten Hinweise auf die Schädigung der
Augennerven, aber sie wird dabei gemacht. In einigen Fällen entsteht nur der Blicknystagmus,
in anderen ist er spontan und grob, seltener ist der Nystagmus vertikal. Leider
ist es in der Neugeborenenneurologie so, daß der Nystagmus nicht als pathologisches
Symptom gesehen wird: Entweder sagt man: „Es kann sein“, oder nennt man den Nystagmus
einfach angeboren. Aber bei den älteren Kinder und Erwachsenen weist Nystagmus
immer auf eine grobe organische Pathologie häufiger von Hirnstamm hin. Dann ist
es unverständlich: Warum bekommt der Nystagmus in der Neugeborenenzeit einen anderen
Sinn. Wir überprüften mehrmals den Nystagmuswert in der Neugeborenenneurologie.
Der angeborene Nystagmus existiert natürlich, es gelang uns, nur in den ganz seltenen
Fällen diese Diagnose zu stellen. Aber den Nystagmus selbst trafen wir bei vielen
Neugeborenen, und fast immer vereinigte er sich mit anderen groben neurologischen
Symptomen, die häufiger auf eine Pathologie des Stammes oder der Hirn-Schädelinervation
hinweisen. Bei der Untersuchung der Augenmotorik wird oft das sog. Sonnenuntergangsphänomen
aufgefallen, wenn es natürlich gibt. Es vereinigt sich oft mit dem Exophtalmus
und spricht häufiger von einer intrathecalen Hypertonie. Aber auf Grund nur dieses
Symptoms darf man diese Diagnose nicht stellen.
Über die Funktion des Nervus trigeminus bei den Neugeborenen wird in der Literatur
nichts berichtet, obwohl eine tiefere Hirnnervenuntersuchung bei 5-8% Kindern
seine Pathologie findet. Es ist verständlich, daß die sensible Trigeminusfunktion
in den ersten Lebenstagen und -Wochen zu untersuchen, ist unmöglich, aber
die motorische Störungen des 5. Nervs (äußerst seltene bei Erwachsenen) werden
bei den Neugeborenen gefunden. Dieses Symptom wurde von uns gemeinsam mit A.A.Rasskasova
am ersten Mal beschrieben, und wir überzeugten uns von seinem diagnostischen Wert.
Der Sinn des Symptoms liegt daran, daß der Unterkiefer von einer Seite etw. abhängt,
und deswegen, und das ist verständlich, ist das Saugen sehr schwierig. Man kann
nur mit der Störung des motorischen Trigeminusteiles dieses Symptom erklären.
Und das kann seinerseits nur durch eine Pathologie vom motorischen Kern des 5.
Nervs im Hirnstamm bedingt sein, es gibt keine andere Erklärung. Eine lokale Hämorrhagie
zu vermuten, ist sehr schwierig (solche Kinder sterben normalerweise), und deswegen
ist die Vermutung einer vertebrobasilaren Ischemie des Hirnstammes mit aller Wahrscheinlichkeit.
In Zusammenhang damit muss man sagen über die Saugfunktion bei den Neugeborenen.
Viele Neugeborenen saugen entweder überhaupt nicht oder sehr schlecht. Die Ärzte
geben eine ganze Menge von Erklärungen wie auch eine schlecht ausgebildete Warze
bei der Mutter. Das kann natürlich möglich, aber als die meiste Ursache davon
sehen wir eine neurologische Pathologie: eine Kauenmuskulaturwschwäche (5. Nerv),
M. orbicularis oris (7. Nerv) und der Zungenmuskulatur (12. Nerv).
Die maximalistische Folge davon ist eine dringende neurologische Konsultation
eines Neugeborenen bei den sogar kleinsten Störungen des Saugens, um eine organische
Nervensystemschädigung auszuschließen.
Die Facialisschädigung kann zentral und peripher sein. Beim ersten Typ gibt es
nur eine Schwäche der unteren Gesichtsmuskulatur, beim zweiten ist sowohl
untere als auch obere Gesichtshälfte schwach. Im Gegenteil zu einer solchen Pathologie
bei Erwachsenen wird die Facialisschädigung bei den Neugeborenen in der Ruhe nicht
immer gesehen, sie fällt beim Weinen auf. In der Literatur nennt man das „Mebiussyndrom“
und erklärt es wie eine Facialiskernunreife. Es ist sehr wichtig, eine deutliche
Differenzialdiagnose der Schädigungsniveau bei diesen Kinder zu machen: Die ponto-cerebellere
Ecke und der Ausgang aus dem Canalis facialis sind automatisch ausgeschlossen.
Realistisch bleibt nur das Niveau des Canalis facialis selbst. Aber dann ist es
offensichtlich, daß der Nervus facialis hier nur bei einer Spalte der Schädelbasis
geschädigt werden kann. Der periphere Schädigungstyp vom Nervus facialis spricht
also nicht über die „Unreife“ sonder über das schwere Hirnschädeltrauma. Und sogar
ein guter Appgar Index ist kein optimistisches Zeichen bei diesen Kinder: Bei
solchen Patienten verschlechtert sich Allgemeinzustand oft sehr schnell bis das
„Syndrom des plötzlichen Todes“, wofür in der Literatur ganz unterschiedliche
Ursachen gefunden sind.
Bei einem zentralen Facialisschädigungstyp entwickelt sich normalerweise auch
eine homolaterale Hemiparese, was ein Minderwertigungszeichen der kontralateralen
Hirnhälfte.
Über die Schädigung des 8. Nervs bei den Neugeborenen gibt es in der Literatur
überhaupt keine Berichte, wie auch keine Ursachenanalyse einer Schwerhörigkeit.
Die angeborenen Hörstörungen und die toxischsten Antibiotikawirkungen lassen keine
Zweifel. Aber dazwischen gibt es zweifellos eine Neugeborenengruppe, bei der die
Schwerhörigkeit durch eine natale Pathologie des vertebrobasilaren Kreislaufes,
von dem das innere Ohr ernährt wird, bedingt ist. Es ist sehr schwierig, eine
Hörschädigungsursache bei den Kindern zu bewerten, und nur bei den älteren Kindern
ist es möglich, ein Audiogramm zu machen und die Schädigung zu lokalisieren. Detaillierter
kommen wir zu dieser Frage im Kapitel von den späteren Komplikationen einer perinatalen
neurologischen Pathologie.
Die kaudale Nervengruppe wird bei den Neugeborenen häufiger als andere Strukturen
geschädigt, weil bei der Geburt nicht nur Halswirbelsäule und Rückenmark sondern
auch der untere Hirnstammteil belastet werden. Die bulbäre Schädigung ist sowohl
bei den Erwachsenen als auch Kindern ein sehr gefährliches Syndrom, und droht
mit unvorhersehbaren Komplikationen. I.J.Goichmann machte in unserer Klinik eine
spezielle Untersuchung und entdeckte dieses Syndrom bei 15-20%(!) aller Neugeborenen.
Der größte Teil davon verbessert sich allmählich, aber dieser Regressionstyp bestätigt
die Vermutung des ischemischen Charakters dieser Pathologie. Trotzdem ist das
eine Gruppe des großen Risikos vom Atemstillstand.
Die bulbären Zeichen sind in der klassischen Neurologie sehr bekannt, aber in
den Büchern von der Neonatologie und Kinderheilkunde gibt es keine Berichte davon.
Diese Neugeborenen verschlucken sich, Milch fließt in die Nase, das Kind weint
nicht nur sehr ruhig sondern auch näselnd. Wegen der Schwäche des M. orbikularis
oris und der Zunge kann das Kind die Brust nicht nehmen und hat keine Kräfte zu
saugen. Manchmal bemerkt ein Arzt dieses Syndrom nur nach dem Einschließen einer
festen Nahrung in die Kinderernährung, das Kind kann nicht essen und verschluckt.
Diese Kinder sollen dringend in eine spezialisierte neurologische Station für
Neugeborenen hospitalisiert.
Die Hirnnervenuntersuchung bei den Neugeborenen ist also ausführbar, gibt eine
große Informationsmenge, lässt die große Risikogruppe entdecken und die Entwicklung
schwerer vitaler Komplikationen verhüten.
Eine Sensibilitätsuntersuchung ist bei den Neugeborenen praktisch unmöglich, aber
die Untersuchung von motorischen Funktionen ist unbedingt. Über „die Hemmung der
Motorischen Entwicklung“ bei den Neugeborenen zu sprechen, ist unzulässig: Der
Neurologe soll aufklären, ob es eine Extremitätenparese gibt, wie sie ist ( zentral
oder peripher), und auf diesem Basis die Schädigungslokalisation vermuten. Die
Versuche, sich auf die Unmöglichkeit einer Bewertung von den Neugeborenenparesen
zu berufen, fordern sogar keine Kommentaren: Eine schlaffe Parese kann sogar ein
Nicht-Neurologe finden. Und man soll nicht nur spastische Paresen erkennen schon
in den ersten Lebensstunden.
Weil unser Buch nicht nur für die vorbereiteten Neurologen sondern auch für Kinderärzte
ist, möchten wir ein paar neurologischen Hauptthesen erinnern. Sie sind den Neurologen
sehr bekannt, aber andere Fachärzte vergießen sie wahrscheinlich.
Die motorischen Störungen entstehen nach einer Schädigung des motorischen Weges,
der aus den zwei Neuronen besteht. Das erste Neuron, das im Bereich des motorischen
Rindezentrums (Gyrus präzentralis), geht die Capsula interna, Pons und Medulla
oblongata (gibt dabei seine Fasern den Hirnnervenkernen) durch, an
der Grenze zwischen der Medulla oblongata und dem Rückenmark auf die andere Seite
über und steigt als Bestandteil des Seitenstranges bis distalen Abteilungen des
Rückenmarks ab. Unterwegs gehen segmentäre Fasern von der Pyramidenbahn weg und
enden sich an den Vorderhornzellen des Rückenmarks. Es ist wichtig zu verstehen,
eine Schädigung des zentralen motorischen Neurons in seinem beliebigen Abschnitt
(und hauptsächlich im Rückenmark) bringt zu einer sofortigen Entwicklung einer
zentralen Parese oder einer Paralyse mit allen typischen Zeichen: erhöhter Muskeltonus
in dieser Extremität, erhöhte muskeleigene Reflexe, Entstehung von pathologischen
Reflexen beim Fehlen einer Muskelatrophie. Berücksichtigend dies ist es verständlich,
daß die spastische Parese von Armen und Beinen kann sich nach der Schädigung des
Gehirns und des Rückenmarks entwickeln, und soll man ein paar Kleinigkeiten kennen,
die das differenzieren lassen. Diese Differenzierung ist ganz wichtig, davon hängt
die Zweckmäßigkeit der Therapie ab. Wir sahen sehr viele Kinder mit einer Diagnose
„zerebrale Kinderlähmung“, die nur auf Grund einer gefundenen spastischen Hemi-
oder Tetraparese, dabei waren die Psyche und die Hirnnerven des Kindes ganz normal,
gab es „Cervicalsymptomenkomplexe“ und die röntgenologische Zeichen einer traumatischen
Halswirbelsäuledislokation! Der grobe Fehler der Niveaubestimmung nahm bei diesen
Patienten eine Chance auf die effektive Therapie.
Das zweite motorische Neuron ist peripher. Eine Schädigung in seinem beliebigen
Abschnitt gibt eine periphere (schlaffe) Parese oder Paralyse von Extremitäten,
für die eine Muskelhypotonie, Hyporeflexie, eine folgende Atrophie und eine Störung
der Muskelerregbarkeit typisch sind. Bei einer Schädigung der Vorderhornzellen
im Rückenmark werden charakteristische Veränderungen in der EMG gefunden. Deswegen
ist eine elektromyographiesche Untersuchung bei diesen Kindern unerlässlich.
Die Zellen des zweiten Neurons liegen in den Vorderhornen des Rückenmarks, ihre
Fasern verlassen ihn in der Zusammensetzung der Vorderwurzel und nehmen in der
Plexenbildung teil, wovon einzelne periphere Nerven ausgehen. Der Neurologe, nachdem
er die Zeichen einer peripheren Parese fand, soll ganz deutlich differenzieren,
was für ein teil des peripheren Neurons geschädigt ist: Vorderhorn, Wurzel, Plexus,
Nerv, oder es liegt eine polyneurale Schädigung. Von der Wurzel begonnen begleiten
sensorische Fasern die motorischen bis zur Peripherie, und deswegen ist eine Plexusschädigung
mit einer schlaffen Paralyse einer Extremität und ohne Sensibilitätstörungen unmöglich.
Wir besprachen dieses Thema ausführlich im vorigen Kapitel.
Bei einer Schädigung des Hirns entwickelt sich entweder eine Hemi- oder eine Tetraparese
meistens mit einer Beteiligung des 7. und des 12. Nerven (vom zentralem Typ) und
nicht selten mit psychischen Störungen. Es gibt zusätzliche neurologische Symptome,
die helfen ein Schädigungsniveau im Hirn von einem anderen noch präziser zu unterscheiden.
Bei einer Rückenmarkschädigung variieren die motorischen Störungen in der Abhängigkeit
vom Schädigungsniveau. Wenn diese Schädigung höher der Halsanschwellung (C1-C4)
liegt, entwickelt sich eine spastische Hemi- oder Tetraparese bei der Erhaltung
von psychischen Funktionen und der Hirn-Schädelinnervation. Bei einer Schädigung
auf dem Niveau der Halsanschwellung entwickelt sich eine schlaffe Monoparese,
und bei einer Ausbreitung des Prozesses auf die Seitenbahn entsteht eine schlaffe
Armparese mit einer spastischen Beinparese. Bei einer Pathologie des Brustrückenmark
gibt es keine Armparese und in Beinen wird eine spastische Mono- oder Paraparese.
Und bei einer Pathologie der unteren Rückenmarkabschnitten auf dem Niveau der
Lenderanschwellung sind untere Mono- oder Paraparese typisch. Diagnostische Fehler
bei den kleinen Patienten mit einer spinalen Pathologie sind besonders häufig:
Beispiele dazu sind die o.g. Fälle einer „Plexitisdiagnostik“, die eigentlich
eine Vorderhornpathologie war. Bei den schlaffen Beinparesen sind die Fehler noch
größer: „Injektionsneuritiden“ statt einer ischemischer Schädigung des Lendenrückenmarkes.
Wir sollen uns nochmals entschuldigen für diese rein schematische Darstellung
von den motorischen Störungsvarianten bei solchen unseren Lesern, die vollkommen
eine topische Diagnostik beherrschen. Es ist unmöglich, ein einziges anatomisches
Kapitel mit einer Erklärung aller Kleinigkeiten zu schreiben, und die Basiskenntnisse
der topischer Diagnostik einem Neonatologen nicht zu geben, bedeutet, ihn zu einem
Unverständnis von den neurologischen Hauptthesen zu beurteilen.
Wir hoffen, sogar diese schematischen Kenntnisse reichen, um zu verstehen, daß
die Vorstellungen von der zerebralen Kinderlähmung komisch sind, wenn man alle
Paresen (sowohl schlaffe als auch spastische ) irgendeiner Lokalisation in irgendeiner
Begleitung ohne Abhängigkeit von der Anwesenheit oder beim Fehlen einer Schädel-Hirnsymptomatik
und psychischen Störungen eine zerebrale Kinderlähmung nennt. Das ist sehr bequem
für einen Arzt aber reicht dem Patient nicht, weil es eine verspätete Therapie
bedeutet.
Natürlich ist es viel schwieriger, eine Extremitätenparese bei einem kleinen
als bei einem älteren Kind zu suchen. Bei den letzten ist die Hauptmethode dabei:
Der Patient muss dem Untersucher entgegenwirken, an einen Neugeborenen mit einer
solchen Bitte zu wenden , ist unmöglich. Man soll die indirekte Methode benutzen.
Erstens ist es sehr wichtig, aufmerksam das Volumen der automatischen Extremitätenbewegungen
zu beobachten. Wir sagten schon in dem vorigen Kapitel, man soll bei der Bewertung
des zweiten Armes (oder Beines) mit dem offenkundig gesundem zu eilen: Die Parese
kann beidseitig sein aber von einer Seite betont. Ein der indirekten Paresenzeichen
kann die Lagerung der Extremität sein. So liegt der Arm bei einer schlaffen Parese
schlaff neben dem Körper, die Hand ist normalerweise gestreckt, der Unterarm ist
leicht proniert. Bei der oberen distalen schlaffen Paraparese ist eine s.g. „Seehundpfötchenhaltung“
(die beide Hände hängen schlaff) sehr typisch. Bei einer spastischen Armparese
fallen geballte Fäuste und flexierte Arme. Diese Veränderungen sind so häufig,
daß in der pädiätrischen Literatur ungewöhnliche Ausdrücke entstehen, daß es für
alle Neugeborenen im Norm „eine physiologische Muskelhypertonie der Neugeborenen“
typisch ist. Unsere Erfahrung einer neurologischen Untersuchung mehrerer Tausende
Neugeborenen lässt uns behaupten, für einen gesunden Neugeborenen ist nicht ein
erhöhter sonder ein normaler Muskeltonus charakteristisch. Eine sogar geringe
Muskeltonuserhöhung spricht über eine Spastik, also über einer pyramidalen Parese.
Die große Frequenz von den Fällen der Tonuserhöhung bei den Neugeborenen bedeutet
nicht, daß es normal und physiologisch ist (wie die graue Papille kein Norm ist,
obwohl sie sehr häufig gefunden wird). So kammen wir zu der zweiten indirekten
Paresensuchungsmethode: Zustand des Muskeltonus. Das ist, kann man sagen, die
wichtigste Methode. Eine Muskelhypotonie weist auf eine mögliche schlaffe Parese
auf, eine Hypertonie spricht für eine spastische. In den Armen findet man bei
den schlaffen Paresen eine Ellenbogen-, in den Beinen eine Kniehyperextension.
Mit den Beinen eines solchen Kindes kann man ohne Schwierigkeiten bis zu Gesicht
erreichen. Bei den Spastikbesitzer fällt eine „Schwerbeweglichkeit“ auf. Noch
ein Zeichen der schlaffen Parese ist „die Froschlagerung“: Die Beine sind zu Seiten
abgefallen. Bei der einseitigen Parese fällt nur ein Bein ab. Bei den distalen
schlaffen Paresen kann man mit dem Fußrücken das Unterbein berühren.
Sehr wichtig ist es,
wenn das Kind beim Vertikalstellen mit dem Bodenstutz sich auf die Zehen stellt.
Dabei kreuzt das Kind seine Beine durch. Dieses Symptom wird so häufig gefunden,
daß sogar erfahrene Ärzte es für eine Normvariante zählen. Aber die Aufklärung
ist ganz klar: Je stärker das Zehenstand ist, desto ausgeprägter ist die Spastik.
Dieses Symptom kann sehr lang erhalten, und bei den groben Paralysen bleibt für
immer. Das ist unglaublich, aber wir hörten mehrmals, wie einige Neurologiedozenten
sagten, daß dieses Phänomen eine Folge von Achilsehneverkürzung ist. und die grobe
Arztfehler leben sehr lang. Dieses Symptom gibt es bei den Frühgeborenen sehr
oft, und das ist sehr logisch, weil die Frühgeborenen häufiger die spastischen
Beinparesen haben.
Die o.g. Symptome reichen normalerweise, um eine Parese an den ersten Lebenstagen
zu erkennen. Dazu gehören noch zwei Symptome. Ein von ihnen ist das Symptom des
fallenden Kopfes. Bei einigen Neugeborenen fällt es auf, daß der Kopf, bei dem
Versuch das Kind mit dem geraden Körper zu halten, ungewöhnlich hinfällt. Selbstverständlich
kann kein Neugeborene sein Kopf richtig halten, aber bei den gesunden Neugeborenen
fällt der Kopf so unlebendig nicht hin. Wir versuchten, dieses Symptom zu verstehen,
und sahen eine klare Ähnlichkeit mit Patienten nach einer Zeckenenzephalitis:
Ihr Kopf fällt einfach auf die Brust hin, und der Patient selbst muss seinen
Kopf mit den Händen unter dem Kien unterstützen. Das wird zweifellos durch eine
Ausbreitung der Entzündung auf die Vorderhorne des oberen Halsrückenmarks erklärt,
und es geht um eine Nackenhalsmuskulaturparese und im Fall der Neugeborenen um
die Ausbreitung der Ischemie auf die oberen Rückenmarkvorderhorne. Das ist also
das Zeichen eines groben Cervikaltraumas.
Es gibt noch ein von niemandem beschriebenes Symptom: 10-15% aller Neugeborenen
können auf dem Rücken in einer ungewöhnlichen Position liegen, das Kopf wird dabei
zur Seite gedreht manchmal fast bis 90°. Jedes ältere gesunde Kind kann
sein Kopf in eine solche Position ohne eine große Mühe aber aktiv bringen und
bleiben so sehr kurz liegen. Die betroffenen Neugeborenen können in dieser Position
sehr lang liegen, dabei wird das Symptom bei einigen Kinder minimal ausgeprägt
bei anderen sehr grob und vereinigt mit anderen neurologischen Zeichen eines cervikalen
Geburtstraumas. Wir verstehen dieses Symptom wie eine Erscheinung der Lockerung
der Halswirbelsäulegelenke als die Folge eines Traumas, Halswirbelsäuleinstabilität,
deren röntgenologische Nachweise wir im höheren Alter fanden.
Kinder mit einer Brustwirbelsäulepathologie haben noch ein Nachweiszeichen wie
eine lokale eckige Kyphose. Auf ihrem Niveau gibt es ohne Zweifel eine Pathologie,
obwohl sie röntgenologisch nicht bestimmt wird. Und dieses Symptom soll unbedingt
vor einer Diagnosenstellung berücksichtigt werden.
Es gibt noch eine Symptomengruppe, die sehr nützlich bei einer Bewertung der Beine
und der Glutealregion des Neugeborenen ist. Wir sagten schon, daß das paretisches
Bein manchmal so stark entfallen kann, und es sogar großen Skeptikern klar ist,
das ist eine schlaffe Parese. Aber die Interpretation ist unterschiedlich. Das
scheint unglaublich, aber sogar in den zentralen Kliniken wird diese Parese als
eine „Injektionsneuritis“ des N. ischiadicus bewertet. Die Logik ist einfach:
das Kind konnte eine i. m. Injektion bekommen, und dabei konnte man N. ischiadicus
treffen. Das klingt phantastisch (obwohl dieser gröbste Fehler mit einer Frequenz
1:100000 passiert), trotzdem untersuchten wir eine große Gruppe solcher Neugeborenen
und folgten ihre Entwicklung weiter. Die gefundene neurologische Symptome ließen
keine Zweifel in der Entstehung der Beinparesen. Bei einer Ischiadicusneuritis
dehnt die Parese nur auf hintere Muskeln aus, die vordere Gruppe bleibt intakt,
weil sie vom N. femoralis inerviert wird. Alle Untersuchten hatten, wie wir erwarteten,
eine diffuse Beinparese ohne einer Betonung im Innervationsbereich des N. ischiadikus.
Keiner von ihnen hatte (auch später) Sensibilitätsstörungen im Bereich des N.
ischiadicus. Bei allen Patienten wurde nach einer sorgfältigen Untersuchung eine
Parese im zweiten Bein gefunden (sie war aber viel weniger ausgeprägt). Dieser
Befund entzieht der „Injektionsneuritistheorie“ irgendeinen Sinn. Und schließlich
wurde bei den kleinen Patienten eine EMG-Untersuchung gemacht, die die segmentäre
spinale Pathologielokalisation bestätigte. Wenn also die Injektionsneuritiden
bei den Neugeborenen existieren, sind sie eine kasuistische Seltsamkeit. In der
absoluter Mehrheit der Fällen sind die Beiparese spinal und die Folge eines Traumas
im Bereich der Lendenanschwellung (Bereich der Adamkewitsch-Arterie).
Nicht selten bleiben sogar solche klaren Paresen in der Neugeborenenzeit unbemerkt
(weil eine neurologische Routinuntersuchung von Neugeborenen nicht gemacht wird,
und die Kinderärzte nicht genügende neurologische Kenntnisse haben), und die erste
Vermutungen kommen zuspät, wenn das Kind nicht rechtzeitig zu laufen beginnt oder
beim Gehen hinkt. In unserer Klinik lagen 20 solchen Patienten vom Vorschul- und
Schulalter, die von ihren ungewöhnlichen Überweisungsdiagnosen vereinigt waren:
Eine klare Beinparese von einer Seite mit einer Muskelatrophie und -hypotonie
und kennzeichenden EMG-Veränderungen wurde nicht erkannt, und die Beinasymmetrie
wurde von ... nicht existierten Veränderungen im anderen (gesunden) Bein erklärt.
In einigen Fällen wurde eine Diagnose-- Elefantismus dieses Beines gestellt, in
anderen erfand ein ziemlich erfahrener Arzt eine besondere „hypertrophische“ Form
der zerebralen Kinderlähmung (bei der Littel-Krankheit kann alles Mögliches sein)
usw., dabei gab es eine schlaffe Beinparese ohne Zweifel.
In der Kinderorthopädie gilt eine Schenkelfaltenasymmetrie als ein der früheren
Zeichen der Dysplasia coxae cogenita. Wir zweifelten daran und prüften diese absolute
Wahrheit. Es stellte sich heraus, daß es dieses Zusammenfallen eigentlich manchmal
gibt, aber die Ärzte bemerkten nicht , daß diese Asymmetrie eine Folge der Muskeltrophikveränderungen
ist, und das ein neurologisches Symptom ist. Es ist normalerweise ein der Zeichen
der schlafen Parese. das steht auf einem anderen Blatt, daß als Folge eine Verlockerung
im Hüftgelenk entsteht (wie das Knacksymptom bei einer Armparalyse nach einem
Geburtstrauma). Etwas später sprechen wir ausführlicher über das wichtige Problem
der neurogenen Hüftlyxationen bei den Neugeborenen, wonach wir viele Studien in
unserer Klinik machten. Jetzt wollen wir nur betonen, daß ein Arzt bei der Schenkelfaltenassymetrie
eine schlaffe Parese suchen soll, und bei diesen Kindern sekundäre Veränderungen
im Hüftgelenk entstehen können.
Ein gutes Symptom für die Bewertung der schlaffen Beinparesen ist folgendes: Die
Fußsohlen werden leicht mit einander zusammenlegen. Oft liegt das Kind selbst
in dieser Position, und es bleibt für den Arzt, nur das zu bemerken und eine volle
neurologische Untersuchung zu führen. Es gibt noch eine Variante: mit der Ferse
vom Neugeborenen seine Analregion zu berühren. Eigentlich gelingt es bei allen
Neugeborenen, aber dabei muss man eine leichte Kraft benutzen, und bei den Betroffenen
wird es wegen der Muskelhypothonie gar ohne Gewalt gemacht. Diagnostisch ist dieses
Symptom sehr nützlich.
Die Liste der unbekannten oder wenig bekannten Symptomen der Neugeborenenneurologie
ist noch nicht zu Ende. So beobachteten wir bei den Patienten mit einem schlaffen
Beinparesen eine tiefe Falte zwischen der Geseßbacke und der Schenkel. Dieses
Symptom nannten wir „Puppenbein“ analogisch dem „Puppenarm“ bei einer geburtstraumabedingten
Armparese.
Es gibt noch eine Besonderheit bei den neugeborenen Patienten, die nicht so oft
getroffen wird, aber jeder Neonatologe sieht sie mindestens einmal. Es handelt
um einen schnell entstehenden Fleck, der sich innerhalb einiger folgenden Tage
in ein Geschwür entwickelt, das sehr langsam und schwierig mit dem Keloid vernarbt.
Es scheint dem Patient nicht weh zu tun, weil das Kind nicht mehr als übrig weint
und auf die Injektionen in der Nähe vom Ulcus. Das bedeutet, daß das Geschwür
im Hypostesie- oder sogar Anestäsiebereich liegt. Bei einer sorgfältigeren Untersuchung
wurde eine Beinparese auf dieser Seite, die häufig nicht bemerkt wird. Wir sahen
in keiner Publikation sogar eine Erwähnung dieses Symptoms, deswegen können wir
die Meinung unserer Kollegen davon nicht wissen. Wir denken, einzelne Erklärung
dieser Symptomkomplexe ist eine Hinterhornpathologie (im Bereich der Lendenanschwellung)
mit einer Entwicklung des angiologischen Syringomyeliesydroms wieder analogisch
ähnlichen Veränderungen im Arm. Die Beinparese bei den Neugeborenen wird natürlich
nicht durch „das Drucken der Narbe auf N. ischiadicus“ (wie das einige Ärzte zu
erklären versuchen), sondern durch eine Ischemieverbreitung sowohl auf die Hinter-
als auch Vorderhorne des Rückenmarks. Davon kommt die Kombination einer schlaffen
Parese mit den hinterhornigen trophischen Störungen.
Bei einer schweren Pathologie in distalen Bereichen des Rückenmarks auf dem Niveau
des Konuses (normalerweise als Folge einer Ischemie im Bereich der Deprog-Gotteron-Arterie)
können Incontinentia urinae und alve vera gefunden werden. Bei den Knaben wird
es leichter bemerkt: An der Penisspitze sieht man ständig Harntropfen. In den
schweren Fällen wird auch der Kot ausgeschieden, und beim Drucken auf den Bauch
ist die Ausscheidung von Harn und Kot stärker. Die Beckenorganenfunktionsstörungen
können nicht nur bei den Geburtstraumen sondern auch bei der kongenitalen Myelodysplasie
sein. Die Myelodysplasien werden nach unseren Beobachtungen viel seltener getroffen,
als es früher galt, aber man muss diese Krankheit immer im Kopf halten. Die Beckenorganenstörungen
sind ein sehr schwieriges Syndrom und braucht eine intensive gezielte Therapie.
Sie ist effektiver bei den vaskularen Störungen und viel weniger effektiv
bei einer Zellenminderwertigkeit in den Sakralsegmenten des Rückenmarks.
Was wir noch absprechen sollen, ist das Syndrom der diffuser Muskelhypotonie,
das bei den Neugeborenen besonders häufig gefunden wird. Dieses Syndrom hat sehr
unterschiedliche Ursprünge, aber der größte Teil von Autoren versuchen sogar nicht
, das zu analysieren und zu differenzieren. Nur L.O.Badalan versuchte, die Muskelhypothonie
bei den Kindern zu klassifizieren. Am häufigsten ziehen Kinderärzte und
Neonatologe (auch Neurologe, leider) die Diagnosen „Syndrom des schlaffen Kindes“
bei den Neugeborenen und „atonische Form der zerebralen Kinderlähmung“ bei den
älteren Kindern vor, obwohl beide Diagnosen nichts fürs Verständnis von Ursachen
der entwickelten Muskelhypotonie bei den Kindern geben.
Eine der Ursachen der diffusen Muskelhypotonie gilt die kongenitale Oppenheim-Myotonie.
Bei der Geburt haben die Kinder eine sehr grobe Muskelhypotonie, die allmälig
abnimmt aber nie ganz verschwindet. Noch 1900 beschrieb Oppenheim einige solche
Fälle aber konnte die Ursachen der gefundenen Veränderungen nicht erklären, und
das Wort „kongenitale“ sollte alle Unklarheiten bedecken. Viele Forscher versuchten,
die Ursachen dieses Syndroms zu finden, aber es gelang niemandem.
Man muss sich an die neurologische Anatomie erinnern, um die Lokalisationsmöglichkeiten
zu bewerten: a) Cortex; b) Stammganglien; c) Cerebellum; d) Formatio reticulare;
e) das periphere Neuron; f) die Muskel selbst. Ob es sich um einen Erwachsenen
oder einen Neugeborenen handelt, soll das Syndrom abgeklärt werden. Der Diagnosebasis
ist schon bei der ersten Untersuchung möglich. So z.B. kann eine Cortexursache
bei der diffusen Muskelhypotonie nur im Fall einer schweren Hirnschädigung bis
das cerebralen Koma mit den folgenden Psychestörungen vermutet, und fordert weitere
Nachweise.
Eine Stammganglienschädigungslokalisation wird bei der nachgewiesenen Neostriatumpathologie
vermutet, dabei soll die Muskelhypotonie sich mit den charackteristischen Hyperkinesen
vereinigen. Die Neugeborenen können eine Cerebellumpathologie (sowohl eine kongenitale
als auch eine traumatische) haben, aber die Muskelhypotonie ist bei ihnen normalerweise
einseitig betont und vereinigt sich mit einer cerebellaren Dyskoordination. Eine
Schädigung vom peripheren Neuron wird von einer Muskelhypotonie in den einzelnen
Extremitäten begleitet, die aber nie diffus ist und sich entweder in den Armen
oder in den Beinen entwickelt, und das passiert am häufigsten bei einer Vorderhornschädigung.
Nur bei den progressierenden Vorderhornerkrankungen (spinale Muskelatrophie von
Werding-Hoffmann) gibt es eine grobe diffuse Muskelhypotonie mit typischen EMG-Veränderungen,
die man mit den anderen Varianten nicht verwechselt sind. Eine Muskelhypotonie
bei den Erkrankungen der Muskeln selbst hat ein ganz anderes klinisches Bild.
Sie wird bei den progressierenden Muskeldystrophien, einigen Stoffwechselerkrankungen
genetischen Defekten usw. beobachtet. Eine Pathologie der Formatio reticularis
ist nach unserer Meinung eine der häufigsten Ursachen von der diffusen Muskelhypotonie
bei den Neugeborenen und den älteren Kindern, und wir kommen dazu später.
Wir interessieren uns also für die kongenitale Oppenheim-Myatonie, weil weder
sensationelle Forschungen noch mikroskopische oder genetische Befunde diese Krankheit
abklären konnten. Es ist wichtig, daß die Hypotoniezeichen sofort nach der Geburt
sind und dann allmälig abnehmen ähnlich den perinatalen Erkrankungen. Wir bekamen
plötzlich eine Vermutung, daß das grobe Myatonische Syndrom eine Folge einer natalen
Pathologie der Hirnzentren ist, die den Muskeltonus kontrollieren. Dieses Zentrum
ist in erster Linie Formatio reticularis, die von den Aa. vertebralis versorgt
ist, die sehr häufig bei der Geburt traumatisiert werden. Diese Vermutung wurde
mehrmals durch klinischen Beobachtunge röntgenologischen und elektrophysiologischen
Untersuchungen geprüft und autoptisch nachgewiesen. So beschrieben wir als die
erste 1974 ein Myatoniesyndrom, das der Folge eines Geburtstrauma des Halswirbelsäule
und der Aa. vertebralis war. Häute können wir bestätigen, daß dieses Syndrom ein
der häufigsten neurologischen Syndromen bei den Neugeborenenist,und bei diesen
Kindern entwickeln sich später unterschiedliche Komplikationen.
Das Hauptsymptom der Krankheit ist die grobe Hypotonie, die auf die Arm- und Beinmuskeln
gleichmäßig ausbreitet. Diese Kinder sind psychisch ganz normal, haben weder Hyperkinesien
noch Koordinationsstörungen. Zuerst vermutet man eine schlaffe Tetraparese, aber
diese Patienten haben keine Parese, das ist eine sehr ausgeprägte Hypotonie. Eine
kleinere Ausprägung der Schädigungen bringt uns nicht zu einer anderen Diagnose
sondern spricht nur über einen leichteren Schweregrad der Krankheit.
Das Ergebnis dieser ausgeprägten Hypotonie ist eine übermäßige Beweglichkeit aller
Gelenke bis das hörbare Knacken bei den Gelenkbewegungen und die Rekurvation der
Ellenbogen- und Kniegelenken. Für diesen Patienten ist ein s.g. Daumensymptom
typisch (sie können mit dem Daumen ihr Unterarm ohne Mühe berühren) und ein schon
o.g. Fersensohle-Symptom. Und hauptsächlich haben keine anderen Patienten
eine solche Fähigkeit, sich so leicht „doppelt zusammenzufalten“, wie sie: Sie
können mit ihren Zehen den eigenen Stirn reichen. Sie können das auch umgekehrt
machen: Das Kind faltet sich so zusammen, daß sein Kopf ganz locker zwischen den
Füßen liegt. Dieser Symptomokomplex bleibt mit dem Alter erhalten, und die Kinder
werden von den Gymnastiktrainer gesucht (wegen ihrer „angeborener Flexibilität“)
und sind nach derselben Ursache die „beste“ Bewerber in den Baletschulen.
Die Geburtsanamnese ist bei diesen Kinder ziemlich typisch: Bei den größten Teil
von ihnen war die Geburt erschwert, und wurden Geburtshilfemaßnahmen benutzt.
Ihre körperliche Entwicklung ist verzögert: Sie halten den Kopf, sitzen und laufen
etw. später. Wenn sie zu laufen anfangen, dann fallen sie viel häufiger als normale
Kinder hin, ziehen vor zu sitze, werden viel schneller müde. In der ersten Lebensperiode
haben die Kinder nicht selten vorübergehende Stammhirnschädigungen, den Komplex
von den o.g. cervicalen Symptomen und andere Symptome, die typisch für die perinatale
vertebrobasilare vaskuläre Pathologie sind. Ein der Muskelhypotoniezeichen ist
der schlaffe abgeplattete Bauch und der typische für die „Cervicalpatienten“ Brustkorb.
Wir machten (zusammen mit M.K.Michailov) röntgenologische Untersuchungen der Halswirbelsäule
bei den Patienten mit einer diffusen Muskelhypotonie und bestätigten die Vermutung
von einem perinatalen Trauma der Halswirbelsäule.
Eine große Rolle spielt bei der Diagnostik der perinataltraumabedingten Muskelhypotonie
die Reflexenuntersuchung. Für die Kinder mit den Vorderhornveränderungen ist eine
Verminderung der proprioceptiven Reflexen typisch. Bei den Muskelerkrankungen,
der spinalen Muskelatrophie von Werdeing-Hoffmann verschwinden die Reflexe auch
sehr früh, was ein wichtiges diferenzialdiagnostisches Zeichen ist. Bei der von
uns beschriebenen Pathologie gibt es eine interessante Kombination von der gröbsten
Muskelhypotonie und einer ausgeprägten Reflexensteigerung, was durch die Teilnahme
der Pyramidenbahnen auch auf dem Niveau des Stammhirn sich entstehen kann. Nur
bei dem perinatalen myathonischen Syndrom ist eine Vereinigung von der Muskelhypotonie
nicht nur mit einer Hyperreflexie sondern sogar mit dem Fußspitzenphenomen (die
Ursache ist dieselbe). Dafür gibt es in der Neurologie des Neugeborenen keinen
Beispiel mehr.
In einem der folgenden Kapiteln sprechen wir ausführlich über ein wichtiges Problem:
perinatale Neuroortopädie. Es wird sich um die neurogenen Hüftlyxationen, neurogenen
Skoliosen, neurogenen Klumpfüßen handeln. Dieses Problem ist ganz neu und wird
am ersten Mal in unserer Klinik erforscht, obwohl in der Literatur ( sehr alter)
wir nur indirekte Bestätigungen unserer Schlüßfolgerungen fanden. Jetzt sprechen
wir nur über den Teil, der in einer Verbindung mit dem Verständnis der Bewegungsstörungen
in der Neugeborenenzeit steht.
Im Kapitel über die durch eine Geburtstrauma bedingten Armparesen betonten wir,
daß bei den Neugeborenen mit den ausgeprägten besonders proximalen Armparesen
häufig s.g. Fink’s Knack-Symptom gefunden wird, und später man auch röntgenologisch
eine sekundäre neurogene Sublyxation oder Lyxation des Oberarmes. Natürlich entsteht
eine Vermutung, ob ein solches Bild bei einer Pathologie der unteren Extremität
entwickeln kann. Anderseits bemerkten wir, daß bei vielen Kindern, die von einem
Orthopäden wegen einer Hüftlyxation beobachtet werden, eine schlaffe Beinparese
auf dieselben Seite haben. Was ist primär? Selbstverständlich können die Veränderungen
in dem Hüftgelenk nie zu einer Extremitätenparese bringen, aber eine ausgeprägte
Beinmuskelhypotonie begünstigt die Verlockerung in dem Hüftgelenk. Die Versuche,
eine Antwort auf diese Frage zu finden, waren mißlungen: Niemand berichtet davon.
Einige Jahre später wurde das allerseits von G.P.Larina (1980) geprüft, und unsere
Vermutungen wurden bestätigt: 1/3 aller kleinen Patienten, die eine orthopädische
Behandlung wegen der kongenitalen Hüftgelenkpathologie bekamen, hatten ausgeprägte
neurologische Störungen von den 2 Typen: 1)eine untere schlaffe meistens einseitige
Parese, die von den EMG-Veränderungen bestätigt wurde; 2) perinatal bedingtes
myatonisches Syndrom als eine Folge der Ischemie von der Formacio reticularis
im Hirnstamm. Diese 2 Syndromen haben ein gemeinsames Zeichen -- eine ausgeprägte
Beinmuskelhypotonie. Und genau sie verantwortet für die Entwicklung der Hüftgelenklyxationen
und -sublyxationen, die dabei nicht angeboren sondern erworben sind. So wurde
die Frage nach einer Existenz von erworbenen neurogenen neben den kongenitalen
Hüftgelenkpathologien am ersten Mal gestellt. Man soll noch sagen, der Orthopäde,
der solchen Neugeborenen konsultiert, vermutet eine Hüftlyxation nach einem Knall
im Hüftgelenk bei den passiven Bewegungen des Beines, und man braucht noch ein
paar Monate für eine endgültige Pathologiebewertung. Unsere Forschungen zeigen,
daß genau bei diesen Kindern die paretische Gelenkverlockerungen gefunden werden,
und eine spätere Diagnosenstellung vermindert die Chancen der Verhütung einer
Lyxationsentwicklung und einer pathogenetischen Therapie. Unserer Meinung nach
ist eine weitere Zusammenarbeit und Forschungen mit den Orthopäden sehr wichtig,
weil es sich hier um eine Überprüfung von vielen Kanons der modernen Orthopäde
handelt.
Diese Zusammenarbeit von Kinderneurologen und -Orthopäden öffnet die größere Perspektiven.
Wir fanden, daß viele Kinder mit dem „ angeborenen Klumpfuß“ typische neurologische
Störungen in den unteren Extremitäten haben. Dieses Thema wurde von O.V.Nikogosova
entwickelt. Es wurde festgestellt, daß diese Veränderungen auch von 2 Typen sind:
1) eine nicht grobe untere schlaffe Paraparese, gröber auf der Klumpfußseite,
2) das Myatonische Syndrom als Folge einer Ischemie der Formatio reticularis im
Hirnstamm. Das Gemeinsame bei diesen 2 Gruppen waren nicht nur eine klare Ausprägung
der Beinmuskelhypotonie sondern hauptsächlich die Anwesenheit einer lokalen Muskelhypertonie
als Folge einer begleitenden Pyramidenbahnpathologie. Wir sagten schon, bei einer
Rückenmarkischemie ausbreitet der Prozeß nicht nur auf die Rückenmarkanschwellung
(Hals- oder in diesem Fall Lendenanschwellung) sondern auch auf die suprasegmentalen
Strukturen, und für diesen Patienten ist die Vereinigung einer schlaffen Parese
mit der pyramidalen Symptomatologie sehr typisch. Die Patienten mit dem myatonischen
Syndrom haben dieselbe Kombination: eine diffuse Muskelhypotonie wegen der Pathologie
von der Formatio reticularis des Hirnstamms und eine pyramidale Symptomatik in
den Beinen (bis den Spitzfüßen) wegen der Teilnahme der Pyramidenbahnen auf demselben
Niveau. Im Endergebnis wirkt dieser lokalen Hypertonie keine hypotonische Antagoniste,
und es entwickelt sich ein sekundärer neurogener Klumpfuß.
Im Gegensatz zu der secundären neurogenen Hüftlyxation, die mit der Zeit sich
herausbildet, entwickelt sich der sekundäre Klumpfuß sofort nach der Geburt, aber
das gibt keine Möglichkeit, ihn „angeboren“ zu nennen. Man kann die Diagnose kongenitaler
Klumpfuß nur dann stellen, wenn ein kinderneurologisch erfahrener Neurologe die
o.g. Kombination einer Muskelhypotonieund der pyramiden Symptomatik klinisch und
elektrophysiologisch ganz ausschließt. Es gibt noch ein einfaches aber sehr demonstratives
Symptom, das eine Möglichkeit gibt, einen neurogenen Klumpfuß sofort zu vermuten:
Wenn das Kind in den ersten Tagen des Lebens untersucht wird, wenn noch keine
Sprunggelenkkontraktur sich entwickelt hatte, kann man ganz leicht dem Klumpfuß
eine normale Konfiguration geben. Bei einem angeborenen Klumpfuß ist die Fußdeformation
genauso auffällig vom ersten Lebenstag, es gelingen keine Versuche, den Fuß richtig
zu stellen. Die therapeutische Methoden bei den beiden Klumpfußformen unterscheiden
sich stark von einander. Wollen wir uns erinnern, daß bei der analogischen Handpathologie
(schlaffe oder präziser gemischte Parese) ein typisches Symptom die pronatorische
Volkmann-Kontraktur ist, also kann man sagen „die Klumphand“. Dann ist es unverständlich,
warum bei unseren Kollegen keine Frage entsteht, wenn eine „Klumphand“ bei den
Kinder mit den geburtstraumatisch bedingten Handparesen typisch ist, warum der
Klumpfuß immer angeboren ist? Unsere zahlreichen Beobachtungen der Patienten mit
dem Klumpfuß lassen uns sagen, daß der eigentliche kongenitale Klumpfuß selten
getroffen wird.
Die Bewegungsstörungen bei den Neugeborenen sind also ziemlich oft, und sie müssen
unbedingt abgeklärt werden. Die Vorstellungen von „einer Verzögerung der
motorischen Entwicklung“ oder „einer Verzögerung der psychischen Entwicklung“
hat nach unserer Überzeugung kein Recht zu existieren. Der größte Teil der motorischen
Störungen sind Extremitätenparese, und der Arzt soll bewerten, ob sie
schlaff oder spastisch sind, und wo die Schädigung sich lokalisiert. In anderen
Fällen sind die motorische Störungen bei den Neugeborenen durch eine diffuse Muskelhypotonie
bedingt, die von einer perinatalen Ischemie der Formatio reticularis aufgerufen
wird. Und man soll diese absolut unterschiedlichen Formen differenzieren. Die
beiden Varianten ( die Paresen und die Myotonien) können zu den secunderen Veränderungen
bringen: zu den secunderen Gelenkveränderungen, Klumpfußentwiklung und anderen,
die von uns noch besprochen werden. Nicht selten simulieren diese neurogenen motorischen
Störungen die Rachitis, weil wegen der groben Muskelhypotonie des Körper und den
Extremitäten Kinder einen großen schlaffen Bauch haben, aber das ist neurologisch
bedingt.
Es ist fast unmöglich, die cerebelleren Funktionen und die Koordinationsstörungen
bei den Neugeborenen zu bewerten, obwohl das Kleinhirn bei den Geburtstraumen
geschädigt werden kann. Es gibt auch angeborene Kleinhirnaplasien, aber in diesen
Fällen droht die verspätete Diagnostik dem Leben vom Kind nicht. Die existierende
Empfehlungen von Koordinationsuntersuchung bei den Kindern können nur vom 5.-6.
Lebensmonat durchgeführt werden, dann kann man einen Intentionstremor und die
Abwesenheit einer deutlichen Koordination beim Ziehen zu den Spielzeugen bemerken.
Unsere Klinik bietet einen leichten Test für die Bewertung der Kleinhirnstörungen
schon in der Neugeborenenperiode, aber er kann nur bei einer groben Pathologie
benutzt werden. Das Kind wird mit dem Gesicht nach unten und mit dem Bauch auf
die Hand vom Untersucher gelegen. Ein gesundes Kind kann so einige Minuten ganz
ruhig liegenbleiben, das Kind mit der Cerebellumpathologie beginnt sofort, zur
Pathologieseite zu neigen.
Zu den Besonderheiten der neurologischen Neugeborenenuntersuchung gehört die Bewertung
von den Hyperkinesien.Und hier gibt es auch sehr viele Meinungen, die nicht ganz
klar mit der klassischen Neurologie vereinigen. Es reicht zu sagen, daß alle Hyperkinesien
in der Neugeborenenneurologie ohne Ansicht auf ihre Arte werden das Syndrom der
Hypererregbarkeit genannt. Wir sind überzeugt, auch bei den Neugeborenensoll man
alle unwillkürlichen Bewegungen differenzieren, ob eine neurologische Pathologie
gibt, wo und welche. Eine Besonderheit ist z.B. die Tatsache, daß die Stammganglienhyperkinesien
(z.B. nach einer hämmolytischen Anämie des Neugeborenen) in den ersten Tagen und
Monaten sich überhaupt nicht entdecken. Sie werden nur zum 5.-6. Monat auffällig,
obwohl die Pathologie der entsprechenden Strukturen ab den ersten Tagen existiert.
Dieser „helle“ Zeitraum macht viele Schwierigkeiten bei der Differenzierung dieser
Hyperkinesie mit anderen postnatalentwickelnden Erkrankungen.
Oft kann man bei den Neugeborenen einen hochfrequenter Tremor des Unterkiefers
von einer kleinen Amplitude, manchmal in der Kombination mit einem solchen in
den Händen und Füßen. Normalerweise verstärkt sich der Tremor deutlich beim Weinen.
Die Analyse aller möglichen Hyperkinesievarianten lässt uns diese Varianten als
eine Äußerung des rubralen Tremors abschätzen, und nur so können wir uns ihn vorstellen.
Prognostisch ist er nicht so furchtbar aber weist auf eine perinatale Schädigung
von den Nuc. rubra und gehört zu der Hypererregbarkeit nicht.
Sogar die Krämpfe werden von einigen Autoren zu der Hypererregbarkeit zugeschrieben!
Die Vorstellungen von den Krämpfen in der Neugeborenenperiode sind sehr widersprüchlich.
Einige Autoren geben ihnen keine Bedeutung , andere rechnen sie als harmloses
Zeichen der Hypererregbarkeit, dritte empfehlen ohne irgendeine Motivation, Phenobarbital
kurz zu verschreiben. Es gibt eine ganze Reihe von Publikationen, wo die Krämpfe
„infantile Spasmen“ genannt werden, nur weil sie bei den Infanten sind. Und wie
muss man die Krämpfe bei im senilen Alter nach dieser Logik nennen? Wir sind absolut
überzeugt, alle Krämpfe sollen auf jedem Fall abgeklärt werden, und Alter- oder
andere Namen sind unerlaubt.
Ausführlicher sprechen wir über die Krämpfe und Epilepsien weiter in einem speziellen
Kapitel. Aber eine Reihe von prinzipiellen Fragen sollen schon jetzt ausbedingen.
Wenn ein Patient Krämpfe hat, soll man sofort bewerten, wie sie sind. In der überwiegenden
Mehrheit handelt es sich um die tonischen und klonischen Krämpfen. Nicht selten
sind sie entweder tonisch oder klonisch, aber die Vorstellung von ihren Charakter
verändert deswegen nicht. Von der Hippokrates-Zeit heißen die tonischen und klonischen
Anfälle epileptisch. Genauso lang ist es bekannt, die epileptischen Anfälle können
eine Äußerung einer akuten Hirnpathologie (eine Hämatom, Infektion usw.) sein,
und dann sagt man von dem epileptischen Syndrom bei dieser Erkrankung. Häufig
ist die Epilepsie eine eigene Erkrankung. Bei den Neugeborenen sind epileptische
Paroxysmen eine typische Äußerung eines Geburtstraumas, in den meisten Fällen
einer Hirnhämoragie.
Nicht selten in der Neugeborenenperiode gibt es auch Jeckson-Epilepsien, die die
Lokalisation der Schädigung präzisieren lässt: Das können Krämpfe nur in einem
Arm oder einem Bein, auch sowohl in einem Arm als auch in einem Bein der gleichen
Seite. Die Äußerungen der Jeckson-Epilepsie können die Gesichtsmuskulaturzuckungen
sein, die auch sehr oft als „Hypererregbarkeit“ bewertet werden.
Bei den Neugeborenen kann man s.g. adversive und opeculare Krämpfe sogar häufiger
als bei den älteren finden. Die beide sind Äußerungen der Jeckson-Epilepsie. Die
adversive Krämpfe (gewaltsame Kopfbewegungen zur Seite) entwickeln sich bei einer
Pathologie im Bereich vom Gyrus frontalis med. Die opekulare Krämpfe (Operculum-Bereich)
äußern sich als schmatzende Bewegungen. Meistens bekommen diese typische Paroxysmen
sehr unerwartete Erklärungen, die ganz falsch sind. Es gibt kein Grund, diese
Anfälle „infantile Krämpfe“ zu nennen, weil es um die typischen epileptischen
Anfällen als Folge einer Hämorrhagie im entsprechenden Hirnbereich des Kindes
handelt.
Wir sprachen schon über die interessanten Beobachtungen von I.P.Elisarova (1977):
40% der mit einer „schweren Asphyxie“ Kinder hatten Krämpfe schon in der Neugeborenenperiode.
„Die Krämpfe waren tonisch-klonisch, fingen mit dem mimischen Muskulatur an und
breitete auf die Extremitätenmuskeln aus. Die Anfallsdauer war unterschiedlich:
von einem kurzen Epilepsieequivalentanfall bis den großen Anfall von 2-3 Minuten“.
Dann betont die Autorin das Wichtigste: Bei der Sektion von den gestorbenen Kindern
mit den sehr schweren Anfällen fandet man große cerebrale Hämorrhagien. Aus dem
gesagten ist es offensichtlich sogar nur nach den Autopsieergebnissen, eine „schwere
Asphyxie“ ist eigentlich ein schweres Geburtstrauma von dem Gehirn, und die Anfälle
waren epileptisch, deren Ursache eine intracraniele Hämorrhagie. Englische Neurologen
beobachteten, daß die Neugeborenen, die die Krämpfe schon in den ersten Tagen
haben, meistens ein trauriges Schicksal haben.
Die Reflexuntersuchung lässt von den Feinheiten wie bei den Erwachsenen nicht
sagen. Bei den Neugeborenen ist die Patellasehreflexprüfung die Grunduntersuchung.
Theoretisch müssen bei einer schlaffen Parese die Hyporeflexie und bei einer spastischen
die Hyperreflexie sein. Aber tatsächlich ist es ganz anders: Sogar bei den schlaffen
Paresen sind die Reflexe erhöht, weil die schlaffen Paresen haben bei den Neugeborenen
den spinalen Ursprung als Folge einer Ischemie des entsprechenden Rückenmarksbereiches.
Früher sagten wir, bei den spinalen Ischemien entsteht ein „Bleistift“-Phenomen
von Zülch, wobei eine schlaffe Parese sich mit einer Hyperreflexie in derselben
Extremität vereinigt (als folge einer Ausbreitung der Ischemie auf die suprasegmentalen
Strukturen des Rückenmarkes). In diesen Fällen ist ein diagnostischer Fehler möglich:
wegen der gebundenen erhöhten Reflexen kann ein nicht genug erfahrener Arzt zu
einer falschen Vermutung einer zentralen Schädigungslokalisation bei einem Patient
mit einer schlaffen Parese kommen.
Obwohl dieses Buch von der Neurologie des Neugeborenen ist, ist es unmöglich,
alle Details dieses riesigen Problems zu besprechen. Nur sagen wir von einer interessanten
Forschung von V.I.Morosov (1989), die in unserer Klinik zusammen mit einer Klinik
für Kinderchirurgie gemacht wurde. Der Autor wies nach, bei den Neugeborenen mit
einem perinatalen Trauma von der Halswirbelsäule und den Aa. vertebralis breitet
die Ischemie auf den Hirnstamm aus, und das führt zum Pylorospasmus, und dieser
Spasmus breitet auf den ganzen Dünndarm: Davon ist der größte Teil aller Erbrechen
und manchmal auch die Invagination. Das konnte man mit den Tierexperimenten zeigen:
der Dickdarm funktionierte ganz normal, aber der Dünndarm war spasmiert, was eine
Voraussetzung für die Invagination vom spasmierten Dünndarm in den normalen Dickdarm
war.
Im Kapitel von den technischen Hilfsmethoden wird es ausführlicher von der Bedeutung
jeder einzelnen in der Neugeborenenperiode gesagt. Aber es ist wichtig, schon
jetzt zu betonen, daß die röntgenologische und elektrophysiologische Diagnostik
in diesem Lebensabschnitt früher als bei den älteren Kindern sollen geführt werden:
Bei einer präziser Diagnose kann der Arzt dem Patient auf der frühsten Phase helfen.
man soll auch sagen: Das Fehlen von Geburtstraumashinweisen schließt es nicht.
Das kann nur bei einer gründlichen Neugeborenenuntersuchung entschieden werden.
Es gibt natürlich Schwierigkeiten bei der Interpretation der Befunden, und manchmal
wird eine Diagnose nur bei einer weiteren Beobachtung gestellt. Aber man soll
alles mögliches machen, um alle diagnostischen Fragen so früh wie möglich zu beantworten.
Wir sagten schon, es ist sehr schwierig, die Epidemiologie der perinatalen Schädigungen
zu bewerten. Es gibt unterschiedliche Ansichten unterschiedliche Terminologie
usw. Und die Hauptsache-- es gibt keine Möglichkeit, die Ergebnisse von verschiedenen
Schulen zu vergleichen. Wir bewerteten die Frequenz der perinatalen Nervensystemschädigungen
in den unterschiedlichen Entbindungsheimen und der verschiedenen Regionen.
Die Ziffern waren ungefähr gleich (mit der Ausnahme den Entbindungsstationen,
wo die Geburtshilfemethoden überprüft wurden. Aber es war die einzelne). Die grobe
neurologische Symptome einer cerebralen und spinalen Pathologiewurden bei 8-10%
aller Kinder gefunden. Die Symptomatik kann abnehmen, aber die Hauptzeichen der
Pathologie bleiben ohne Zweifel zum Ende des ersten Jahres. Das ist die Gruppe
„A“. Noch 23-25% aller Neugeborenen hatten eine neurologische Symptomatik ohne
Zweifel, aber sie war nicht so grob, und die Hauptsache, sie verschwindet zum
Ende des ersten Jahres, bei einem Teil nach einigen Wochen bei den anderen nach
einigen Monaten (Gruppe „B“). Es ist wichtig, die Herdsymptomatik war, was die
Schädigungsherde nachwiesen, und die gute Wiederherstellung spricht nur davon,
daß diese neurologischen Störungen reversibel sind. Und was noch sehr wichtig
ist, die Gruppe „B“-Patienten gehören zur Risikogruppe von unterschiedlichen Krankheiten,
die in der Zeit verschoben werden können (Insulte, Wirbelsäuleinstabilität, Halsosteochondrose,
Skoliose usw.). Das wird in einem der letzten Kapitel besprochen. Also es gibt
33-35% Neugeborenen mit einer neurologischen Symptomatik und das hängt von
den geographischen Regionen nicht ab. Wir können sagen ,daß ein solches Bild in
den europäischen Ländern auch existiert, aber dort wird eine totale neurologische
Untersuchung von den Neugeborenen nicht durchgeführt, und deswegen „verschwanden“
die Geburtstraumen. Davon kommt eine riesige Menge der zerebralen Kinderlähmungen. A.J.
Ratner |