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Glaube keiner Statistik...

...die Du nicht selber gefälscht hast - soll Churchill gesagt haben.
Andere behaupten, Goebbels habe dieses Zitat Churchill in den Mund gelegt.
Bekannt ist ja auch 'Lies, bloody lies - statistics'.

Nun, wir sind mehr und mehr so in Ehrfurcht vor den 'großen' Wissenschaftszeitungen erstarrt, daß man dazu tendiert zu glauben, was diese veröffentlichen sei auf Herz & Nieren geprüft.
Wer selber Artikel einreicht, weiß natürlich, wie willkürlich und von persönlichen Kontakten abhängig das Publiziertwerden ist.
Die breite Masse der Leser hat diese Erfahrungen - die den Glauben an die Unfehlbarkeit von Nature, Science und Konsorten etwas dämpfen - aber nicht und so ist eine Untersuchung, die eben veröffentlicht wurde, sehr lehrreich (weiter).
Die Autoren geben eine Minimalschätzung von 11-12% 'inkongruenter statistischer Resultate' (deutsch: falsch oder gefälscht) und, die sie auf Rundungsfehler Fehler beim Abschreiben etc. zurückführen.
Sie kommen zu dem Schluß, daß bei über 10% ein um eine Größenordnung geändertes Signifikanzniveau bei den Ergebnissen ergeben hätte. Sie schreiben:
'spurious precision adds no value to a paper' - schon Gauss wies darauf hin, daß sich die Unkenntnis der Mathematik an der Anbetung der Zahlen hinter dem Komma ablesen läßt.
Dies nur als kleiner Hinweis, nicht alle Ergebnisse sooo ernst zu nehmen...


Neugierige leben länger

- zumindest bei den Ratten
(siehe weiter).
Das ist uns Umtriebigen natürlich Trost und Ermutigung, hat man doch immer gesagt:
"Mach Dir doch nicht den Streß"
- Jetzt wissen, wir, daß das auch zu etwas gut ist...


Chimären- Phänomene

Es ist bekannt, daß sich noch Jahrzehnte nach einer Entbindung Zellen im Blut der Mutter nachweisen lassen, die vom Embryo stammen. Hier werden
Zusammenhänge mit dem vermehrten Auftreten rheumatischer und Autoimmun- Erkrankungen vermutet.
Weniger bekannt ist, daß auch im Organismus der danach geborenen Kinder Zellen der Mutter und dieser ersten Geschwister gefunden werden können.

Noch faszinierender ist der Fall einer zweiundfünfzigjährigen Frau in Massachusetts, deren Angehörige für eine Transplantation auf ihre
Immunkompatibilität untersucht worden waren, wobei sich herausstellte, daß zwei Söhne gar nicht die ihrigen zu sein schienen!
Erst als man mehrere Gewebsproben der Frau untersuchte, stellte sich heraus, daß sie wahrscheinlich aus zwei Embryonen in frühem Stadium der Schwangerschaft fusioniert war, d.h. daß sie über zwei Zellpopulationen verfügt, deren eine überwiegt und z.B. in den Blutzellen domiert,
während die andere nur in bestimmten Organen (z.B. Ovarien und Schilddrüse) nachweisbar war. weiter und weiter


Starke Korrelation zwischen Asthma
und früher Antibioticagabe.

In einem kürzlich erschienenen Artikel
im Economist wird darauf hingewiesen, dass Asthma seit den siebziger Jahren von einer relativ seltenen Kinderkrankheit zu einem weltweit wichtigen Phänomen geworden ist und dabei Wachstumsraten von 50% pro Jahr zu beklagen sind.
Auf dem European Respiratory Congress in Wien berichteten C.C. Johnson und Ihre Mitarbeiter über eine prospektive epidemiologische Studie zu diesem Thema.
weiter
Sie begleiteten über 400 Kinder von der Geburt
bis zum siebten Geburtstag und stellten fest, dass Antibioticagabe - vor allem während der ersten sechs Lebensmonate - das Asthmarisiko mehr als verdoppelte, bei Breitspektrum- Antibiotika sogar noch mehr.
Andere Risikofaktoren sind Abwesenheit von
Haustieren und Kontakt mit anderen (Klein-) Kindern sowie zu viel Desinfektion (vgl. auch [1-4]).
Sowohl in der wissenschaftlichen Presse[5]
als auch in anderen Zeitschriften (z.B. Economist, 4.10.03; S.80f) wurde breit darüber berichtet.
Es ist zu hoffen, dass derartige Artikel dazu beitragen, bei Eltern und Kinderärzten die Zurückhaltung bei der Antibioticagabe wachsen zu lassen...

1. Johnson CC, Alford SH. Do animals on the farm
and in the home reduce the risk of pediatric atopy?
Curr Opin Allergy Clin Immunol 2002;2(2):133-9.
2. Ownby DR, Johnson CC, Peterson EL.
Exposure to dogs and cats in the first year of life
and risk of allergic sensitization at 6 to 7 years of age.
Jama 2002;288(8):963-72.
3. Johnson CC, Ownby DR, Zoratti EM,
Alford SH, Williams LK, Joseph CL. Environmental
epidemiology of pediatric asthma and allergy.
Epidemiol Rev 2002;24(2):154-75.
4. Hesselmar B, Aberg N, Aberg B,
Eriksson B, Bjorksten B.
Does early exposure to cat or dog protect
against later allergy development?
Clin Exp Allergy 1999;29(5):611-7.
5. Motluk A. Antibiotics
for babies linked to asthma.
New Scientist 2003;180:16.


Un-Planbarkeit der Gesundheit

Über die Unplanbarkeit von Gesundheit hat sich der Psychater Klaus Dörner in einem Zeit-Interview
weiter
und seinem "ersten Alterswerk" (K.D.)
"Der gute Arzt" (Schattauer, Stuttgart, 2000)
weiter geäußert.


Psychopharmaca der Amphetamin-Klasse bremsen bei längerer Einnnahme die Anpassungsreaktionen des Herins auf Neues.

Kolb et al. wiesen in einem kürzlich veröffentlichten Artikel in Tierversuchen (Ratten) nach, daß es nach Einnahme von psychostimulierenden Drogen wie Amphetamin und Cocain zu meßbaren Verringerungen des Dentritenwachstums kam.
Es soll jetzt untersucht werden, ob dies auch zu Veränderungen von Verhalten unbd kognitiven Fähigkeiten führt.
Zumindest kann man sagen, daß derartige Pharmaka - auch Ritalin gehört zu dieser Wirkungsklasse - mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Veränderung der Feinstruktur des Gehirns zur Folge haben.
Artikel
Interessant in diesem Zusammenhang eine Meldung im Spiegel, daß es mit der behaupteten Langzeitschädigung des Gehirns durch einmalige Exstasy-Einnahme nicht weit her zu sein scheint.


EWMM-Workshop Antwerpen
weiter


Ein neuer Beitrag der Nature - Nurture Debatte.

Im Magazin Prospect wird das neue Buch von Matt Ridley besprochen, worin dieser sich mit der uralten Debatte auseinandersetzt, ob es die Erbmasse oder die Umweltfaktoren sind, die uns prägen - und auf den naheliegenden Schluß kommt, daß beides dazu beiträgt.
www.prospect-magazine.co.uk


Schmale Gaumen und Polypen begünstigen Bettnässen

Nachdem mehrere Studien nachzuweisen scheinen, daß Enuresis nach Entfernung vergrößerter Rachenmandeln signifikant zurückgeht ist hier die Frage nach der Kausalkette zu stellen. Einige Kieferorthopäden stehen auf dem Standpunkt, daß es eher ein schmaler Gaumen ist, der ursächlich dahintersteht. Artikel
Vom manualmedizinischen Standpunkt aus macht dies Sinn, da wir zum einen wissen, daß eine Kopfgelenkblockierung vermehrte Rachenwegsinfekte nach sich zieht und zum anderen, daß eine Beseitigung dieser Störung die Häufigkeit von Enuresis deutlich reduzieren kann.
Wie so oft ist es auch hier keine lineare Kette, sondern ein Netz von Faktoren, die eine deratige Pathologie unterhalten.
Quellen:
Cinar et al. Nocturnal enuresis and upper airway obstruction J Pediat
Otorhion 2001;59;115-8



NEWS

Sind Salyzilate als Vitamin zu betrachten?

Wenn man sich überlegt, wie vielfältig die Rolle von Apsirin in unserem Stoffwechsel ist, kommt man schon ins Staunen. Vom banalen Schmerzmittel
über den Gerinnungshemmer bis zur Krebsprophylaxe hat dieses einfache
Molekül so ein großes Wirkspektrum ,daß man sich zu wundern beginnt.

G.Morgan (s.u.) fordert jetzt, Salyzilate den Status eines Vitamins einzuräumen, da sie essentielle Moleküle seien, die der Körper nicht selber herstellen könne.
Auf den ersten Blick scheint das widersinnig: Wieso soll ein Medikament essentieller Nahrungsbestandteil sein?
Schaut man genauer nach, macht diese Argumentation aber Sinn:
Pflanzen reichern Salyzilate zur Abwehr von Erregern in ihren Schalen an. Diese schmecken dann bitter. Durch systematischen Insektizid-
Gebrauch ist dies aber für die durchschnittliche Kulturpflanze viel weniger wichtig als für die Wildformen (Bio- Gemüse hat mehr
Salyzilatanteil als vergleichbare Ware) und Bitterkeit wurde über lange Jahre systematisch aus allem rausgezüchtet.
So gesehen fehlt es schon an der 'normalen' Salyzilatzufuhr.

Man wird weiterdiskutieren müssen...

Morgan,G. Should Aspirin be used to counteract 'salycilate deficiency'?
Pharmacol Toxicol 2003; 93: 153-5
weiter
Text-Download


Argument für Homoeopathie?

Auch in der 'klassischen' Pharmakologie gibt es Stimmen, die das alte Prinzip der Homoeopahthie 'similia similibus curantur' als Denkansatz
ernst nehmen.
Ein Beispiel, das kürzlich in einem Artikel es New
Scientist dargestellt wurde, ist die Verwendung von Betablockern bei dekompensierter Herzinsuffizienz. Richard Bond (weiter) spricht davon, daß
hier erstmals eine Medikamentengruppe vom Status der "verbotenen" zu dem des "besten Mittels" aufrückte (siehe: weiter).
Zumindest kann man sagen, daß wir noch längst nicht alles darüber wissen, wie die Interaktion zwischen Medikamenten und dem Organismus
abläuft... Text-Download


Nikotin wirksam bei ADHD

Alexandra Potter, eine Psychologin an der Universität Vermont, konnte zeigen, daß sich die Symptome von ADS- Jugendlichen unter Nikotingabe verbessern. weiter und weiter
Nun stellt sich natürlich die Frage, ob man sich auf solch einen Ansatz überhaupt einlassen sollte...
Aber vielleicht eine Idee, wie man Marlborough 'modern' vermarkten könnte...


Kurz & gut?

Für alle Gurmets und Kochfanatiker kommen zwei Artikel im Journal of the Science of Food and Agriculture nicht überraschend (siehe 1 & 2).
Die Autoren weisen nach, daß durch das Blanchieren von Gemüse (wie es bei Tiefkühl- Artikeln üblich ist) und vor allem durch das Erhitzen im Mikrowellenofen Flavonoide fast völlig zerstört werden.
Als beste Zubereitungsmethode kam das Dampfgaren mit fast 80% erhaltenen Wirkstoffen weit an erster Stelle.
Aber das dauert halt ein bißchen länger....


Quelle 1:

Research Article
Phenolic compound contents in edible parts of broccoli inflorescences after domestic cooking
F Vallejo, FA Tomás-Barberán, C García-Viguera *
Laboratorio de Fitoquimica, Departamento de Ciencia y Tecnología de los
Alimentos, CEBAS-CSIC, PO Box 4195, E-30080 Murcia, Spain
email: C García-Viguera (cgviguera@cebas.csic.es)

*Correspondence to C García-Viguera, Laboratorio de Fitoquimica,
Departamento de Ciencia y Tecnología de los Alimentos, CEBAS-CSIC, PO
Box 4195, E-30080 Murcia, Spain

Funded by:
Spanish CICYT; Grant Number: AGL2001-1125
Fundacíon Seneca and Consejería de Agricultura, Agua y Medio Ambiente

Keywords
broccoli (Brassica oleracea L) • flavonoids • hydroxycinnamoyl acid
derivatives • domestic cooking • HPLC/MS

Abstract
Total flavonoid and individual hydroxycinnamoyl derivative (sinapic and caffeoyl-quinic acid derivative) contents were evaluated in the edible
portions of freshly harvested broccoli (cv Marathon inflorescences) before and after cooking and in the cooking water. High-pressure boiling, low-pressure boiling (conventional), steaming and microwaving
were the four domestic cooking processes used in this work. The predominant sinapic acid derivatives were identified as 1,2,2-trisinapoylgentiobiose and 1,2-disinapoyl-2-feruloylgentiobiose.
In addition 1,2-diferuloylgentiobiose and
1-sinapoyl-2,2-diferuloylgentiobiose were also identified in broccoli inflorescences. The results showed large differences among the four
treatments in their influence on flavonoid and hydroxycinnamoyl derivative contents in broccoli. Clear disadvantages were detected when broccoli was microwaved, namely high losses of flavonoids (97%), sinapic acid derivatives (74%) and caffeoyl-quinic acid derivatives (87%).
Conventional boiling led to a significant loss of flavonoids (66%) from fresh raw broccoli, while high-pressure boiling caused considerable leaching (47%) of caffeoyl-quinic acid derivatives into the cooking water. On the other hand, steaming had minimal effects, in terms of loss, on both flavonoid and hydroxycinnamoyl derivative contents.
Therefore we can conclude that a greater quantity of phenolic compounds will be provided by consumption of steamed broccoli as compared with
broccoli prepared by other cooking processes. Copyright © 2003 Society of Chemical Industry

Quelle 2:

Research Article
Blanching and long-term freezing affect various bioactive compounds of vegetables in different ways
Riitta Puupponen-Pimiä 1 *, Suvi T Häkkinen 1, Marjukka Aarni 1, Tapani Suortti 1, Anna-Maija Lampi 2, Merja Eurola 3, Vieno Piironen 2, Anna
Maria Nuutila 1, Kirsi-Marja Oksman-Caldentey 1
1VTT Biotechnology, PO Box 1500 (Tietotie), FIN-02044 VTT, Finland 2 Department of Applied Chemistry and Microbiology, PO Box 27
(Latokartanonkaari 11), FIN-00014 University of Helsinki, Finland
3MTT, Agrifood Research Finland, Chemistry Laboratory, FIN-31600 Jokioinen, Finland
email: Riitta Puupponen-Pimiä (riitta.puupponen-pimia@vtt.fi)

*Correspondence to Riitta Puupponen-Pimiä, VTT Biotechnology, PO Box
1500 (Tietotie), FIN-02044 VTT, Finland

Funded by:
Tekes

Keywords
processing • blanching • frozen vegetables • phenolics • antioxidants •
dietary fibre • vitamins • sterols • carotenoids

Abstract
An extensive study on the effects of blanching/freezing and long-term freezer storage on various bioactive compounds of more than 20 commonly used vegetables was performed. Effects were strongly plant species-dependent. Contents of dietary fibre components either were not affected or increased slightly. Minerals in general were also stable, but some losses of soluble minerals by leaching were observed. Phenolic antioxidants and vitamins were clearly more sensitive. Significant
losses (20-30%) of antioxidant activity and total phenolics were detected in many vegetables. A qualitative HPLC profiling method for phenolic antioxidants was developed which proved to be very useful when evaluating the complex behaviour of phenolics during food processing. Up to one-third of vitamin C contents were lost during blanching, and
further slight losses were detected during storage. Folic acid turned out to be very sensitive to blanching, with more than half of the vitamin being lost, but was stable during freezer storage. Carotenoids and sterols were not affected by blanching or freezer storage. The usefulness of the applied screening methods for evaluation of the
effects of processing on vegetables is shown. Copyright © 2003 Society
of Chemical Industry


 

  
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