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Veranstaltungen:
Rückblicke

 

 

Rückblick Workshop Antwerpen 2005
20. EWMM Röntgenworkshop in Antwerpen 3.-4.06.2005
U. Jahn, Bad Rothenfelde

Grund zum Feiern hatte die EWMM im Juni 2005. Zum zwanzigsten Mal traf man sich in Antwerpen, um Themen rund um die funktionelle Radiologie der Halswirbelsäule zu beleuchten. Der Weg war schwieriger als sonst - Antwerpen war Großbaustelle - doch waren am Ende alle der Meinung ihn nicht umsonst gemacht zu haben. Bei guter Atmosphäre und exzellentem Essen verlebten alle Teilnehmer zwei angenehme Tage.

Bruno Maggi eröffnete mit einigen interessanten Krankheitsverläufen von Patienten, die er und Heiner Biedermann gemeinsam begleitet hatten. Allen gemeinsam waren die deutlichen Dysplasien der WS- Übergangsregionen, welche sich über den Beobachtungszeitraum auch mit weiteren beschwerderelevanten Anpassungsreaktionen auswirkten. In einigen Fällen ergab sich auch die Kontraindikation zur Chirotherapie, so dass Haltungshygiene bzw. Therapie des Kau-Kieferapparates in den Vordergrund trat.

Bruno Maggi

Auch Biedermann kümmerte sich in seinem Vortrag um hochcervikale Dysplasien. Verschiedene in der Praxis gesammelte Rö-Befunde wurden besprochen und anhand eines 3D-Visualisierungsprogramms mit Datensätzen aus HWS-CTs verglichen. Der Vergleich ermöglichte bei vielen Anwesenden ein deutlich besseres visuelles Verständnis der zum Teil schwierigen Röntgenbefunde. Während der Diskussion wurden auch einige wichtige Hinweise gegeben, z.B. nach Erkennung einer hochzervicalen Dysplasie nach weiteren Fehlbildungen am lumbosakralen Übergang bzw. dem Hüftbereich zu forschen (ALF). Auch vertrat er die Meinung, dass eine Dysfunktion der Kau- Kieferregion in der Regel nur bei Vorliegen einer Fehlstatik klinisch relevant sei.

Tigges nahm bewusst provokativ und mit Augenzwinkern Gegenposition zu festen Meinungen der manuellen Medizin. Ein Streitgespräch mit einem Osteopathen hinsichtlich der Wirksamkeit von Strain-Counterstrain hatte ihn nachdenklich gemacht. Er vertrat die Auffassung das klinisch relevante Dysfunktionen sich vor Allem durch zwei Mechanismen ausbilden, welche die Propriozeption unterlaufen. Langsame langandauernd einwirkende Reize z. B. Längeres Arbeiten in Rumpfvorbeuge würde die eher schnell anspringenden Nozizeptoren der Gelenke unterlaufen, so dass Regulation unterbleibt und Blockierungen beim Lagewechsel entstehen. Gerade Strain-Counterstrain würde den gleichen Weg rückwärts beschreiten und damit auch wieder die Rezeptoren in Richtung Bewegungsfreiheit unterlaufen. Ein plötzlicher hochenergetischer Reiz wie z.B. eine HWS-Distorsion bei Verkehrsunfall würde trotz der auf Geschwindigkeit ausgelegten Nozizeption diese überfordern und ein falsches Afferenzmuster mit der Ausbildung einer Blockierung zu Folge haben. Hier wäre die schnelle Manipulation in Gegenrichtung das adäquate Mittel der Therapie, um wiederum die Rezeptoren zu überlisten. Kurzum sei die Technik egal, der Zeitfaktor wäre das Entscheidende.

Kinesio-Taping wird unter Orthopäden und Manualtherapeuten vor allem im Norden immer beliebter. Klaus Dörhage gab deshalb einen Überblick über die auch in seiner Praxis gern eingesetzte Technik. Neben Vorteilen gegenüber normalem ruhigstellendem Tapeverband, wie z.B. dem vollen Bewegungsumfang durch Dehnbarkeit, wird dem Kinesio-Tape Eigenschaften wie Eigenlymphdrainage, Förderung der Koordination durch Rezeptorenreizung, Durchblutungsförderung, Hämatomresorbtion und Anderes mehr nachgesagt. Nach Demonstration von Technik, Material und den Bezugsmöglichkeiten fand ein fröhliches Ausprobieren der Standardtechniken statt.

Klaus Doerhage

Nichts ist komplizierter als die Wahrnehmung. Dennoch trat Robby Sacher an, dieses Feld zusammenfassend aufzugliedern. Dysgnosie, Dyspraxie und Teilbereichstörungen wurden ebenso besprochen wie ihre zum Teil immanent wichtigen Auswirkungen auf die manualtherapeutische Arbeit. An einem Afferenz/Efferenz Modell legte er dar, dass sich gerade mittels Manualtherapie die sensorische Afferenz verbessern lässt und somit eine Verbesserung auch der Efferenz und der gesamten Funktionseinheit eintreten könne. Im Anschluss wurde rege diskutiert. Besonders frühkindliche Reflexe wurden im Rahmen des gerade Gehörten besprochen. Insgesamt sahen die Beteiligten hier noch einen großen Klärungsbedarf.

Den traditionellen ‚fachfremden' Beitrag hielt diesmal der Journalist Prof. Römberg aus Eichstätt. Falschmeldungen und Medienfälschungen waren genauso Thema wie das bewusste Vorführen der Presse mittels ironisch unglaubwürdigen aber reißerisch ins Konzept passenden Fremdbeiträgen. Mit zum Teil sehr unterhaltsamen Anekdoten über "Grubenhunde" und sechs Meter hohen Gen-Mais stellte er das Geschehen in den historischen und gesellschaftlichen Kontext und bot der "Wer schreibt der bleibt"-Kultur der Medizin einmal mehr Stoff zum Nachdenken.

Prof. Römberg

Das Physiotherapeutentrio aus den Niederlanden berichtete über die fehlende Akzeptanz von KISS und KIDD in ihrer Heimat, insbesondere von ärztlicher Seite. Es werde reißerisch mit falschen Komplikationsvorwürfen die Therapie als gefährlich und nicht empfehlenswert hingestellt. Besonders werde häufig der Todesfall eines Säuglings nach inadäquat ausgeführter Voijta-KG ins Feld geführt und als Komplikation der manuellen Therapie hingestellt. Insgesamt stünde die KISS-Therapie in der Akzeptanz ungefähr auf dem Stand wie vor zehn bis fünfzehn Jahren in Deutschland.
Außerdem stellten sie die neue Webseite der EWMM in Holland www.ewmm.net vor. Neben allerlei Links und nützlichen Informationen ist die Seite auch als zentrale Datenbankschnittstelle für eine zukünftige gemeinsame Datensammlung der EWMM-Therapeuten Europas geplant. Hierzu wurde auch ein Questionaire zur Diskussion gestellt. Seite und Idee wurden sehr positiv aufgenommen, über den nötigen Umfang eines solchen Questionaires, sowie spezielle Fragen daraus, gerade im Hinblick auf den Praxisalltag und die Notwendigkeit der späteren Dateneingabe, entbrannte eine kontroverse Diskussion.

Der Kölner Kinderradiologe Kellner berichtete über die Sicht der in der KISS-Diagnostik "mitbetroffenen" Radiologen. Die Aufnahmetechnik nach Gutmann sei nicht Standard und würde hohe Anforderungen an Radiologen und Personal stellen. Insbesondere wäre auch die Röntgenanatomie des Kindes in der hochcervikalen Region alles andere als trivial. Als Beispiel führte er drei Ossifikationszentren des dens axis, sowie die vier Synchondrosen des atlas an. Der dens habe schließlich eine Vielzahl Synchondrosen. KISS bliebe nun mal eine klinische Diagnose, er sehe die radiologische Arbeit daher eher als Auschlußdiagnostik hinsichtlich Tumor oder Segmentationsstörung an. Die Beurteilung der Lateralität finde nicht statt, auch die übliche Patientenfrage "Ist es nun KISS ?" müsse unbeantwortet bleiben. Zum Schluss präsentierte Kellner mit einer Pseudosubluxation C2/3 noch einen echten Hingucker bei dem trotz extremer Stellung keine wesentliche klinische Relevanz bestehe.

Das Treffen klang dann mit einem klassischen Violinsolo aus, worauf man sich entspannt auf die Heimreise begab. Der einundzwanzigste Röntgenworkshop der EWMM ist für den 16.-17.6.2006 bereits geplant.

Artikel von Walter Hömberg

 

 

 

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