Rückblick
Workshop Antwerpen Juni 2006 Diesmal
stand das jährliche Treffen der EWMM in Antwerpen ganz im Zeichen der Anatomie
des Kopf- Hals- Übergangs. Als Einstieg sahen wir ein Kurzvideo über
Bewegungsmuster des Lig. alare am freipräparierten Kopfgelenk; Hans Menne
hatte diesen Film von einem Kongress in Norwegen mitgebracht. Wie
immer war auch diesmal zwischen den Hauptreferaten Zeit, die Kenntnisse der funktionell-
morphologischen Röntgenanalyse aufzufrischen. Heiner Biedermann zeigte hierzu
einiges aus der täglichen Praxisarbeit. 
Diskussion in der Pause
Nach einem wieder einmal
hervorragenden Lunch, der von lebhaftem fachlichen Austausch begleitet wurde,
stellte Lutz Koch die von ihm in Zusammenarbeit mit Heike Korbmacher aus der Abteilung
für Kieferorthopädie des UK HH-Eppendorf laufende Studie vor, die sich
mit der Interaktion von vertebragenen Störungen und dem Kau- Kieferapparat
beschäftigt (vgl. Manuelle Medizin 2006 ) weiter Im
folgenden erläuterte der Anatom Jens Weingärtner (Uni Greifswald) uns
die anatomischen Strukturen der oro-fazialen Region mit ihrer topographischen
Anatomie. Parallel dazu konnte man sich dies an einer mitgebrachten Schädelsammlung
verdeutlichen. 
'Kiebitzen' an der Schädelsammlung
Die Phylogenese mit der Entwicklung des Neuro- und Viscerokraniums wurde erläutert,
wobei auch auf die Bedingungen und die Folgen der Zerebralisation eingegangen
wurde. 
J. Weingärtner referiert über die Phylogenese
der Schädelbasis
Einen weiteren Schwerpunkt
bildete die Darstellung und Entwicklung der verschiedenen Funktionseinheiten der
Mandibula sowie auch die Folgen ihrer Störung. Weiterhin wurde die Ontogenese
der einzelnen Strukturelemente des orofazialen Systems in Erinnerung gebracht.
Nach der Kaffeepause hörten wir über die topografische Anatomie des
Kiefergelenkes im Laufe der menschlichen Entwicklung im Zusammenhang mit der Dentition.
Nach diesen schwergewichtigen' Referaten strömten
wir abends ins Zentrum von Antwerpen, wo in großer Runde bei Speis´
und Trank der Abend in angeregten Gesprächen ausklang... ... um am nächsten
Morgen wieder aufmerksam den weiteren Ausführungen von Jens Weingärtner
über die Faszien- Verbindungen besonders im orofacialen Bereich zu lauschen.
Diesem theoretischen Teil folgte dann ein kleiner Präpkurs', bei dem
die vorher diskutierten Zusammenhänge nun im Gespräch anhand mitgebrachter
Präparate konkretisiert werden konnten. Den Abschluss
dieses Treffens bildete der Beitrag von Rainer Schöttl zum Thema "Myozentrik",
der als Zahnarzt die Entwicklung zur CMD Therapie und das myozentrische Konzept
erläuterte. Er erläuterte erst den weiten Weg, den die Gnathologie bei
der Bestimmung der Bissachsen des Kiefergelenks zurücklegen musste und ging
auch breit auf die durchaus noch nicht abgeschlossene Diskussion zu diesem Thema
ein. Er betonte, dass nicht die Bisslage selbst, sondern die gehaltene Ruhestellung
in Muskelfehlstellung der Kern des Problems bei CMS sei. Die Muskulatur wird maximal
entspannt, die minimale räumliche Bewegung des Unterkiefers als idealisierte
Schließbewegung ermittelt, der Endpunkt der Schließbewegung als Myozentrik
bezeichnet und therapeutisch versorgt. 
Dr. Schöttl referiert zum Thema Myozentrik
Somit werden zum Beispiel erst Verspannungen und Blockierungen
gelöst, Haltungsfehler behoben und der Biss in aufrechter Körperhaltung
registriert. In der Diskussion gingen wir auf die verschiedenen Ansätze
zu gemeinsamer Arbeit ein. Die spannungsreiche Gegenüberstellung der
anatomischen Grundlagen mit der klinischen Praxis eines nicht- Manualmediziners
(der aber in Vielem zu ähnlichen Schlüssen gekommen ist) war der inhaltliche
Schwerpunkt dieses interessanten Fortbildungswochenendes. K.
Schulze Lehmann, Berlin |